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Mitteilung vom 10.11.05

Foto zur MitteilungDie 80 Jahre alte Wirkmaschine "Hänsel" läuft Sonn-tag auf der Zeche Zollern.
Foto: LWL


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Wie im Märchen: "Hänsel" als Startkapital für den Westen
Wirkmaschine läuft Sonntag im Industriemuseum Zeche Zollern

Bewertung:

Dortmund / Wuppertal (lwl). Mit einem leichten Surren drehen sich die bunten Garnrollen am hölzernen Aufsatz, werden die Fäden und Kordeln Meter um Meter über längliche Führungsschienen direkt ins Innere der gusseisernen Maschine geleitet und hier zu farbigen Borten verarbeitet. Auch wenn die Wirkmaschine den fantasievollen Namen "Hänsel" trägt, hat sie keine Ähnlichkeiten mit einer Märchenfigur. Sie ist vielmehr eines von 300 Objekten, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in der Sonderausstellung "Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder" im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV in Dortmund präsentiert. Am kommenden Sonntag (13.11.) können Ausstellungsbesucher sehen, wie "Hänsel" funktioniert: Arno Sendner aus dem LWL-Textilmuseum Bocholt wird die Maschine zwischen 11 und 17 Uhr regelmäßig im laufenden Betrieb zeigen.

Mitarbeiter der museumseigenen Werkstätten haben das gut 80 Jahre alte Relikt für die Ausstellung wieder flott gemacht. In den 1920er Jahren setzte Emil Paul Dietzsch das Gerät erstmalig in seiner Posamentenfabrik in Geyer/Erzgebirge ein. Der Familienbetrieb stellte hier Borten, Schnüren und Quasten für den Besatz von Kleidung und Textilien her. Nach der Enteignung durch die DDR-Regierung floh das Unternehmen 1950 nach Wuppertal-Barmen, um im Westen seine Produktion fortzusetzen. Mit im Gepäck war das Startkapital für den Neubeginn: Dietzsch gelang es, seine beiden Kettenwirkmaschinen "Hänsel" und "Gretel" aus der DDR zu schleusen und in Wuppertal wieder aufzustellen.

Mit ihrem Angebot an Borten und Bordüren ergänzte die Firma Dietzsch in den 1950er Jahren schnell das vorhandene Wuppertaler Produktionsspektrum an Bändern und Schmucktextilien: "Nach 1945 wäre die Versorgung der Bevölkerung allein durch die heimische Textilindustrie auch nicht möglich gewesen, weil in der Textilbranche schon immer eine weitgehende regionale Arbeits-teilung zwischen Ost und West herrschte", erklärt Dr. Arnold Lassotta, Textilfachmann im LWL-Ausstellungsteam.

Die neuen Unternehmen aus dem Osten trafen im Westen auf eine so hohe Nachfrage, dass sich die Firma Dietzsch im Laufe der folgenden Jahre wesentlich vergrößerte. In all den Jahren konnte sich der Familienbetrieb aber von einem besonderen Erinnerungsstück nicht trennen, auch wenn der technische Fortschritt längst bessere Maschinen hervorgebracht hat: "Hänsel" stand bis zur Betriebsschließung 1997 im Besucherraum der Firma und erinnerte an die mühevollen Anfänge im Westen. Dabei blieb die erste Wirkmaschine der Wuppertaler Produktion immer unangefochten die "Nummer Eins" und ist es scheinbar noch heute, wie ein kleines Schild am oberen Holzgerüst mit der Aufschrift "1" bezeugt.

Nach der Schließung der Firma Dietzsch gab Betriebsleiter Herbert Frickhöfer die geschichtsträchtige Maschine 1998 in die Obhut des Westfälischen Industriemuseums. Für die Präsentation in der Ausstellung Aufbau West wurde "Hänsel" dann restauriert und neu eingerichtet.

Schauvorführung "Wirkmaschine in Betrieb"
Sonntag, 13. Januar, 11 bis 17 Uhr
Ausstellung "Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder"
Westfälisches Industriemuseum Zeche Zollern II/IV,
Grubenweg 5, Dortmund-Bövinghausen.



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, Westf. Industriemuseum, Tel. 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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