LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 08.06.04

Foto zur MitteilungIn der WIM-Ausstellung "Schätze der Arbeit" erzählen die alten Schuhe die Geschichte eines Schmelzers, der am Hochofen in heißes Eisen trat und sich schwere Verbrennungen zuzog.
Foto: LWL


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Gefahr am Hochofen: "Und plötzlich trete ich in das glühend heiße Eisen"
LWL zeigt zum Jubiläum seines Industriemuseums "Schätze der Arbeit"

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Dortmund/Hattingen (lwl). Mit einer großen Ausstellung feiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen des Westfälischen Industriemuseums. Mehr als 250.000 Objekte hat das Museum in dieser Zeit zusammengetragen - ein Gedächtnis der Region: Die Objekte liefern einmalige Einblicke in die Arbeits- und Alltagsgeschichte der Industrialisierung. Das Spektrum reicht vom Abortkübel bis zur Dampflok, von der Glasmacherpfeife bis zum Henkelmann. Nur ein Bruchteil der Stücke ist normalerweise in den Dauerausstellungen an den acht Standorten des Museums in Bocholt (Kreis Borken), Bochum, Dortmund, Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis), Lage (Kreis Lippe), Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke), Waltrop (Kreis Recklinghausen) und Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis)für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum Jubiläum packt das WIM sein Lager aus und zeigt ab dem 20. Juni in der Zentrale auf der Zeche Zollern II/IV in Dortmund rund 500 "Schätze der Arbeit". In einer Serie stellt der LWL die originellsten, ältesten und bedeutsamsten Exponate der Ausstellung vor.

Die Unfall-Schuhe eines Hüttenarbeiters

Montagmittag in der Gießhalle der Henrichshütte. Es ist der 29. September 1980. Der junge Hüttenarbeiter Hans-Peter Freise soll kurz vor Ende seiner Schicht einem Kollegen zur Hand gehen und die Abdeckhauben an der Eisenrinne auswechseln. Die beiden Schmelzer benutzen einen Kran, um die schwere Metallhaube hochzuheben. Sie arbeiten ganz dicht an der Rinne, in der während des Abstichs das flüssige Eisen mit mehr als 1.000 Grad Celsius durch die Halle fließt. Für die Reparaturarbeiten nutzen die Männer eine Pause.

Plötzlich beginnt die Kette am Kran wild zu schlingern, die Haube kracht zu Boden. Der erst 17-jährige Hüttenarbeiter erschrickt. Er springt zur Seite und tritt dabei in eine Pfütze glühend heißen Eisens, die noch in der Rinne steht. Weil sie mit Koksasche bedeckt war, hatte Freise sie nicht gesehen. Vor lauter Schreck setzt er auch noch den zweiten Fuß hinein. Entsetzt schaut Hans-Peter an sich herunter, auf seine Schuhe, die inmitten der glühenden Lache stehen. Nach einem Augenblick hat er sich gefasst, hebt seine Füße aus der Rinne, läuft weg. Als er sich die Schuhe auszieht, sind seine Füße verbrannt. Und das bei Schuhen, die eigens für die Arbeitsbedingungen im Hüttenwerk hergestellt worden sind. Doch sie haben versagt.

Der Krankenwagen brachte den jungen Schmelzer ins Krankenhaus "Bergmannsheil" nach Bochum. Die Haut an den Füßen war aufgeplatzt. Fünf Transplantationen musste der Hüttenfacharbeiter über sich ergehen lassen, erst dann konnte er wieder laufen. "Heute ist alles in Ordnung. Nur drei Zehen kann ich nicht mehr richtig bewegen", erzählt Hans-Peter Freise, fast so, als hätte ihn dieser Unfall nicht seine Füße kosten können.

Nach seiner Genesung kehrte Freise nicht zurück in die Gießhalle, sondern ließ sich in die Möllerung versetzen. Dort bereitete er die Rohstoffe für den Hochofen vor. Der Unfall hatte für alle Arbeiter Folgen: An den Hattinger Hochöfen durften die Schmelzer keine halbhohen Schnürschuhe mehr tragen, sondern nur noch Stiefel.

Die alten Schuhe erzählen das Schicksal eines jungen Mannes, der kurz vorher die Prüfung zum Hüttenfacharbeiter abgelegt hatte. Und sie zeigen, welchen Risiken alle Arbeiter in den Hüttenwerken ausgesetzt waren. Angesichts der überwältigenden Gefahr am Hochofen kann Leichtsinn tödlich, können Details lebenswichtig sein. Und das nicht nur in den rauen, menschenverachtenden Zeiten der Industrialisierung, sondern im modernen 20. Jahrhundert.

Das Exponat "Ich hatte einen Unfall..." ist eines von vielen Objekten aus der Alltagswelt der Industriearbeiter. Das LWL-Industriemuseum stellt dabei das Schicksal einzelner Menschen in den Mittelpunkt.

Schätze der Arbeit
25 Jahre Westfälisches Industriemuseum
20. Juni bis 12. September 2004 (Eröffnung 20. Juni, 11 Uhr)
Zeche Zollern II/IV, Grubenweg 5,
Dortmund-Bövinghausen

Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr




Pressekontakt:
Markus Fischer Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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