LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 27.10.05

Foto zur MitteilungTanja Dückers liest aus ihrem Roman "Himmelskörper".
Foto: Verlag


Foto zur MitteilungPetra Reski liest im Industriemuseum.
Foto: P. Schirnhofer


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Presse-Infos | Der LWL

Tanja Dückers, Reinhard Jirgl, Petra Reski und Herbert Somplatzki:
Lesereihe zur Sonderausstellung "Aufbau West" auf Zollern

Bewertung:

Dortmund (lwl). Flucht, Vertreibung und Heimatverlust sind Themen zahlreicher Romane, die in den Jahrzehnten nach 1945 meist von Angehörigen der Erlebnisgeneration verfasst wurden. Seit einigen Jahren melden sich verstärkt auch Angehörige der nächsten Generationen zu Wort. Mit Tanja Dückers, Reinhard Jirgl, Petra Reski und Herbert Somplatzki sind im November vier renommierte Autorinnen und Autoren zu Gast im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV. Gemeinsames Thema ihrer Werke: Das Aufwachsen im Westen und das Verhältnis zur verlorenen Heimat der Eltern in Schlesien, Ostpreußen und Böhmen.
Die Lesereihe ist Teil des Begleitprogramms zur Sonderausstellung "Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder", die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) noch bis März in seinem Dortmunder Museum zeigt.

Die Termine (Beginn jeweils 18 Uhr):

Mi, 02.11.: Tanja Dückers ("Himmelskörper")
Mi, 09.11.: Reinhard Jirgl ("Die Unvollendeten")
Mi, 16.11.: Petra Reski ("Meine Mutter und ich" und "Ein Land so weit")
Mi, 23.11.: Herbert Somplatzki ("Masurische Gnadenhochzeit" und "Bis wir im Frieden sind")

Tanja Dückers: "Himmelskörper"

Wer ein Kind erwartet, will wissen, in welchem Nest dieses Kind landen wird - so geht es zumindest der Meteorologin und Wolkenforscherin Freia, Protagonistin im Roman "Himmelskörper" von Tanja Dückers. Dies umso mehr, da die eigene Familie ein Geheimnis mit sich herumträgt, das die Beteiligten jahrzehntelang bedrückt. Was genau geschah im Januar 1945? Wieso hat ein Parteiabzeichen die Großeltern davor bewahrt, mit der "Wilhelm Gustloff" unterzugehen? Freias Mutter weiß es, kann sich aber niemandem anvertrauen und zerbricht an der Last des Familiengeheimnisses. Drei Generationen von Frauen stehen im Mittelpunkt des Romans, dessen Geschichte in Danzig anfängt und in Gdyna einen zumindest teilweisen Abschluss findet.

Tanja Dückers wurde 1968 in Berlin geboren und studierte Germanistik und Nordamerikanistik. Für ihre Arbeiten erhielt sie mehrere Stipendien und Preise.

Reinhard Jirgl: "Die Unvollendeten"

"Noch nie ist die Nachkriegszeit so überzeugend geschildert worden wie in diesem Roman", urteilte Iris Radisch 2003 in Die Zeit über Reinhard Jirgls Roman "Die Unvollendeten". Jirgl erzählt hier unter anderem die Geschichte von vier Frauen aus drei Generationen, die nach Kriegsende aus dem Sudetenland in die sowjetisch besetzte Zone, die spätere DDR vertrieben werden. Obwohl die Protagonistinnen ihren Heimatverlust nie wirklich überwinden, sei der Roman "frei von Sentimentalität", er sei "eine von genauer Beobachtungsgabe und erzählerischer Gewandtheit" getragene Nachkriegsgeschichte", so Kritiker in Der Spiegel und Neue Züricher Zeitung. Der Roman spielt in der DDR spielt und macht trotz aller systembedingten Unterschiede in Punkto Flüchtlingsintegration auch viele Gemeinsamkeiten mit der Nachkriegsgeschichte im Westen deutlich.

Reinhard Jirgl wurde 1953 in Ostberlin geboren. Nach einer Ausbildung zum Elektromechaniker studierte er an der Berliner Humboldt-Universität Elektrotechnik, bevor er sich in den 1970er Jahren dem Schreiben zuwandte. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Berlin. Für seine Arbeiten hat er zahlreiche Preise gewonnen.

Petra Reski: "Meine Mutter und ich", "Ein Land so weit"

"Ein hinreißendes Buch" nannte die Zeitschrift Amica Petra Reskis Roman "Meine Mutter und ich", eine liebevolle Hommage nicht nur an die Mutter, sondern auch an das Ruhrgebiet, in dem die Autorin in einer Bergarbeitersiedlung aufwuchs. Ihre Familie kam nach dem Krieg aus Schlesien und Ostpreußen ins Revier und immer, wenn es auf Familienfeiern spanned wurde, fingen die Erwachsenen an zu weinen und behaupteten, es sei nur wegen des Alkohols gewesen. Als Kind fand sie es schrecklich, wenn dann auch noch das Ostpreußenlied angestimmt wurde, aber nach dem Tod der Großeltern führt eine Recherche-Reise die Autorin ins Heimatdorf ihrer Vorfahren, wo sich die Erzählungen der Dorfbewohner mit der eigenen Familiengeschichte zu verbinden beginnen. Von dieser Reise erzählt "Ein Land so weit".

Petra Reski wurde 1958 geboren und wuchs in Kamen auf. Nach dem Abitur besuchte sie die Henri-Nannen-Schule in Hamburg und arbeitete anschließend als Redakteurin für die Zeitschriften Stern und Cosmopolitan. Seit 1991 ist sie freie Autorin und lebt heute in Venedig.

Herbert Somplatzki: "Masurische Gnadenhochzeit", "Bis wir im Frieden sind"

Der einzige Schriftsteller mit Knappenbrief - so bezeichnet sich Herbert Somplatzki selbst gelegentlich. Er stammt aus einer masurischen Familie, deren Männer seit Generationen im Winter ins Ruhrgebiet zogen, um im Bergbau zu arbeiten und im Sommer wieder zurück nach Ostpreußen gingen, um ihre Höfe zu bewirtschaften. Nach 1945 gab es dieses Zurück nicht mehr. Herbert Somplatzki, 1934 in Masuren geboren, absolvierte nach dem Krieg eine Berglehre, arbeitete 11 Jahre im Bergbau, wurde später Lehrer und lebt heute als freier Schriftsteller im Sauerland. Seit vielen Jahren engagiert er sich in deutsch-polnischen Kulturprojekten, etwa "Spotkania" Ende der 1990er in Essen, "Polen erlesen" 2000 oder, in den letzten Jahren, im "Poetischen Herbst", einer Literaturbegegnung zwischen Schriftstellern aus dem Sauerland einerseit, Ermland und Masuren andererseits.

"Bis wir im Frieden sind" erzählt die Geschichte eines durch Flucht und Vertreibung geprägten kleinen Jungen aus Masuren, der mit seiner Familie Unterschlupf bei Verwandten im Ruhrgebiet findet. "Masurische Gnadenhochzeit" lässt am Beispiel der Familiengeschichte und ausgehend vom 70. Hochzeitstag der Eltern, der sog. Gnadenhochzeit, vor allem die vor dem Krieg liegenden Begegnungen zwischen Ost und West wieder aufleben sowie eine Kultur, die mit dem Tod der Eltern ein Ende finden wird.



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, Westf. Industriemuseum, Tel. 0231 6961-127 udn Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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