LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 17.03.04

Foto zur MitteilungHeinz Guenter Horn, Hansgerd Hellenkemper, Gabriele Isenberg, Harald Koschik (Hrsg.), Stadtentwicklung und Archaeologie. Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen Bd. 7 (Klartext-Verlag Essen, 2004) 206 Seiten, 169 meist farbige Abb., Ladenpreis: 17.50 Euro.

Zum Herunterladen bitte mit der linken Maustaste auf das Foto klicken. Nachdem sich das neue Fenster geöffnet hat, bitte das Foto mit der rechten Maustaste speichern.

Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur mit Fotonachweis und gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema verwendet werden, in deren Zusammenhang sie veröffentlicht wurden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht gestattet. Bei Ausstellungen ist die Reproduktion nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung erlaubt. Bei einer anderweitigen Nutzung sind Sie verpflichtet, selbständig die Fragen des Nutzungsrechts zu klären.

Presse-Infos | Der LWL

( frei ab Mittwoch, 17.03.2004, 15.00 Uhr)
Projekt mit Vorbildcharakter
Archaeologische Bestandserhebung in Nordrhein-Westfalen

Bewertung:

Soest (lwl). In Soest und Minden, Tecklenburg (Kreis Steinfurt ), Freudenberg (Kreis Siegen-Wittgenstein) und Paderborn wie in 20 Innenstädten Nordrhein-Westfalens sind in den vergangenen 15 Jahren die im Boden verborgenen, archäologischen Reste der Stadtgeschichte erfasst worden. Diese "archäologischen Stadtkataster" sind zu unverzichtbaren und zuverlässigen Planungsin-strumenten für Städtebauer, Architekten und Investoren geworden. Und sie erleichtern auch den amtlichen Bodendenkmalpflegern den Schutz und Erhalt der archäologischen Zeugnisse der Vergangenheit. Über das Projekt, das inzwischen vorbildhaften Charakter für ganz Deutschland gewonnen hat, ist gerade ein 200 Seiten starkes Buch erschienen.

Soest und Köln, Minden, Tecklenburg, Stolberg, Detmold und Freudenberg und fast ein Dutzend wei-tere Städte in Nordrhein-Westfalen haben es schon: ein archäologisches Stadtkataster. Seit über zehn Jahren betreuen die Bodendenkmalpflegeämter in Münster, Bonn und Köln diese archäologischen Bestandserhebungen in den historischen Orts- und Stadtkernen des Landes. Ihr Ziel ist es, alle bekannten Spuren und Zeugnisse der Stadtgeschichte, das "Archiv unter unseren Füßen", möglichst vollständig zu erfassen.

Eine solche archäologische Bestandsaufnahme ist ein zuverlässiges Planungsinstrument für alle, die mit Stadtplanung und Stadtentwicklung, vor allem mit dem Umbau und der Modernisierung historisch geprägter Innenstädte befasst sind. "Sie gibt Planungssicherheit, setzt wesentliche Eckdaten und Maßstäbe auch für die Stadt von Morgen, der bewusst gepflegte und erfahrbare Geschichtlichkeit mehr als manches andere Profil, Charakter und Unverwechselbarkeit verleiht und den Menschen Identifikationsmöglichkeiten, das Gefühl von Geborgenheit und Lebensqualität vermittelt", erläuterte Prof. Dr. Heinz Günter Horn, Ministerialrat im NRW-Städtebauministerium bei der öffentlichen Vorstellung des Buches. "In diesem Sinne ist eine archäologische Bestandserhebung eine wichtige Voraussetzung für "Stadtbaukultur", fährt der oberste Bodendenkmalpfleger des Landes fort, der das Projekt fast 15 Jahre lang vorangetrieben hat.

Die Kosten für die Bestandserhebungen tragen das Land NRW- bislang circa 1,2 Millionen Euro -, die jeweiligen Gemeinden und die drei Bodendenkmalpflegeämter bei den Landschaftsverbänden Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) beziehungsweise der Stadt Köln.

Der Alltag zeigt, dass sich der finanzielle Aufwand für dieses in Deutschland einzigartige Projekt lohnt. Für die Stadt Soest ist "Stadtentwicklung ohne Archäologie undenkbar", wie Baudezernent Klaus Wehmeyer betont. "Im Stadtbild von Soest sind die historischen Werte für jeden Betrachter allgegenwärtig, nicht nur in dem neukonzipierten Altstadtrundgang. Bewohner und Besucher setzen sich so fast zwangsläufig mit historischen Bezügen auseinander. Stadtarchäologie wird in der Stadt als originäre städtische Aufgabe wahrgenommen. Es ist fast schon "chic" Interesse zu zeigen, zu unterstützen und auf die Zeugnisse aus der Vergangenheit Rücksicht zu nehmen. In dieser Hinsicht hat Archäologie in Soest einen anderen Stellenwert als in vielen anderen Städten."

Städte wie Warburg, Paderborn oder Minden wahrten mit Hilfe ihres archäologischen Stadtkatasters die historischen Siedlungs- und Straßenstrukturen In Köln war der Archäologische Schichtenatlas Voraussetzung für die neue U-Bahn-Linie, deren Trasse unter der Innenstadt verlaufen wird und da-mit durch 2000 Jahre Stadtgeschichte schneidet.

Für die Erhebungen werden unter der Federführung der Fakultät für Architektur an der Fachhochschule Köln alte Urkunden, Berichte, Stadtansichten, Pläne und Katasterunterlagen gesichtet und ausgewertet, historische Keller begangen und dokumentiert, frühere Freiflächen und Straßenzüge sowie tiefgründige Bodeneingriffe wie Bombertrichter, Kanaltrassen oder Tiefgaragen kartiert. Zusammen mit den Ergebnissen von früheren Ausgrabungen und Funden ergeben die Daten ein zutreffendes Bild von der archäologischen Situation im Untergrund eines Ortes oder eines Stadtkerns.

"Natürlich können wir nur das erfassen, was wir kennen. Archäologische Bestandserhebung hat des-halb einen prognostischen Charakter", erklärt LWL-Chefarchäologin Dr. Gabriele Isenberg das In-strument. "Das Bild, das wir gewinnen, erlaubt Prognosen und vermindert Überraschungen, wenn Eingriffe in den Boden anstehen. Und spart damit allen Beteiligten in der Regel Zeit, Geld und vor allem Ärger" fährt die westfälische Landesarchäologin fort.

Einen Überblick über das Projekt bietet das gerade erschienene Buch "Stadtentwicklung und Archäo-logie". Umfassend wie nie zuvor informiert es über den aktuellen Stand und macht seinen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger deutlich. Es ist im Klartext-Verlag erschienen und kostet 17,50 Euro.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Tel: 0251 591-235 und Dr. Yasmine Freigang, Tel. 0251 5907-267
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
http://www.facebook.com/LWL2.0







Ihr Kommentar




zu den aktuellen Presse-Infos