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Mitteilung vom 27.10.05

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Malerei mit Fasern: Filzarbeiten von Margret Riedl
Ausstellung im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV

Bewertung:

Dortmund (lwl). Ob bunt, blumig oder völlig abstrakt - die unterschiedlichsten Motive zieren die rund 20 Wandbehänge aus Filz der Textilkünstlerin Margret Riedl, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) von Sonntag, 30.10., bis zum 27. November in seinem Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV in Dortmund präsentiert. Die Vielfalt rührt daher, dass die Künstlerin ohne vorherigen Entwurf an die Arbeit geht und sich beim Filzen von spontanen Gefühlen und Gedanken leiten lässt. "Filzen fordert und fördert drei wichtige Fähigkeiten: Entscheidungsfreude, Disziplin und Sinnlichkeit", erzählt sie.

Die Filz-Ausstellung läuft begleitend zur aktuellen Sonderausstellung "Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder", die der LWL noch bis März 2006 in seinem Dortmunder Museum präsentiert. Margret Riedl hat zum Thema einen sehr persönlichen Bezug: Sie wurde 1949 in einem ukrainischen Arbeitslager geboren, in das ihre Mutter nach dem Zweiten Weltkrieg aus Siebenbürgen zwangsdeportiert wurde.

Ihre Kindheit verbrachte Riedl in Köln und studierte von 1971 bis 1974 Sozialpädagogik. Ob während des Studiums oder später im Berufsalltag, einen geeigneten Ausgleich fand Margret Riedl seit jeher im künstlerischen Bereich und entwickelte ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Plastizieren, Malen und Weben immer weiter. 1984 richtete sie sich ihre eigene Textilwerkstatt mit den Schwerpunkten Handweberei und Tapisserien ein. Zehn Jahre später erfolgten die ersten Experimente mit Filz, woraus sich bis heute eine große Leidenschaft entwickelt hat. Ihre Arbeiten präsentierte die Textilkünstlerin, die heute im Bergischen Land wohnt, in den letzten Jahren bereits bei verschiedenen Ausstellungen, unter anderem auch in der ehemaligen Heimat ihrer Mutter im heutigen Rumänien.

Nach ihrem ersten Besuch in der rumänischen Stadt Heltau, in die ihr Großvater als Textilingenieur Anfang der 1920er Jahre ausgewandert war, engagierte sich Margret Riedl dort für ein Selbsthilfe-Projekt. So reiste die Textilkünstlerin regelmäßig nach Heltau und qualifizierte Frauen in mehrwöchigen Workshops zur selbstständigen Herstellung von Schuhen, Taschen und Wandbehängen aus Filz, die unter anderem an Touristen verkauft werden.

Die Technik des Filzens


Das Filzen zählt zu den ältesten Textiltechniken, weil man zu seiner Herstellung nur wenige Hilfsmittel und keine speziellen Geräte wie Spindeln oder Webstühle braucht. Unter Einwirkung von Feuchtigkeit, Wärme und Reibung lassen sich tierische Fasern - verwendet wird meist Schafswolle - zu einer unentwirrbaren Masse, einer Art Stoff formen. So war die Technik beispielsweise besonders beliebt unter Nomaden, die sich auf diese Weise aus losen Tierhaaren Mäntel, Stiefel oder sogar mobile Behausungen, so genannte Jurten, herstellten.

Beim eigentlichen Filzen wird die gewaschene und gekämmte Wolle in dünnen Lagen kreuzweise übereinander geschichtet. Die losen Wollfasern werden dann so lange mit Seife und heißem Wasser verrieben, bis sie sich zu einer stabilen Fläche verdichten. Diese wird zuletzt in einer Schilfmatte gerollt (gewalkt), damit sich die Wollfasern ineinander schieben und das Gefilzte so gefestigt wird. Bis Margret Riedl aus dem Chaos von Millionen Wollfasern einen Bildzusammenhang gefertigt hat, dauert es je nach Größe drei bis fünf Tage. "Hinzu kommt, dass gerade bei großen Flächen wie den Wandteppichen das Walken äußerst zeitintensiv und körperlich sehr anstrengend ist", sagt die Textilkünstlerin. Sie filzt neben den Wandbehängen auch gegenständliche Objekte wie Taschen, Pantoffeln oder Mäuse, von denen eine kleine Auswahl ebenfalls bei der Ausstellung im Westfälischen Industriemuseum zu sehen ist.



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
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