LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 20.09.05

Foto zur MitteilungVor 93,5 Millionen Jahre lebte dieser Fische. Die Fundstelle Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) lag damals im Meer.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungDer bislang früheste Münzprägestempel Deutschlands ist über 600 Jahre alt. Die Forscher wissen noch nicht, ob der Stempel aus Schieder-Schwalenberg aus einer regulären Prägestätte oder aus einer Falschmünzerwerkstatt stammt.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungZwei eiserne Thorshämmer aus Warendorf-Velsen: Zum ersten Mal wurde dieses Zeugnis des heidnischen Glaubens im Münsterland gefunden.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungAuf dem Gelände der Überwasserkirche in Münster wurden diese Gräber aus der Zeit vor der Gründung des Damenstiftes entdeckt. Sie stammen vom Ende des 10. bis Anfang des 11. Jahrhundert.
Foto: Stadtarchäologie Münster


Foto zur MitteilungMit diesem Rest einer kostbaren Marmorstatue hatte man in Köln im 4. Jahrhundert eine Straße repariert.
Foto: Römisch-Germanisches Museum Köln.


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Presse-Infos | Der LWL

Mit der Taschenlampe durch die Archäologie
Landesausstellung eröffnet im Westfälischen Museum für Archäologie

Bewertung:

Herne (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert vom 23. September bis 5. Februar 2006 in seinem Westfälischen Museum für Archäologie die Landesausstellung "Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen".

Die Ausstellung zeigt die wichtigsten Funde und Ausgrabungen der nordrhein-westfälischen Archäologen und Fossilienforscher aus den vergangenen fünf Jahren. Das Spektrum reicht vom
318 Millionen Jahre alten Einhornhai bis zu Erkennungsmarken von Kriegsgefangenen aus dem 2. Weltkrieg, von monumentalen römischen Götterstatuen bis zur ältesten Zahnbürste Europas.

"Nicht nur die Zeitspanne, die die Ausstellung umfasst, ist beeindruckend, sondern ebenso die Vielfalt der Zeugnisse aus allen Bereichen der Geschichte von Tieren, Pflanzen und Menschen", erklärte Prof. Dr. Karl Teppe, LWL-Kulturdezernent am Dienstag (20.9.) in Herne. Am ersten Wochenende (23. und 24.9.) ist das Museum länger, nämlich bis 20 Uhr geöffnet.

Rund 35.000 Objekte von 1500 Fundstellen aus 137 Orten haben die Wissenschaftler für die Präsentation ausgewählt. "Wir zeigen, wie reich das Bodenarchiv unter unseren Füßen ist und wie viel an Erkenntnissen der Boden bei unseren tagtäglichen Notgrabungen immer noch preisgibt", erläuterte die LWL-Chefarchäologin Dr. Gabriele Isenberg den Sinn der Ausstellung, "dabei zeigen wir im Augenblick nur das, was einigermaßen annehmbar aussieht und schon restauriert ist ".

Zu den bedeutenden Funden aus Westfalen gehören die 100 Millionen Jahre alten, versteinerten Fische aus Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) ebenso wie der mit über 700 Jahren bislang älteste Münzprägestempel aus Deutschland aus Schieder-Schwalenberg (Kreis Lippe). Auch neue Untersuchungen an alten Funden stellt die Landesausstellung vor, etwa an den Knochen aus der Balver Höhle (Märkischer Kreis). Hier konnten die Experten den Speiseplan der Neandertaler und ihre Techniken anhand der Schnittspuren auf den Knochen rekonstruieren.

Die Landesausstellung hat außerdem exklusiven Charakter. Sie erlaubt einen ersten Blick auf Funde, die dann zusammen an einem Ort erst mal nicht mehr zu sehen sind: Denn sie gehen zurück zur Untersuchung an die Wissenschaftler, Restauratoren und andere Experten. "Es dauert unter Umständen Jahre, bis ein Fundkomplex vollständig untersucht ist und dann wieder, falls er überhaupt präsentabel ist, im Museum zu sehen ist - wenn er nicht im Magazin für zukünftige Forschergenerationen aufbewahrt wird", weiß Isenberg. So können die Archäologen die Fragen nach dem Gewicht und Materialwert der 34.000 Münzen, Lagergeld aus dem 1. Weltkrieg, aus Gladbeck (Kreis Recklinghausen) noch nicht beantworten.

Der Rundgang durch die Ausstellung ist wie ein Labyrinth gestaltet. Er beginnt buchstäblich im Dunkeln, wofür die Besucher mit Taschenlampen ausgerüstet werden. Über die Trittspuren von Dinosauriern führt der Weg durch einen Wald aus Schädeln bis in einen Tempel, in eine Kirche und ein Schloss, in Zeche und Gefangenenlager.

"Auf dem Weg erfährt der Besucher das Neueste aus der Archäologie und kann die weit verzweigten Wege der geschichtlichen Erkenntnis nachvollziehen. Im Zentrum der Halle erhebt sich eine Konstruktion aus Gerüst und Holz, das einen römischen Tempel nachempfindet. Hier finden die Besucher die römischen Götterstatuen aus dem Rheinland, darunter auch der Venus-Torso vom Plakat, mit dem wir für die Ausstellung werben", erklärt Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Dieser Statuenrest aus Köln hat eine wechselvolle Vergangenheit: Im 2. Jahrhundert geschaffen, stand die Statue zunächst vermutlich in einer römischen Stadtvilla. Als sie dann aus der Mode kam und wohl auch schon beschädigt war, wurden ihr Arme und Beine abgeschlagen und der übrig gebliebene Rumpf im 4. Jahrhundert zur Ausbesserung eines Schlagloches in einer römischen Straße verwendet. Dort fanden die Archäologen sie auf dem Bauch liegend.

Rüschoff-Thale: "Für die Präsentation hier in Herne haben wir die Ausstellung, die ja bis August in Köln zu sehen war, neu gestaltet. Das war schon allein deshalb nötig, weil uns mit unserer Sonderausstellungshalle 1000 Quadratmeter und damit doppelt so viel Fläche wie in Köln zur Verfügung steht".

Ein weiterer Unterschied zu Köln ist die Ausstattung mit mehr und ganz neuen Funden aus Westfalen. Die mittelalterliche Siedlung von Warendorf-Velsen (Kreis Warendorf) nimmt davon den größten Raum ein. Hier haben die LWL-Archäologen rund 200 Hausgrundrisse freigelegt. Damit zählt sie zu den größten ihrer Zeit im Münsterland. Der wichtigste Fund ist ein so genannter Thorshammer, Symbol des germanischen Gottes Donar oder Thor, nach dem unser Donnerstag benannt ist. Erstmals fanden Archäologen dieses Zeugnis vorchristlichen Glaubens im Münsterland.

Aus der Grabung des Damenstiftes Überwasser in Münster zeigen die Ausstellungsmacher Funde aus dem Alltagsleben der Stiftsdamen vom 9. bis 11. Jahrhundert: Rosenkränze und Fingerhüte, Miederhäkchen und Anstecknadeln.

Am ersten Wochenende (23. und 24.9.) ist das Museum bis 20 Uhr geöffnet. "Mit Anbruch der Dunkelheit beginnt die Fassadenprojektion auf unser Haus im Rahmen des Herner Lichtkunstfestivals. Wir nutzen die Gelegenheit und bieten unseren Besuchern die Möglichkeit, diese Inszenierung mit einem Besuch unseres Museums und der dann noch ganz neuen Ausstellung zu verbinden", so Museumsleiterin Rüschoff-Thale.

Zu der Ausstellung bietet das Museum spezielle Führungen und museumspädagogische Programme an. Darunter ist erstmals auch ein Programm für Hörgeschädigte. In Zusammenarbeit mit der Glückaufschule für Hörbehinderte in Gelsenkichen erleben die Teilnehmer den Rundgang durch die Ausstellung insbesondere über visuelle Reize.

Am Sonntag (24.9.) findet das erste Kreativseminar zur Landesausstellung statt. Die Teilnehmer bauen sich nach archäologischen Vorbildern einen so genannten Spangenhelm, der Stolz und Statussymbol des frühmittelalterlichen Profikriegers war.


Termine und Kosten:

"Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen": Sonderausstellung vom 23.9.05 bis 5.2.06. Eintrittspreise: Erwachsene 3,50 Euro, 6- bis 17-Jährige 2 Euro, Familien 8 Euro. Kombiticket mit der Dauerausstellung: Erwachsene 5 Euro, 6- bis 17-Jährige 3 Euro, Familien 12 Euro.

"Spangenhelm: Kreativseminar, 24.9.05, 11 bis 18 Uhr. Für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren. Kosten: 80 Euro inklusive Material und Museumseintritt. Anmeldung erforderlich unter Tel. 02323-94628-0.

Westfälisches Museum für Archäologie, Europaplatz 1, 44623 Herne, Tel. 02323 94628-0, www.museum-herne.de. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr, Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr



Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235 und und Dr. Yasmine Freigang, Tel. 0251 5907-267
presse@lwl.org



Links:
http://www.museum-herne.de



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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