LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 24.09.04

Foto zur MitteilungDer Kaffeeautomat "Kleinkantine Piccolo" aus den 1950er Jahren sorgte in Betrieben und Aufenthaltsräumen für Kaffeegenuss.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungDieser um 1902 gebaute Kugelröster mit Außenbeheizung konnte bis zu fünf Kilogramm Kaffee rösten.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungKinderservice aus den 1950er Jahren als Werbeträger.
Foto: LWL


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Presse-Infos | Der LWL

Kaffee ersetzte das Warmbier - LWL-Wanderausstellung zur Kaffeekultur

Bewertung:

Vreden (lwl). Westfalen ist ein Kaffeeland. Das zeigt die Ausstellung "Kaffee ernten - rösten - mahlen", die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit dem Museum der Stadt Lünen auf Wanderschaft durch acht westfälische Museen schickt. Denn in Westfalen wurde oder wird alles hergestellt, was dem Kaffeegenuss dient: Kaffeemühlen, Kaffeeröster, Kaffeemaschinen, Kaffeefilter und Kaffeegeschirr - fehlen eigentlich nur noch die Kaffeeplantagen. Mit 150 Exponaten verfolgt die Ausstellung, die erstmals vom 26. September bis 21. November im Vredener Hamaland-Museum (Kreis Borken) zu sehen ist, den Weg von der Kaffeekirsche bis zum fertigen Heißgetränk. Dabei rückt sie die technischen Objekte der Kaffeekultur in den Mittelpunkt - denn in diesem Bereich hatte Westfalen sehr früh einiges zu bieten.

Der Kaffee eroberte in einem atemberaubenden Tempo die deutschen Tassen: Bis 1715 war das kostbare Getränk nur einer kleinen Oberschicht vorbehalten, 30 Jahre später trank es auch schon das Bürgertum. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich das exotische Heißgetränk auch bei der Landbevölkerung und den ärmeren städtischen Schichten durchgesetzt. Das konnten auch die Ob-rigkeit nicht verhindern, die in ganz Deutschland ein Kaffeeverbot verhängte, von dem nur die Geistlich-keit, der Adel und die bürgerliche Oberschicht ausgenommen waren.

Damit wollte man erreichen, dass das Geld im Land blieb und nicht für das teure Importprodukt ausgegeben wurde. In Paderborn kam es deshalb sogar zu heftigen Protesten, übrigens den einzigen in der Geschichte der Stadt. Die Verbote konnten die Kaffeewelle aber nicht aufhalten, sie machten den Kaffee sogar für viele erst interessant.

Der "Mohrentrank" war mehr als nur ein zusätzliches Getränk, das auf den Tisch kam: "Der Kaffee hat auch die Essgewohnheiten drastisch verändert: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bestand die Morgenmahlzeit in ganz Nordwestdeutschland meist aus einem Warmbier und verschiedenen Breien. Erst mit dem Kaffee setzte sich das Brot auf dem Frühstückstisch durch", erklärt LWL-Ausstellungsmacher Dr. Günter Bernhardt die Wirkung dieses Heißgetränks. Bei diesem Wandel sei Westfalen aber zweigeteilt gewesen: Während sich das Kaffeefrühstück im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts im Südosten Westfalens allgemein durchgesetzt hatte, kamen im Nordwesten immer noch die gewohnten warmen Morgenspeisen auf den Tisch. Doch auch hier trank man bald zum Start in den Tag überall den dampfenden Wachmacher.

Der Revolution auf dem Frühstückstisch folgte ein Innovationsschub in den Werkstätten: Als der Kaffee vom Luxus- zum Volksgetränk geworden war, mussten die nötigen Geräte zu Massenprodukten werden. Dabei spielten westfälische Unternehmen eine große Rolle. So stellte ein Bochumer Betrieb 1760 bereits 17.500 Kaffeemühlen her. Ende des 19. Jahrhunderts produzierten zwei der drei bedeutendsten deutschen Kaffeemühlenhersteller in Iserlohn (Märkischer Kreis) und Schwelm (Ennepe-Ruhr-Kreis). Bei den Kaffeefiltern haben die Westfalen noch heute die Nase vorn: Seit 1929 produzieren die Mindener Melitta-Werke für den Weltmarkt.

Bei den Röstgeräten war die Situation anders: "Einen Kaffeebrenner musste es nicht unbedingt in jedem Haushalt geben, denn in kleinen Mengen hat man früher die grünen Kaffeebohnen durchaus in der üblichen Haushaltspfanne gebrannt", so Bernhardt. Doch schon im 20. Jahrhundert gab es "Groß-röstereien", die den Kaffee gleichmäßiger brennen konnten und damit einen größeren Kreis von Abnehmern versorgten. "An die heutigen Großröster, von denen es mit der Firma Schirmer auch einen in Dortmund gibt, kamen sie aber nicht annähernd heran", so Bernhardt weiter. Als der Kaffee seinen Siegeszug zum beliebtesten Getränk der Deutschen antrat, ging es nicht nur darum, Mühlen für alle herzustellen: Weil die kostbaren Tischporzellane für die breite Masse unerschwinglich waren, mussten auch hier Alternativen her. Im 18. Jahrhundert waren das die Kannen der Zinngießer und Kupferschläger, aber auch irdene Produkte. Im 19. Jahrhundert eroberte das Steingut einen festen Anteil an der Gefäßproduktion. Außerdem kamen preiswertere Porzellane auf den Markt. Auch die metallverarbeitenden Unternehmen aus den märkischen Städten boten mit Kaffeegerät aus verschiedenen Legierungen wie Britanniametall oder Alpacca (Neusilber) preisgünstige Alternativen. Küchen- und Tafelgerät aus Reinnickel sowie nickelplattierte Ware verbreitete sich ebenfalls schnell. Die Vereinigten Deutschen Nickel-Werke in Schwerte hatten 1928 beispielsweise Kaffeekannen in zehn Formen und insgesamt 70 verschiedenen Größen im Angebot. Für all diese technischen Entwicklungen gibt es in der LWL-Ausstellung zahlreiche Beispiele. Der gleichnamige Begleitband beschäftigt sich darüber hinaus noch mit der Bedeutung des Kaffeeersatzes (zum Beispiel Zichorienkaffee), dem Kaffeekonsum und -schmuggel nach dem Zweiten Weltkrieg, technischen Innovationen (zum Beispiel in der Filtertechnik), dem Kaffee als Unterrichtsgegenstand und betrachtet das alltägliche Ritual der Kaffeepause aus künstlerischer Perspektive. Das Buch enthält auf seinen 180 Seiten 150 Abbildungen. Es kostet 12 Euro und ist an der Museumskasse oder über den Buchhandel (ISBN 3-927204-61-7) zu beziehen.

Außerdem hat das LWL-Museumsamt zur Ausstellung ein museumspädagogisches Begleitprogramm entwickelt. Dabei gibt es nicht nur Führungen für Kinder und Jugendliche/Erwachsene, die Teilnehmer können auch mit "Kaffee-Ersatzstoffen" experimentieren und aus Zichorie und Gerstenmalz ihren eigenen Kaffee rösten oder sich mit Themen wie dem fairen Kaffeehandel beschäftigen.

Kaffee
ernten - rösten - mahlen

Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes
in Zusammenarbeit mit dem Museum der Stadt Lünen
Hamaland-Museum, Kreismuseum Borken, Vreden
26. September bis 21. November 2004
Geöffnet: dienstags bis sonntags 10 bis 17

Weitere Stationen:

Stadtmuseum Iserlohn
28. November 2004 bis 23. Januar 2005

Burg Vischering, Lüdinghausen
30. Januar bis 27. März 2005

Mindener Museum für Geschichte,
Landes- und Volkskunde
2. April bis 29. Mai 2005

Museum Forum der Völker, Werl
5. Juni bis 31. Juli 2005

Bauernhaus Museum, Bielefeld
7. August bis 9. Oktober 2005

Stadtmuseum Münster
16. Oktober bis 11. Dezember 2005

Stadtmuseum Hattingen
16. Dezember 2005 bis 5. Februar 2006



Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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