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Mitteilung vom 19.09.02

Foto zur MitteilungDie Töpfe sollten die Kirchenakustik verbessern. Für das neue Westfälische Museum für Archäologie in Herne werden die zerbrochenen Töpfe geklebt und behutsam ergänzt.
Foto:LWL/Egbert


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Presse-Infos | Der LWL

Auf den Weg ins neue Museum
Verbesserung der Akustik?
Die Schalltöpfe in der Stiftskirche St. Walburga in Meschede

Bewertung:

Meschede (lwl)Für Furore sorgte im Jahre 1965 ein Fund im sauerländischen Meschede. In der Stiftskirche St. Walburga entdeckten Archäologen Keramiktöpfe, die aus der Zeit um 900 n. Chr. stammen. Das Besondere: Die Gefäße waren sehr gut erhalten, zum Teil fast ganz geblieben. Das lag daran, dass man die Töpfe nicht in Abfallschichten fand, sondern sie aus Grabensystemen unter dem Fußboden und in den
Wänden bergen konnte. Dr. Sven Spiong vom Westfälischen Museum für Archäologie hat eine erstaunliche Erklärung dafür, warum die Baumeister die rund 120 Tongefäße zwischen 897 und 913 in Mauern und Boden einließen: "Sie sollten die Akustik verbessern."

Die sauerländischen Bauherren kannten die Schriften des römischen Architekten Vitruv aus dem ersten Jahrhundert v. Chr., sagt der Archäologe vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Der Verfasser habe von Schallgefäßen zur Verbesserung der Akustik für Theaterbauten berichtet, die in einem ausgeklügelten System als Resonanzkörper dienten. Die Wissenschaftler, die die Keramik ab März 2003 im neuen Westfälischen Museum für Archäologie in Herne ausstellen werden, vermuten, dass die Baumeister in Meschede ähnliches im Sinn hatten.
"Es ist jedoch fraglich, ob sich der Klang in der Kirche wirklich verbesserte", ist Spiong skeptisch. Die Töpfe im Boden waren dort mit Estrich überzogen, außerdem heißt es in der Beschreibung bei Vitruv, dass man Metallgefäße benutzen soll. "Es hat wahrscheinlich nicht funktioniert", vermutet der Forscher.

Wenn auch die Funktionstüchtigkeit nicht hundertprozentig erwiesen ist, hat die Ausgrabung dennoch einen besonderen Stellenwert in der Mittelalterarchäologie. Sie hilft, frühmittelalterliche Keramik besser einzuordnen, da man den genau datierten Fund mit anderen Keramiken vergleichen kann. Die Herkunft der Schalltöpfe ist ebenfalls eindeutig. Sie kamen aus den großen Töpfereien im Rheinischen Vorgebirge. Die rotbraune Bemalung auf dem hellen, gelblichen Scherben weist darauf hin. Die Exponate, die im neuen LWL-Museum in einem nachgebauten sakralen Raum im Boden eingelassen werden, sind somit ein besonderes Symbol für die Verbindungen zwischen Rheinland und Westfalen.

Die Datierung der Töpfe fällt in die Frühzeit der kirchlichen Organisation in Westfalen. Karl der Große setzte Bischöfe in Minden, Münster, Osnabrück und Paderborn ein und teilte das Land unter ihnen auf. Kirchen waren um 800 die ersten Steingebäude in Westfalen. Die christlichen Einrichtungen nahmen großen Einfluss auf die Menschen: Die Christen gingen am Sonntag in die Kirche, tauften ihre Kinder und bestatteten ihre Verstorbenen nun ohne Beigaben. Die christliche Ehe forderte lebenslange Treue und Partnerschaft. Und die Christianisierung hatte auch einen monetären Aspekt: Die Menschen mussten nun Abgaben entrichten, den Kirchenzehnt.

Ende März 2003 wird der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sein neues Archäologiemuseum in Herne eröffnen. In den folgenden Wochen weisen wir auf eine Reihe von interessanten Exponaten hin, die sich auf die Reise in die neue Ausstellung über 250.000 Jahre westfälischer Geschichte machen.



Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 13.000 Beschäftigten für die 8,5 Millionen Menschen in der Region. Mit seinen 40 Schulen, 17 Krankenhäusern, 17 Museen und als einer der größten Sozialhilfezahler Deutschlands erfüllt der LWL Aufga-ben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, der durch ein Parlament mit 135 Mitgliedern aus den Kommunen kontrolliert wird.






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