LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 05.09.05

Foto zur MitteilungDie kleine Rekonstruktion eines Raubsauriers wird ebenfalls in der Landesausstellung zu sehen sein.
Foto: LWL/Thomas


Foto zur MitteilungKralle eines kleinen Raubsauriers, etwa 130 Millio-nen Jahre alt.
Foto: LWL/Thomas


Foto zur MitteilungOberkieferknochen eines Vorgängers unserer heutigen Hasen. Er stammt aus der Zeit der Unterkreide vor etwa 130 Millionen Jahren.
Foto: LWL/Thomas


Foto zur Mitteilung2004 wurde im Wiehengebirge der Fußabdruckeines Sauriers mit drei Zehen entdeckt, etwa 152-155 Millionen Jahre.
Foto: LWL/Thomas.


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Presse-Infos | Der LWL

Saurier und alte Hasen in Herne
Archäologische Funde ab September in Landesausstellung

Bewertung:

Westfalen/Herne (lwl). Alle fünf Jahre präsentieren die Fossilienforscher und Archäologen in Nordrhein-Westfalen ihre aktuellen Forschungsergebnisse und die wichtigsten Funde der Öffentlichkeit. In der Landesausstellung "Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen" zeigt das Westfälische Museum für Archäologie in Herne ab dem 23. September über 35.000 Objekte aus 320 Millionen Jahren. Zu sehen sind Exponate vom Saurier-Friedhof im Sauerland bis hin zum Münzschatz aus einem Kriegsgefangenenlager des 1. Weltkriegs, monumentale römische Götterstatuen aus dem Rheinland und die älteste Zahnbürste Europas aus einem ehemaligen Hospital in Minden. Einige der wichtigsten Exponate stellt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Träger des Museums in einer Serie vor.

Zu den ältesten Funden aus den letzten fünf Jahren gehören die Knochen von Dinosauriern und anderen Reptilien aus der Unterkreidezeit vor circa 130 Millionen Jahren. Sie kamen zu Tage, als die Paläontologen des LWL einen Steinbruch im Sauerland untersuchten.

Damals herrschte in Westfalen subtropisches Klima. Die Forscher fanden Schädelfragmente und Panzerplatten von Krokodilen und Reste von Landschildkröten. Besonderes Aufsehen erregten die Knochen von mindestens sechs verschiedenen Sauriergattungen, darunter Schwanzwirbel eines Flugsauriers, Zähne, Zehenknochen und Hufbeine eines zwölf Meter langen pflanzenfressenden Sauriers sowie Zähne und ein Krallenbein eines kleinen Raubsauriers. Diese kleinwüchsigen Raubsaurier waren zweibeinig und deutlich kleiner als der bekannte Tyrannosaurus. Sie hatten messerscharfe Zähne und machten in Rudeln Jagd auf ihre Beutetiere. "Damit handelt es sich um eine in Deutschland einmalige Entdeckung", bewertet Grabungsleiter Dr. Klaus-Peter Lanser vom LWL-Naturkundemuseum in Münster die Bedeutung des Fundplatzes. "Noch nie wurden so viele gleichzeitig lebende Saurier gemeinsam entdeckt."

Den Fund haben die LWL-Forscher einem besonderen Umstand zu verdanken: In dem Steinbruch im Sauerland entdeckten Arbeiter einen fast kreisrunden Schacht und machten die ersten Entdeckungen. Daraufhin untersuchten die LWL-Paläontologen diesen Hohlraum von etwa 35 Metern Durchmesser, der zu Saurierzeiten mit Wasser gefüllt war und wohl als Tränke genutzt wurde. Für die Tiere, die in den fünf Meter tiefen Schacht stürzten, wurde er zur tödlichen Falle. Unter Geröll und Erdschichten erhielten sich die Knochen bis heute.

Die größte Überraschung war ein nur drei Zentimeter langer Knochen. Nach der Reinigung entpuppte er sich als Kieferknochen eines heute ausgestorbenen hasenartigen Säugetieres: Obwohl die Zähne nicht erhalten sind, sehen die Forscher an den Löchern im Kiefer deutlich die ehemalige Größe und Form der Zähne. Daran erkennen sie, dass sie hier den Knochen von einem Verwandten der heutigen Hasen vor sich haben. Er war vor 130 Millionen Jahren wie die Dinosaurier weltweit verbreitet. Vermutlich waren diese "Hasen" des Erdmittelalters die Beute für die kleinen und schnellen Raubsaurier. "Ob auch dieses Exemplar den Urzeit-Jägern zum Opfer fiel, lässt sich nicht mehr klären", rätselt Dinoexperte Lanser.

Dass Westfalen bei Sauriern recht beliebt war, zeigen auch weitere Funde. 2004 wurden in einem Steinbruch im Wiehengebirge (Kreis Minden-Lübbecke) Fußspuren von Dinosauriern entdeckt. Sie stammen von drei Zehen und einer Länge von 41 Zentimetern aus Zeit des oberen Jura vor etwa 155 bis 152 Millionen Jahren.

Das heutige Wiehengebirge war damals eine Küstenlandschaft. In diese Ebene drang das Meer immer wieder vor, verlandete dann und wurde von Schlamm aus nahegelegenen Hochgebieten überdeckt. Die Saurier liefen durch diesen Schlamm und hinterließen ihre Spuren. In Trockenzeiten härtete der Schlamm, so dass die Fußabdrücke bis heute erhielten blieben.

In der Landesausstellung im Westfälischen Museum für Archäologie haben die Besucher Gelegenheit, über diese Dinospuren zu laufen und einen Größenvergleich anzustellen.


"Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen"
23. September 2005 bis 05. Februar 2006

Westfälisches Museum für Archäologie in Herne, Europaplatz 1
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 bis 17 Uhr
Donnerstag 9 bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag 11 bis 18 Uhr
www.museum-herne.de



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235 und Jana Sager, Tel.: 0251 5907-287
presse@lwl.org



Links:
http://www.museum-herne.de



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