LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 29.10.04

Foto zur MitteilungCarolin Johanning aus Kalletal (vorne) und Katharina Kellner aus Paderborn im Keller aus dem 16. Jahrhundert.
Foto: LWL/Brentführer


Foto zur MitteilungIn den Ferien ausgegraben: Eva Merle (links) aus Pa-derborn und Carolin Johanning aus Kalletal präsentieren einen dreibeinigen Kochtopf und den Unterkiefer eines Schweines.
Foto: LWL/Steinbring


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Presse-Infos | Der LWL

"Geschichte anfassen": Archäologisches Ferienprogramm in Paderborn beendet

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Paderborn (lwl). Eine Woche lang haben 14- bis 18-jährige Schülerinnen und Schüler im Team der Paderborner Stadtarchäologie mitgearbeitet. Bei der Ausgrabung im Busdorfstift verrichteten sie alle Arbeiten einer richtigen Grabung. Ihre Ergebnisse haben sie in einer kleinen Ausstellung aufbereitet, die das Museum in der Kaiserpfalz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) bis zum 28. November präsentiert.

"Museumsbesuch ist das eine - aber Geschichte direkt aus dem Boden, das ist eine unmittelbare, prägende Erfahrung" erläutert LWL-Chefarchäologin, Dr. Gabriele Isenberg die Hintergründe für das Projekt. "Wer selbst erfahren hat, wie mühselig, aber auch wie aufregend es sein kann, dem Boden seine Informationen zu entlocken, geht mit der eigenen Vergangenheit fürsorglicher um", ist die Direktorin der amtlichen archäologischen Denkmalpflege in Westfalen überzeugt, die im Verband der Landesarchäologen in Deutschland die Arbeitsgruppe "Schule und Bodendenkmalpflege" leitet. Schließlich gelte es, im Umgang mit den Denkmälern im Boden verantwortungsbewußt im Hinblick auf spätere Generationen umzugehen. "Und warum sollen nicht schon Jugendliche in einem entsprechend aufbereiteten Ferienprogramm damit beginnen?"

Eine Münze, zwei Gürtelschnallen aus Buntmetall, einen Schlüssel, Scherben von Keramik- und Glasgefäßen, Tierknochen, Nägel und viel praktische Erfahrung - das ist die Bilanz der zehn Schülerinnen und Schüler, die in ihren Ferien an einer echten archäologischen Untersuchung teilgenommen haben. Die Funde stammen alle aus dem 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit waren im Busdorfstift ein Steinkeller aus dem 16. Jahrhundert und eine steinerne Latrine aus der Zeit um 1200 verfüllt worden. Daneben galt es die Südmauer von einer Kurie freizulegen. Die älteste Spur menschlicher Anwesenheit auf dem Grabungsgelände in der Paderborner Innenstadt war eine 2000 Jahre alte Grube mit Keramikscherben. Auch diese dokumentierten die Nachwuchs-Archäologen sorgfältig unter der fachkundigen Anleitung von Stadtarchäologe Dr. Sven Spiong und den Museumsmitarbeitern Bernd Steinbring und Norbert Reuther.

Die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Unna, Schwerte (Kreis Unna), Hagen, Oer-Erkenschwick (Kreis Recklinghausen), Recklinghausen, Münster, Kalletal (Kreis Lippe), Bad Lippspringe (Kreis Paderborn) und aus Paderborn selbst.
Und ihre Motivation? "Selber graben und die Geschichte anfassen!" wollte der 17-jährige Patrick Wille aus Bad Lippspringe und hatte sich deshalb für das Ferienprogramm gemeldet. Andere nutzten die Gelegenheit in den Herbstferien, den Alltag der Archäologen kennen zu lernen wie die 17-jährige Eva Merle aus Paderborn "Ich bin an Geschichte interessiert, und an dieser Ausgrabung teilzunehmen soll mir bei der Vorauswahl für meinen Beruf helfen".

Dazu bot ihnen die Ausgrabung des Busdorfstiftes, 1036 gegründet und 1810 aufgelöst, beste Vor-aussetzungen. Die zehn Schülerinnen und Schülern lernten alle Arbeitsschritte einer archäologischen Untersuchung kennen: die Schichten und Mauern freilegen und "putzen", das heißt reinigen für die Dokumentation. Zu dieser gehören vor allem das Nivellieren (Einmessen der Funde und Schichten) und das Zeichnen. Die Funde haben sie gewaschen und beschriftet.

"Bei allen Arbeiten war es uns ganz wichtig, nicht nur die Funde und Schichten zu erklären, sondern auch warum und wozu es überhaupt Ausgrabungen gibt. Die Jugendlichen sollten nicht nur die Arbeitsweisen der Archäologen kennen lernen. Geschichte buchstäblich selbst in die Hand nehmen und erfahren, wie viel Arbeit auch damit verbunden ist, erhoffen wir uns ein besseres Verständnis, "erläutert Museumsmitarbeiter Bernd Steinbring das Anliegen der LWL-Museumspädagogen.
Ihre Ergebnisse präsentieren die Jugendlichen in einer kleinen Ausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz bis zum 28. November. Denn auch das gehört inzwischen zum Handwerk: die Ergebnisse für die allgemeine Öffentlichkeit aufbereiten.

Der Erfolg des Paderborner Programms hat LWL-Archäologen und Museumspädagogen überrascht. Mehr als 80 Jugendliche hatten sich auf dieses erstmalige Angebot gemeldet. Auf Grund der positiven Erfahrungen können sich die Spezialisten vorstellen, solch ein Programm noch einmal anzubieten. "Dazu muss allerdings eine geeignete Ausgrabung vorhanden sein, wie es hier im Busdorfstift der Fall war; und eine professionelle museumspädagogische Betreuung muss gewährleistet sein", fasst Stadtarchäologe Dr. Sven Spiong die Bedingungen zusammen.



Pressekontakt:
Dr. Yasmine Freigang, Tel. 0251 5907-267 und Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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