LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 04.01.06

Foto zur MitteilungGlasaugen, hergestellt zwischen 1923 und 1980, bemalt von Bruno Köhler.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungRohling eines Glasauges.
Foto: LWL


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Presse-Infos | Der LWL

Von Thüringen nach Wertheim
Glasaugen erzählen vom "Aufbau West"

Bewertung:

Wertheim/Dortmund (lwl). Strahlend blau mit feinen roten Äderchen oder dunkel-braun mit gelblich-trüber Lederhaut: Rund 40 bewegungslose Augen starren den Besucher beim Blick in eine Vitrine der Ausstellung "Aufbau West" an. Die gläsernen Prothesen gehören zu insgesamt 300 Objektgruppen, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in der Sonderausstellung "Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder" im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV in Dortmund präsentiert. Im Mittelpunkt der Schau stehen die Leistungen und Erfahrungen der Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten und der Sowjetischen Besatzungs-Zone, die nach 1945 mit Arbeitskraft, Know-how und Unternehmergeist zum Wiederaufbau im Westen beitrugen.

Ob nun Glasaugen, Babyflaschen, Teekannen oder Laborgeräte: Die Hersteller in Thüringen lagen bei der Produktion von Spezialglas weit vorn. Firmen wie Schott und Zeiss hatten bis 1945 weltweit eine Monopolstellung. Dies änderte sich, als Hunderte Fachkräfte in der Nachkriegszeit aus dem sowjetisch besetzten Thüringen in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands flohen.

Viele der Glasproduzenten ließen sich im badischen Wertheim nieder, wo bereits 1946 mit der Laborglasproduktion begonnen wurde. Rohware wie Glasröhren schmuggelten die Hersteller zunächst im Rucksack oder mit Leiterwagen aus Thüringen über die grüne Grenze. "Schnell kam die Stadt Wertheim den angesiedelten Unternehmen entgegen und überließ der neuen Industrie ein Gelände von 42.000 Quadratmetern, auf dem in den nächsten Jahren ein Zentrum der Glasindustrie mit Glashütte und Fabriken, einer Gewerbeschule, einem Glaseichamt sowie Wohnblöcke und Siedlungen samt öffentlichen Gebäuden und kirchlichen Einrichtungen entstanden", erklärt Dr. Arnold Lassotta, Glasexperte im Ausstellungsteam.

Die hochqualifizierten Fachleute für Spezialglas aus dem Osten konnten auf diese Weise ihre Betriebe im Westen neu aufbauen und traten dabei nicht einmal in Konkurrenz zu den westdeutschen Betrieben. "Die konzentrierten sich gemäß der regionalen Schwerpunktbildung in der Glasindustrie vielmehr auf die Flach- und Behälterglasindustrie, so dass die vertriebenen oder geflohenen Glasfachleute die Produktpalette bestehender Glasstandorte im Westen entweder ergänzten oder eben völlig neue Produktionszentren entstehen ließen", so Arnold Lassotta.

Wertheim entwickelte sich mit den Jahren zu einem Zentrum mit Weltruf, was die Glasverarbeitung für Haushalt, Industrie sowie für chemische und medizinische Zwecke anging. 1966 gaben die ansässigen Betriebe insgesamt 4.000 Menschen Arbeit. Zu ihnen gehörte auch Bruno Köhler, der mit Fingerspitzengefühl täuschend echt aussehende Glasaugen bemalte. Dabei war Köhler vor allem für seine exakte Nachbildung der roten Äderchen in den Augen bekannt.

Die Glasaugen stechen in der Ausstellung "Aufbau West" besonders hervor, zu den Produkten der Wertheimer Glasfachleute gehörte aber vor allem Spezialglas wie Dentalglas für Zahnarztpraxen, Spritzen, Fieberthermometer, Pipetten oder Glasfasern für technische Gewebe. "Die Stadt Wertheim und das Land Baden konnten mit der Ansiedlung der thüringischer Glasproduzenten das beste Erbe einer langen technischen Industrieentwicklung übernehmen", fasst Arnold Lassotta zusammen.

"Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder"

18.09.2005 bis 26.03.2006
Zeche Zollern II/IV, Grubenweg 5
Dortmund-Bövinghausen
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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