LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 15.03.05

Foto zur MitteilungIm Modell wird schon der laborhafte Charakter der Themenstationen erkennbar.
Foto: Atelier Brückner, Stuttgart.


Foto zur MitteilungPräparatorin Heike Krainitzki bereitet die Mittelinstallation vor, einen Ausschnitt aus den Großsteingräbern von Warburg.
Foto: LWL/Kalla.


Foto zur MitteilungEine einfache Tasse - für Spezialisten eine wahre Quelle von Erkenntnissen.
Foto: Atelier Brückner


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Presse-Infos | Der LWL

Was passiert eigentlich nach der Ausgrabung? Westfälisches Museum für Archäologie baut "Forscherlabor" für Besucher auf

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Herne (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat in seinem Westfälischen Museum für Archäologie in Herne damit begonnen, den zweiten Teil der Dauerausstellung einzubauen. Im so genannten Forscherlabor können die Besucher ab 29. April die Methoden nachvollziehen, mit denen die Archäologie die Spuren aus der Vergangenheit entschlüsselt.

Was passiert eigentlich nach der Ausgrabung? Wissen die Archäologen dann schon alles? Und wie kommen sie überhaupt zu ihren Erkenntnissen? Antworten auf diese Fragen bietet künftig das "Forscherlabor" im LWL-Museum.

14 Themenstationen werden in dem 140 Quadratmeter großen Raum im Osten des unterirdischen Ausstellungsgeschosses eingebaut. An jeder Station Arbeitsplatz können die Besucher eine Methode erkunden. Dazu gehören die "klassischen" archäologischen Methoden wie die Typologie und die Stratigraphie (Schichtenkunde) ebenso wie die Dendrochronologie (Baumringdatierung) oder die DNA-Analyse. Aber selbst komplizierte chemische und physikalische Methoden stellen die Ausstellungsmacher für Laien verständlich dar. Etwa das Atomabsorptions-Verfahren. Dabei wird ein Metallfund mit Elektronen beschossen, um seine Zusammensetzung und die Lagerstätte des Erzes zu bestimmen. Die Ergebnisse liefern den Forschern in Kombination mit anderen Fakten Hinweise auf Wirtschaft und technologische Entwicklung in früheren Zeiten.

Das Besondere: Alle Methoden werden an einem konkreten Beispiel erläutert. Im Zentrum des Forscherlabors stehen die Großsteingräber von Warburg mit den Resten der Toten und ihren Beigaben fürs Jenseits. Es gilt mit archäologischen und historischen, medizinischen und anderen naturwissenschaftlichen Methoden möglichst viel über die Toten und ihr Umfeld herauszufinden.

Bei der Vermittlung setzen die Ausstellungsmacher nicht nur auf moderne Medien wie Touchscreens (Computer, die die Besucher bedienen, indem sie die Bildschirmoberfläche berühren). "Ganz wichtig ist uns auch, dass die Besucher selbst etwas tun können. Wenn sie zum Beispiel Pflanzenpollen mit Hilfe eines Mikroskops bestimmen, werden sie in diesem Moment selbst zum Forscher und verstehen leichter, wie man die Umwelt in früheren Zeiten rekonstruieren kann", erklärt Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale den didaktischen Anspruch des Forscherlabors.

So werden auch die museumspädagogischen Programme, die zum Forscherlabor entwickelt werden, einen interaktiven Charakter haben. Im Programm "Tatort Westfalen" etwa begeben sich Schüler der Klassen 3 und 4 in der Grabungslandschaft des LWL-Museums auf Spurensuche, um den gestellten Fall anschließend im Forscherlabor mit modernsten Methoden zu lösen.

"Das Forscherlabor ist eine notwendige Ergänzung der Grabungslandschaft, in der ja das Entdecken und Bergen an der Fundstelle im Vordergrund steht", erklärt LWL-Chefarchäologin Dr. Gabriele Isenberg die Stellung des Forscherlabors im Gesamtkonzept des Hauses. "Als wir das Konzept des Landesmuseums entwickelt haben, war uns von Anfang klar, dass wir auch das Vorher und das Nachher einer Ausgrabung darstellen wollen und müssen. Denn Ausgraben ist ja längst nicht unsere einzige Aufgabe: Nach der Ausgrabung beginnt am Schreibtisch und im Labor die meist sehr viel aufwändigere Arbeit. Erst durch die genaue Analyse der Spuren, die wir auf der Fundstelle gesichert haben, können wir das damalige Geschehen rekonstruieren und seine Bedeutung ermessen", führt Isenberg aus. Und allzu oft führten die Untersuchungen einer Fundstelle und Ihrer Funde zu Fragen, die nicht an Ort und Stelle beantwortet werden könnten.

Heute arbeiten die Archäologen mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen zusammen. Vor allem die sich immer weiter entwickelnden Naturwissenschaften bieten mehr und mehr Möglichkeiten, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Zum Beispiel konnte sich vor hundert Jahren noch niemand vorstellen, dass man eines Tages aus dem Leichenbrand einer Person ihr Geschlecht und Alter ermitteln könne. Ganze Materialgruppen werden damit immer wieder zu neuen Quellen.

Die Konzeption des Forscherlabors hat das Museum zusammen mit der Ruhr-Universität Bochum entwickelt. Studierende der Ur- und Frühgeschichte hatten in mehreren Seminaren die wichtigsten Methoden bestimmt und die fachlichen Inhalte zusammengetragen. "Umgekehrt lernten sie, komplizierte wissenschaftliche Inhalte verständlich aufzubereiten und erhielten Einblicke in den Arbeitsalltag eines Museums", erläutert Prof. Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer, Leiter des Projektes an der Ruhr-Universität.

Die Gestaltung des Forscherlabors obliegt dem Atelier Brückner. Die Stuttgarter Firma hat schon den ersten Teil der Dauerausstellung, die Grabungslandschaft, entwickelt und realisiert.

Westfälisches Museum für Archäologie, Europaplatz 1, 44623 Herne, Tel. 02323 94628-0, www.landesmuseum-herne.de. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr, Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr



Pressekontakt:
Dr. Yasmine Freigang, Tel. 0251 5907-267 und Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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