LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 09.02.05

Foto zur MitteilungWerner Mellin (80) am Fördermaschinistenstand.
Foto: LWL/Holtappels


Foto zur MitteilungAuch die Jugendstiluhr in der Maschinenhalle hat das Team um Werner Mellin wieder zum Laufen gebracht.
Foto: LWL/Holtappels


Foto zur MitteilungEin historisches Meisterwerk der Ingenieurkunst wird am Sonntag zu neuem Leben erweckt: die 100 Jahre alte Fördermaschine der Zeche Zollern.
Foto: LWL/Holtappels


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Presse-Infos | Der LWL

Technische Premiere auf der Zeche Zollern II/IV:
LWL-Industriemuseum setzt Fördermaschine in Bewegung

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Dortmund (lwl). Am Anfang stand eine fixe Idee, jetzt ist daraus Realität geworden: Nach 40 Jahren Stillstand wird der Motor der 100 Jahre alten elektrischen Fördermaschine im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV wieder surren. Am Sonntag (13.2.) lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zur "technischen Premiere" ein.

Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus wird die Gäste um 11 Uhr begrüßen. LWL-Kulturdezernent Prof. Dr. Karl Teppe ist ebenso dabei wie Hans-Dieter Collinet aus dem NRW-Städtebauministerium. Im Mittelpunkt aber steht ein Mann: Er heißt Werner Mellin, ist 80 Jahre alt und pensionierter Ingenieur aus Dortmund. Seine Mitstreiter Michael Halbeisen und Manfred Trenkle nennen ihn schlicht "den Boss". Als Maschinenbauer bei Siemens hat er in den 1950er und 60er Jahren die Zollern-Fördermaschine noch selbst gewartet. Deshalb kennt er "sein Schätzchen" aus dem Effeff.

Schon damals habe ihn die imposante Anlage fasziniert, erzählt Mellin mit leuchtenden Augen. Das Produkt der Firma Siemens & Halske ist die älteste elektrische Hauptschachtfördermaschine des deutschen Bergbaus. Die technischen Daten lassen das Ingenieurherz höher schlagen: 525 Volt Gleichstrom, zweimotorige Maschine mit 1410 PS Dauerleistung, 2800 PS Anfahrleistung, Fördergeschwindigkeit max. 13 Meter/Sek., Nutzlast 4,2 Tonnen, Förderung pro Tag max. 2700 Tonnen, vierbödiger Korb für 52 Mann bei Seilfahrt oder acht Wagen für Nutzlast.

Die Idee, den Dinosaurier der Fördertechnik wieder in Schwung zu bringen, stammt aus dem Jahr 1997. Die Zeche war mittlerweile Museum geworden, und der ehemalige Siemens-Ingenieur nutzte die Gelegenheit, den alten Maschinenbestand noch einmal in Augenschein zu nehmen. Gemeinsam mit dem niederländischen Elektroingenieur Jef Halmans machte er sich dafür stark, den Maschinen wieder Leben einzuhauchen."Ich würde mir das zutrauen," erklärte er und bot Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus an, das Ungetüm wieder flott zu machen.

Wie so oft scheiterte die Umsetzung zunächst an der Finanzierungsfrage. Eine Umwidmung von Mitteln des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport machte es schließlich möglich, notwendige Bauteile und Elektromaterial zu kaufen. "Vom Beginn der Arbeiten bis jetzt hat das gesamte Projekt knapp 20.000 Euro gekostet", erklärt die Museumsleiterin. Darüber hinaus hat das LWL-Museum eine umfangreiche Sammlung alter elektrotechnischer Aggregate angelegen können, die vor allem als Ersatzteile dienen. Gilhaus: "Davon werden wir in den nächsten Jahren noch zehren."

Seit Sommer 2003 hatten Mellin und seine Truppe auf Zollern fast einen "Fulltime-Job". Vier Tage die Woche, jeweils von 10 bis 16 Uhr werkelten sie im Keller der Maschinenhalle. Neben dem ehrenamtlichen Engagement floss auch jede Menge Know How aus der museumseigenen Werkstatt ein, die noch rund 1.000 Arbeitsstunden in das Projekt steckte.

Gemeinsam konnten die Mitstreiter bereits einige Etappensiege feiern: So rotiert der große Leonard-Umformer schon seit einiger Zeit wieder. Er macht aus Wechselstrom Gleichstrom und trieb die erste elektrische Hauptschacht-Fördermaschine an. Und ein Lichtumformer erzeugt zu Demonstrationszwecken 150 Volt für die Beleuchtung der marmornen Schalttafel. "Früher versorgte dieses Aggregat das gesamte Zechengelände sowie die Beamtenhäuser vor den Zechentoren mit elektrischem Licht", berichtet die Museumsleiterin.

Auch die prächtige Jugendstil-Uhr, die heute noch mahnend hoch über dem Maschinenraum prangt, haben die Männer ans Netz angeschlossen; sie gab der kleinen Belegschaft in den vergangenen Monaten den Arbeitstakt vor.

Und was macht das umtriebige Rentner-Trio wenn die Arbeit vollbracht ist? "Naja, es stehen hier ja genug Maschinen herum, die noch instand gesetzt werden können", schmunzelt Mellin. Und außerdem müssten sie dringend ein paar Nachfolger anlernen, die die Fördermaschine dann für die nächsten 100 Betriebsjahre warten können ...

Hinweis für Redaktionen: Sie sind herzlich zur "technischen Premiere" eingeladen.



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, Westf. Industriemuseum, Tel. 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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