LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 21.10.04

Foto zur MitteilungIndische Kinder bei der Arbeit in einer Seidenspinnerei.
Foto: terre des hommes


Foto zur MitteilungAbwärts: Kinder auf dem Weg zur Arbeit unter Tage in England. Radierung aus der "Illustrirte Zeitung" (1844)

Foto zur MitteilungEin Mädchen schleppt eine Kohlenlore. Radierung aus der "Illustrirte Zeitung" (1844) über Kinderarbeit unter Tage in England.

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Presse-Infos | Der LWL

Kinderarbeit einst und jetzt
Ausstellung im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV

Bewertung:

Dortmund (lwl). Sie schuften mit ihren Eltern in der Landwirtschaft, verdingen sich auf den Straßen der großen Städte als Schuhputzer, sie betteln oder schleppen als Schuldknechte schwere Lasten im Steinbruch: Schätzungsweise 211 Millionen Jungen und Mädchen unter 14 Jahren arbeiten in den so genannten Entwicklungsländern oft unter menschenverachtenden Bedingungen. Rückblende: Vor 170 Jahren stellten Kinder
in preußischen Fabriken nicht selten die Hälfte der Belegschaft; sie arbeiteten täglich zwölf Stunden und mehr. Im Spannungsfeld zwischen "Kinderarbeit - einst und jetzt" bewegt sich eine neue Ausstellung im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV. Vom 24. Oktober 2004 bis 6. Februar 2005 erzählt das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) von jungen Glasarbeitern im 19. Jahrhundert, von Kinderarbeit unter Tage, auf Höfen und Feldern damals genauso wie von Jungen und Mädchen, die heute in indischen Ziegeleien, Teppichmanufakturen oder Textilfabriken arbeiten.

Um 1800 bildete die Textilindustrie zunächst den wesentlichen Schwerpunkt der Kinderarbeit in Deutschland. Noch um 1850 arbeiteten zahlreiche Schulkinder in preußischen Glashütten. Während im frühen Ruhrbergbau offenbar keine Kinderarbeit üblich war, prangerte die
"Illustrirte Zeitung" 1844 an, dass in angelsächsischen Kohlengruben selbst minderjährige Mädchen untertage schuften mussten.
Und heute arbeiten halbwüchsige Jungen in Steinkohlenbergwerken in Kolumbien oder bedienen zentnerschwere "Erzmühlen" in Bolivien.

Fotos, historische Ausstellungsstücke wie ein Spulrad, Glasformen und Pochwerkzeuge, außerdem aktuelle Zeugnisse wie der Schuhputzkasten eines indischen Straßenjungen oder Steinbruchwerkzeug machen das Thema anschaulich. Die beiden Ausstellungsteile entstanden in Zusammenarbeit mit dem Museum für Industriekultur in Osnabrück und dem Kinderhilfswerk "terres des hommes". Ein umfangsreiches Begleitprogramm (s. u.) ergänzt die Präsentation.

"Bis zu sechs Prozent aller preußischen Fabrikarbeiter im 19. Jahrhundert waren Kinder unter 14 Jahren", erläutert Dr. Thomas Parent, stellvertretender Direktor des Westfälischen Industriemuseums. Im Laufe des 19. Jahrhunderts sei die Ausbeutung von Kindern in Fabriken durch Gesetze schrittweise zurückgedrängt worden. Allerdings wuchs der Anteil der arbeitenden Kinder in der Heimindustrie, im Dienstleistungsbereich und in der Landwirtschaft. Parent: "Zehntausende schufteten auf den Höfen und Feldern, stellten bis spät in die Nacht hinein Kegel auf, trugen frühmorgens vor der Schule Zeitungen, Milch oder Brötchen aus oder stellten in nächtelanger Arbeit Spielzeug für andere Kinder her."

Etwa zehn Prozent der heutigen Kinderarbeiter in den so genannten Entwicklungsländern sind in Betrieben beschäftigt, die auch Waren in die Wohlstandsländer der Westlichen Welt exportieren: in Textilfabriken, Steinbrüchen, Teppichmanufakturen oder auf Kakao- und Kaffeeplantagen. Zum Teil unterliegen die Kinder der Schuldknechtschaft und Sklaverei, sie wurden verkauft und erleiden schwerste Misshandlungen. "Kinderarbeit ist im letzten Jahrzehnt zu einem international diskutierten Thema geworden. Fachleute befürchten dennoch, dass die Ausbeutung von Kindern in den nächsten Jahren zunimmt. Wirtschaftskrisen, der Wettlauf um immer geringere Arbeits- und Produktionskosten, drastische Kürzungen von Bildungs- und Sozialetats in armen Ländern verursachen immer mehr Kinderarbeit", erläutert Barbara Küppers vom Kinderhilfswerk "terre des hommes".

Veranstaltungen zu Ausstellung "Kinderarbeit - einst und jetzt"

So, 12. Dezember, 15 Uhr
Lesung:
Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern. Michael Klein liest aus dem Märchen der Gebrüder Grimm

So, 2. Januar, 15 Uhr
Führung:
Dem Bergbau geht die Jugend verloren. Der lange Weg zu einer systematischen Ausbildung, 1890-1925. Sonderführung zur Arbeit von Jugendlichen im Ruhrbergbau, mit Martin Lochert

23. Januar bis 20. Februar
Studioausstellung:
150 Schulpostkarten aus dem Ruhrrevier. Eröffnung: So, 23. Januar, 11 Uhr; Ausstellungsführung: So, 13. Februar, 15 Uhr

Fr, 28. Januar, 18 Uhr
Lesung:
Planungswahn und Schulversagen. Dr. Thomas Parent liest Texte aus der Schul-geschichte des Ruhrreviers

Filme zur Kinderarbeit
Sonntags, jeweils 11 Uhr, anschließend Führung durch die Ausstellung

31.10. / 30.1. Die kleine Verkäuferin der Sonne, Senegal 1998, 45 Min.
7.11. Lost and Found - die verlorene Brieftasche, Indien 1995, 25 Min.


14.11. / 23.1. Twinlight - Kinder der Dämmerung, Südafrika 15 Min.
21.11. / 2.1. Balljungs. Woher kommen die Fußbälle Deutschland 1999, 28 Min.
28.11. Himmel und Hölle, Indien/Jemen/Haiti, 1999, 52 Min.
5.12. Elena und Pancha Deutschland/ Ecuador 1992, 26 Min.
12.12. Die Scooterfahrer Deutschland/ Philipinen 1988, 15 Min.
19.12. / 6.2. Le Métis - Straßenkinder in Burundi, Frankreich/ Burundi 1996, 28 Min.
9.1. Kanimambo - Wir sind stark, Deutschland 1999, 18 Min.
16.1. My City, Mosambik 1998, 10 Min.


Museumspädagogische Angebote für Schulklassen und Gruppen
nach Anmeldung, Dauer: ca. 1,5 Stunden, Kosten: 35 € plus Museumseintritt

1. Straßenkinder - Ausstellungsführung und Rollenspiel
2. Papiertütenspiel - Ausstellungsführung und Herstellung von Papiertüten
3. Streichholzspiel - Ausstellungsführung und "Arbeit" in einer Streichholzmanufaktur

Sonderausstellung: Kinderarbeit - einst und jetzt
24. Oktober 2004 - 6. Februar 2005, Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag 10 - 18 Uhr



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, Westf. Industriemuseum, Tel. 0231 6971-127 und Karl Donath, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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