LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 28.06.05

Foto zur MitteilungGestaltete Natur als Denkmal - Tanzlinde in Rheine-Bentlage (Kreis Steinfurt).
Foto: LWL


Foto zur MitteilungWindkraftanlagen wie hier in Ahaus Wüllen (Kreis Borken): ein Konfliktfeld?
Foto: LWL/Lubahn


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Presse-Infos | Der LWL

Zurück zu den Wurzeln: Denkmalpfleger und Naturschützer suchen nach gemeinsamen Schutzkonzepten

Bewertung:

Münster (lwl). "Zurück zu den gemeinsamen Wurzeln", das ist die Leitlinie der rund 300 Teilnehmer der Jahrestagung der Landesdenkmalpfleger, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in diesem Jahr im Schloss Münster in der Zeit vom 28. Juni bis 1. Juli ausrichtet. Die Denkmalexperten beschäftigen sich mit den Konflikten, die bisweilen entstehen, wenn Denkmalpfleger, Natur- und Landschaftsschützer unterschiedliche Ziele verfolgen. "Wir sollten uns auf unsere gemeinsame Vergangenheit in der um 1900 entstandenen Heimatschutzbewegung erinnern. Wenn wir die damals erarbeiteten Schutzkonzepte nicht mit fachlichen Scheuklappen betrachten, sondern weiterentwickeln, können wir viele der heutigen Gegensätze leichter überwinden", präzisierte Prof. Dr. Gerd Weiß, der Vorsitzende der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger am Dienstag (28.06.) zu Beginn der Tagung vor Journalisten.

Die Ziele von Denkmalpflegern und Naturschützern scheinen auf den ersten Blick gelegentlich tatsächlich gegensätzlich zu sein. Etwa wenn historische Wehre und Schleusen für Denkmalpfleger wichtige Dokumente der Wasserbautechnik sind, während sie für Naturschützer oft schlichtweg Hindernisse darstellen, die der Renaturierung von Bächen und Flüssen im Weg stehen.

Und wo die Einen gerne ungehemmten Wuchs sehen, greifen die Anderen zur Säge und Hecken-schere, um Teile von Gartenkunstwerken in Form zu halten. Oder sie würden andernorts am liebsten zum Schutz alter Mauern alle spontan angesiedelten Pflanzen aus den Fugen entfernen, auch wenn sie sehr selten sein sollten. "Bei solchen Gegensätzen im Detail dürfen wir die gemeinsamen Interessen nicht aus den Augen verlieren, denn alle Beteiligten wollen das kulturelle Erbe erhalten, zu dem das Zusammenspiel von Denkmälern und Natur gehört. Ziel unserer Tagung ist es deshalb, Wege zu finden, wie wir bei Konflikten die unterschiedlichen Schutzziele ausgleichen können. Wir müssen versuchen, mit gemeinsamen Schutzkonzepten wie der Kulturlandschaft oder dem historischen Ortskern (Denkmalbereich) eine gemeinsame Plattform von Denkmal- und Naturschutz zu finden, von der beide Seiten profitieren", so Prof. Dr. Eberhard Grunsky vom Denkmalpflegeamt des LWL.

Neben der Landestagung richtet das Westfälische Amt für Denkmalpflege des LWL in diesem Jahr auch den "73. Tag für Denkmalpflege" aus, der am Samstag, 2. Juli, um 14 Uhr im Schloss Münster beginnt. Bei dieser öffentlichen Veranstaltung können Fachleute und interessierte Laien etwas dar-über erfahren, wie Stiftungen dazu beitragen, das kulturelle Erbe zu erhalten und das ehrenamtliche Engagement zu fördern. Denn in Zeiten knapper öffentlicher Mittel sind Stiftungen nicht nur wichtig, um Geld für gefährdete Denkmäler, sowie für den Natur- und Umweltschutz aufzubringen, sie bieten Interessierten auch gute Möglichkeiten gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. In der Zeit von 14 bis 18 Uhr stellen unter anderem die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, die Stiftung Naturschutzgeschichte aus Königswinter und die Lemgoer Staff-Stiftung ihre Projekte vor. Mit ihren Engagement zeigen auch die Stiftungen, dass Denkmal- und Naturschützer sehr erfolgreich zusammenarbeiten können, auch wenn ihre Ziele gelegentlich scheinbar entgegengesetzt sind. Außerdem nutzen Stiftungen vielfach ihre finanziellen Möglichkeiten dazu, für die Lösung alter Aufgaben neue Wege ausfindig zu machen. Ihre Arbeit ist also für Denkmal- und Naturschutz weit über finanzielle Beiträge hinaus von großem Interesse.


Hintergrund:

Die Denkmalpflege erlebte um 1900 im Zuge der damals aufkommenden Heimatschutzbewegung einen enormen Aufschwung. Wichtige Etappen waren 1904 die Gründung des Deutschen Bundes Heimatschutz, 1907 das "Gesetz gegen die Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden" und 1911 der regelmäßig alle zwei Jahre veranstaltete gemeinsame Tag für Denkmalpflege und Heimatschutz. Ziel der Heimatschutzbewegung war es, Altvertrautes, geschätzte Traditionen und solide Handwerksarbeit als Ressourcen zu bewahren, die durch die Industrialisierung und die Moderne gefährdet schienen. In der Folgezeit, vor allem nach 1945 haben sich die einzelnen Schutz-Bestrebungen immer mehr spezialisiert und eigenständige Schwerpunkte und Methoden entwickelt.

73. Tag für Denkmalpflege

Samstag, 2. Juli, 14 bis 18 Uhr
Aula im Schloss, Schlossplatz 2 in Münster



Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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