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Mitteilung vom 02.06.05

Foto zur MitteilungGastfamilie auf dem Lande: Jürgen Weper (links) fühlt sich bei Sabine und Thomas Vorpahl sichtlich wohl.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungJürgen Weper vor seinem Zimmer.
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LWL sucht Gastfamilien für behinderte Menschen

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Petershagen-Frille (lwl). "Nur noch diese Furche", ruft Jürgen Weper vom Sitz des Treckers herunter, "dann ist Feierabend!" Der 37jährige arbeitet auf dem Hof Klanhorst, einem Bio-Bauernhof für behinderte Menschen im Kreis Minden-Lübbecke. Doch anders als die meisten seiner Kollegen wohnt der lernbehinderte Mann nicht gleichzeitig auf dem Hof, den das Diakonische Werk betreibt, sondern er hat ein anderes Zuhause, 15 Kilometer entfernt bei der Familie Vorpahl.

"Damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen", sagt Jürgen Weper ohne Zögern bei der selbst-gedrehten Feierabend-Zigarette am Rande des Ackers. "In der Familie habe ich mein Reich, mein Zim-mer, in dem mich keiner stört. Hier auf dem Hof habe ich vorher sechs Jahre nicht nur gearbeitet, sondern auch mit den anderen gewohnt. Das war aber nicht das Richtige für mich."

Vor fast zwei Jahren entschlossen sich Sabine (42) und Thomas Vorpahl (41), einen behinderten Menschen in ihr Haus aufzunehmen. Seitdem ist das Ehepaar und die 15-jährige Tochter aus Petershagen-Frille (Kreis Minden-Lübbecke) eine von rund 140 Gastfamilien in Westfalen-Lippe, die in das Konzept der so genannten Familienpflege eingebunden sind. Eine Wohnform, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seit 2003 als Alternative zum Leben im Heim für behinderte Menschen flächendeckend anbietet.

Gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden will der LWL noch mehr Familien dafür interessieren, Behinderte aufzunehmen. Bislang leben rund 150 behinderte Menschen in Westfalen-Lippe in einer Gastfamilie, nächstes Jahr sollen es nach den Vorstellungen des Kommunalverbandes bereits 300 in Westfalen-Lippe sein. Im Rheinland bestehen ebenfalls rund 150 Familienpflegeverhältnisse.

"Für behinderte Menschen bedeutet die Familienpflege ein Stück mehr Integration", begründet Thomas Profazi vom LWL in Münster den Vorstoß. Er schätzt, dass langfristig mehrere hundert Gastfamilien zu einem neuen Zuhause werden könnten. In Westfalen-Lippe leben rund 25.000 behinderte Menschen in Heimen (NRW: 42.000).

Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass sowohl die behinderten Menschen als auch die aufnehmenden Familien das "neue Familienmitglied" als Gewinn betrachteten, so Profazi weiter. Wichtig sei eine kontinuierliche Begleitung durch ein Team von professionellen Betreuern, die auch bei Problemen oder Krisen sofort helfen. Auch in der Familie Vorpahl schaut regelmäßig eine Betreuerin vorbei.

Denn so sehr Jürgen Weper sein eigenes Zimmer im umgebauten Bauernhaus der Vorpahls genießt, so sehr braucht er dann und wann Hilfe, wenn es ans Aufräumen geht. "Am liebsten will Jürgen sein eigener Chef sein, und meistens sind wir eine harmonische Gemeinschaft, doch manchmal braucht er klare Ansagen", so Sabine Vorpahl. Am Anfang seien sie schon etwas angespannt gewesen, weil Jürgen vorher im Heim gelebt habe. Kann er sich einfügen, war eine der wichtigen Fragen. Inzwischen sei Jürgen, der schwer lesen, kaum schreiben und nicht rechnen kann, sichtlich aufgeblüht und entspannter.

Den passenden Klienten zur passenden Familie zu finden: "Das ist nicht so einfach", weiß Elke Lamottke von der Arbeitwohlfahrt Ostwestfalen-Lippe, die Jürgen Weper betreut. Nicht jeder behinderte Mensch könne von der Familienpflege profitieren. "Familienpflege ist angesiedelt zwischen Heim und ambulant betreutem Wohnen. Einerseits benötigen unsere Klienten nicht mehr den festen Rahmen einer stationären Einrichtung. Andererseits reicht die Begleitung im ambulant betreuten Wohnen noch nicht aus - dann ist die Gastfamilie genau das Richtige."

Die Betreuung in der Familie statt im Heim hat auch einen finanziellen Aspekt: Nach Berechnungen des Landschaftsverbandes kostet die Familienpflege den LWL weniger als die Unterbringung im Heim. So schlage die Versorgung eines Menschen, der tagsüber eine Werkstatt für Behinderte besuche und abends in seine Gastfamilie zurückkehre, mit rund 2.000 Euro pro Monat zu Buche. Darin ist ein Betreuungsgeld zwischen 240 und 360 Euro enthalten, das die Gastfamilien als Anerkennung bekommen.

3.500 Euro dagegen wären im Vergleich für den selben Menschen als Heimbewohner zu zahlen. Der Landschaftsverband finanziert die so genannte Eingliederungshilfe für behinderte Menschen und ist damit einer der größten Sozialhilfezahler Deutschlands.

Kontakt beim LWL für Gastfamilien: Tel. 0251 591-6715

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Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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Kommentar(e)

M. Bitzan03.03.2014 08:28
bekannt


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