LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 30.08.05

Foto zur MitteilungDer mit Reliefs verzierte Sarkophag wurde 2003 gefunden, hier in Fundlage. Ab 23.9. ist er in der Landesausstellung im Archäologie-Museum in Herne zu sehen.
Foto: LVR/A.Frings.


Foto zur MitteilungBleibarren und Gussabfälle belegen, dass die Germanen im 1. Jahrhundert in Soest umfangreich Blei verarbeiteten - für den Export ins Römische Reich .
Foto: Stadtarchäologie Soest.


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Presse-Infos | Der LWL

Sarkophage für die Landesausstellung in Herne eingetroffen

Bewertung:

Herne (lwl). Drei tonnenschwere, vollständig erhaltene römische Sarkophage sind als erste Exponate der Sonderausstellung "Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen" im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne eingetroffen. Vom 23. September bis 5. Februar 2006 zeigen die NRW-Archäologen und Paläontologen ihre wichtigsten Funde und aktuellen Forschungsergebnisse der letzten fünf Jahre im Archäologie-Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Viereinhalb Tonnen wiegt der schwerste der drei Särge. Seine Vorderseite ist verziert mit einem runden Medaillon mit Frauenbüste und stehenden Amoren, die eine Inschrifttafel halten. Ihr zufolge hatte Iulius Aurelius, ein Feldzeichenträger der zwischen 211 und 222 n. Chr. in Bonn stationierten legio I Minervia, seine Gattin darin bestattet.

Zwei Generationen später gelangte der Sarkophag nach Weilerswist (Kreis Euskirchen). Dort wurde er zusammen mit einem weiteren, circa zwei Tonnen schweren Sarkophag und einer Aschenkiste auf dem Familienfriedhof eines römischen Gutshofes wiederverwendet.


Bei dem Sarkophag erkennt man das daran, dass der Kasten oben und unten abgeschnitten wurde, wodurch der Anfang der Inschrift mit dem Namen der ursprünglich Bestatteten verloren ging. Außerdem stammen die Beigaben, fünf Glasgefäße, aus dem Ende des 3. Jahrhunderts.
Der dritte, circa 2,5 Tonnen schwere Sarkophag ist eine umfunktionierte Badewanne. Ursprünglich gehörte er in das Badegebäude eines römischen Gutshofes in Inden-Altdorf (Kreis Düren). Im 3. Jahrhundert hatte man ihn mit einem Deckel aus anderem Material versehen und als Sarg wiederverwendet.

"Diese Sarkophage sind mit Abstand die größten und schwersten Exponate der Landesausstellung. Statiker hatten berechnen müssen, ob der Museumsboden die Sarkophage überhaupt tragen würde. Da dies nicht der Fall ist, mussten wir den gesamten Weg mit speziellen Platten auslegen, die die Schwerlast verteilen. Und in der Sonderausstellungshalle musste ein Teil des Bodens abgebaut werden", erzählt Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Im LWL-Archäologiemuseum Herne laufen die Vorbereitungen für die Sonderausstellung auf Hochtouren. Nach den Sarkophagen werden in der kommenden Woche die übrigen der insgesamt 35.000 Exponate geliefert.

Die Funde umspannen 320 Millionen Jahre: Die ältesten sind 320 Millionen Jahre alte Stachelhaie und andere subtropische Fische aus Hagen-Vorhalle, die jüngsten sind Erkennungsmarken deutscher Soldaten des Zweiten Weltkriegs aus dem Kriegsgefangenenlager von Mönchengladbach-Wickrathberg.

Im Vergleich zu Köln, wo die Ausstellung am vergangenen Sonntag (28.8.) zu Ende gegangen ist, wird die Ausstellung in Herne mit 1000 Quadratmetern doppelt so groß werden und sie wird mit weiteren, auch ganz neuen Funden aus Westfalen ergänzt.

Dazu gehört zum Beispiel ein Keramik-Würfel, der erst in diesem Sommer in der Wüstung Hocelhem bei Erwitte (Kreis Soest) gefunden wurde. Das 1000 Jahre alte Spielgerät kommt gerade rechtzeitig aus der Restaurierungswerkstatt in Münster-Coerde, um es in der Landesausstellung erstmals zu zeigen. Hier wird der Würfel zusammen mit den bislang ältesten Schachfiguren Westfalens und zwei Backgammon-Steinen aus Sendenhorst (Kreis Warendorf) präsentiert.

"Mit der so genannten Landesausstellung wollen wir der Öffentlichkeit zeigen, wie viele Spuren der Vergangenheit in Nordrhein-Westfalen tagtäglich zu Tage kommen und warum es wichtig ist, sie zu dokumentieren und zu bewahren", erklärt Landesarchäologin Dr. Gabriele Isenberg den Sinn der Schau. "Manche der westfälischen Funde sind äußerlich oft nicht so spektakulär wie zum Beispiel die römischen Sarkophage aus dem Rheinland. Trotzdem sind sie in ihrer Aussagekraft für die Geschichte unbedingt wichtig, ja manchmal stoßen sie auch bestehende Geschichtsbilder um." Ein Beispiel dafür seien die Ausgrabungen in Soest (Kreis Soest), wo die Archäologen in den letzten Jahren umfangreiche Bleiverhüttungsstätten nachgewiesen haben. "Die Bleiverarbeitung im 1. Jahrhundert hatte viel größere Dimensionen und eine viel weitergehende Bedeutung für den Kontakt zwischen dem Römischen Reich und den Germanen als bislang angenommen", erläutert LWL-Chefarchäologin Isenberg.

Westfälisches Museum für Archäologie,
Europaplatz 1, 44623 Herne,
Tel. 02323 94628-0, www.landesmuseum-herne.de.
Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr,
Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr

Achtung Redaktionen:
Bitte merken Sie sich schon den Termin für die Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung vor: 20.9., 11 Uhr, im Museum. Natürlich erhalten Sie rechtzeitig eine Einladung.



Pressekontakt:
Dr. Yasmine Freigang, Tel.: 0251 5907-267 oder 0173 8301752 und Markus Fischer, Tel.: 0251 591-235
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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