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Mitteilung vom 03.06.05

Foto zur MitteilungProf. Dr. Stephan Herpertz.
Foto: LWL


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LWL-Traumaambulanz hilft: "Sofort-Versorgung für seelische Wunden"

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Dortmund (lwl). "Das dichter werdende Netz von Traumaambulanzen kann schlimme und teure Spätfolgen so genannter Posttraumatischer Belastungsstörungen eindämmen helfen", sagte am Freitag (3.6.05) Prof. Dr. Stephan Herpertz bei der Vorstellung der neuen Anlaufstelle für Traumageschädigte an der Klinik für Psychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Dortmund. Acht der landesweit insgesamt 21 Traumaambulanzen für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche gibt es in Westfalen - außer in Dortmund in Bielefeld-Bethel, Marsberg, Münster, Paderborn, Datteln, Iserlohn und Hamm.

Noch Jahre später können unverarbeitete Schreckenserlebnisse Betroffene erneut heimsuchen. In Albträumen, in angstvollen Erinnerungen - so genannten 'Flash backs', bei der Flucht in die Sucht oder gar durch Selbstverletzungen erleiden Opfer ihren Horror aus Unfällen, Naturkatastrophen, Gewaltkriminalität oder durch andere Schicksalsschläge wie Tod oder schwere Erkrankung ein weiteres Mal.

"Traumatische Erlebnisse sind wie körperliche Verletzungen: Eine seelische Wunde braucht sofortige Versorgung, Pflege und Zeit, um zu verheilen. Und um nicht zur Dauerkrankheit umzuschlagen mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Depressionen, Angstzuständen, Schuldgefühlen oder tief sitzendem Misstrauen", warnte Dr. Björn Nolting, Leiter der Dortmunder LWL-Traumaambulanz, "darum sollten Betroffene wie etwa auch Katastrophenhelfer oder Polizisten, Feuerwehrleute oder Soldaten bei seelischen Verletzungen Hilfe suchen."

Wie nachhaltig psychische Beeinträchtigungen nach Extrem-Erlebnissen wirken können, verdeutlichte Prof. Herpertz an einer Studie über Bankangestellte, die einen Überfall miterlebt hatten. Demnach litten 13 Prozent der 170 befragten Betroffenen selbst zwei Jahre danach noch unter starken psychischen Belastungen. "Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas Traumatisierung ist aber insgesamt noch ausbaufähig", so Herpertz am Vortag einer Fachtagung in der Dortmunder LWL-Klinik.

Nach Herpertz Angaben leidet 1,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland irgendwann im Leben an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Zwar gelten viele von Schockerlebnissen Betroffene laut Fachjargon als "Selbsterholer". Jedoch bedürften die mit Hilfe spezieller Methoden identifizierbaren Risiko- bzw. -Hochrisiko-Fälle professionellen Beistands. Wie häufig das erlebte Trauma eine seelische Störung nach sich ziehe, sei nach dessen Art unterschiedlich, so Herpertz weiter: Etwa die Hälfte aller Vergewaltigungs- oder sexuellen Missbrauchsopfer erkranken an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, bei Gewaltverbrechen ist es ein Viertel aller Betroffenen. 20 Prozent unter den Opfern von Krieg, Gefangenschaft oder Unfällen werden behandlungsbedürftig, schließlich 15 Prozent derjenigen Menschen, bei denen die Diagnose einer schweren Erkrankung für traumatisches Erschrecken sorgt.



Pressekontakt:
Karl G. Donath, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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