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Mitteilung vom 31.08.04

Foto zur MitteilungDer Ein-Mann-Bunker sollte das Gefühl von Sicherheit im Zweiten Weltkrieg vermitteln.
Foto: LWL


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Tödliche Gefahr im Ein-Mann-Bunker
WIM-Ausstellung zeigt zum Jubiläum 'Schätze der Arbeit'

Bewertung:

Dortmund (lwl). Mit einer großen Ausstellung feiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen des Westfälischen Industriemuseums (WIM). Mehr als 250.000 Objekte hat das Museum in dieser Zeit zusammengetragen - ein Gedächtnis der Region: Die Objekte liefern einmalige Einblicke in die Arbeits- und Alltagsgeschichte der Industrialisierung. Das Spektrum reicht vom Abortkübel bis zur Dampflok, von der Glasmacherpfeife bis zum Henkelmann. Nur ein Bruchteil der Stücke ist normalerweise in den Dauerausstellungen an den acht Standorten des Museums in Bocholt (Kreis Borken), Bochum, Dortmund, Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis), Lage (Kreis Lippe), Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke), Waltrop (Kreis Recklinghausen) und Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis) für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum Jubiläum packt das WIM sein Lager aus und zeigt noch bis zum 12. September in der Zentrale auf der Zeche Zollern II/IV in Dortmund rund 500 "Schätze der Arbeit". In einer Serie stellt der LWL die originellsten, ältesten und bedeutsamsten Exponate der Ausstellung vor.


Schutz für einen Mann - die "Luftschutz-Splitterschutz-Zelle" von Dywidag


Entlang der Bahnlinien, bewachsen mit Gras und oft halb verschüttet, stehen die Ein-Mann-Bunker. Die Reisenden in den Zügen sehen sie kaum, die Zugführer wohl auch nicht. Es gibt nicht mehr viele, doch noch immer sind sie da: Unscheinbare Zeugnisse des Zweiten Weltkrieges. Sie gaukelten Si-cherheit vor, weitab von den echten, großen, unterirdischen Bunkern in den Städten. Die "Ein-Mann-Splitterschutz-Zelle" der Firma DYWIDAG steht nicht nur im Museum. Viele von ihnen sind noch in freier Natur zu besichtigen - wenn man sie findet.

Die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende. Die Luft-Angriffe der Alliierten bedrohen die deutschen Städte und damit die Menschen, die in ihnen wohnen. Im Rahmen eines Sofortprogramms werden Städte mit über 100.000 Bewohnern mit Bunkern ausgestattet. Doch wo sollten sich die Arbeiter schützen, die häufig unterwegs waren? Zum Beispiel Lokführer oder Rangierer? Oder Wachen, die ihren Posten nicht verlassen durften? Für sie entwickelte unter anderem die Firma Dyckerhoff und Widmann ("DYWIDAG") in Cossebaude die Ein-Mann-Splitterschutzzelle. Sie war aus Beton, transportabel, hatte einen abnehmbaren Deckel, Sehschlitze, mehrere Zentimeter dicke Betonwände mit Armierung - und sie war der zynische Versuch, Menschen in Sicherheit zu wiegen. Denn sie schützte vor umher fliegenden Splittern und Trümmern, aber nicht vor Bomben, nicht vor Gas. Dafür war sie rund und bot durch ihre Sehschlitze eine Rundumsicht, den freien Blick ins Verderben. Trotz der sie umgebenden Betonhülle schwebten die Menschen im Innern immer in Lebensgefahr. Je nach Größe fanden ein bis vier Menschen in ihr Platz. Die Zellen bestanden aus Beton, Stahl oder Mauerwerk. Häufig waren sie transportabel.

Wann immer die Sirenen vor Luftangriffen warnten, liefen die Menschen in die ihnen zugewiesenen Bunker, zumeist Kellergewölbe und Stollen. Anja Kuhn, Referentin im Westfälischen Industriemuseum Henrichshütte Hattingen: "Insbesondere in den stark bombardierten Regionen mit Rüstungsindustrie war es wichtig, ausreichend Luftschutzräume zur Verfügung zu stellen, weil sonst die Arbeiter und ihre Familien in weniger gefährdete Gebiete abwanderten."

Weitab von Städten oder dort, wo sich Arbeiter nicht schnell genug in große Bunker flüchten konnten, kamen die Ein-Mann-Bunker zum Einsatz. Sie standen an Rangiergleisen, auf Werksgeländen und überall dort, wo der Schutz durch echte Bunker zu weit war. An den Überland-Bahnlinien wurden die Bunker natürlich nur von den Lokführern gefunden, die ihre Standorte kannten. Die Reisenden hatten keine Chance, den vermeintlich sicheren Raum zu finden.

Eine der Zellen steht in der Ausstellung "Schätze der Arbeit". Sie diente von 1940 bis 1945 den Menschen am Bahnhof Welver im Kreis Soest als provisorischer Schutz. Der kleine Bunker ist zweieinhalb mal eineinhalb Meter groß und wiegt 3,5 Tonnen. Allgemein waren die Ein-Mann-Bunker der Firma DYWIDAG billiger in der Anschaffung und einfacher in der Ausstattung. Die Konkurrenzprodukte der Firma Westermann waren offenbar besser verarbeitet und boten mehr Schutz. Doch Schutz - der war relativ im Zweiten Weltkrieg. Kriminologen von heute würden wohl eher sagen: "Die Bunker erhöhten das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen." Doch objektiv minderte der Bunker die tödliche Gefahr kaum.


Schätze der Arbeit
25 Jahre Westfälisches Industriemuseum
20. Juni bis 12. September 2004
Zeche Zollern II/IV, Grubenweg 5,
Dortmund-Bövinghausen
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Links:
http://www.zeche-zollern.de



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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