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Mitteilung vom 08.11.01

Foto zur MitteilungSt. Martin auf einem Schimmel beim Umzug 1966 in Bocholt (Kreis Borken)
Foto: LWL


Foto zur MitteilungDer Martinsumzug in der Altstadt von Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) am 11. November 1971.
Foto: LWL


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St. Martinsbräuche: Von bettelnden Kindern zu leuchtenden Umzügen

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Münster (lwl). Heute ist der Martinstag am 11. November in Westfalen der Tag der Laternenumzüge und der Martinsfeiern. Bis weit ins das 19. Jahrhundert hinein war er ein wichtiger Stichtag im Jahreslauf. "An diesem Tag mussten Abgaben, Zinsen und Renten bezahlt werden. So erhielten Knechte und Mägde ihren Lohn und konnten, wie auch an Lichtmess, das am 2. Februar gefeiert wird, den Dienstherren wechseln. Die hohe Bedeutung des Martinstages als Stichtag zeigt sich auch daran, dass am 11. November 1810 in Preußen die Leibeigenschaft aufgehoben wurde", weiß Christine Gottschalk, Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) welch große Bedeutung der Martinstag früher hatte.

Seit fast einem Jahrhundert gehört auch in Westfalen der Martinsumzug zur Ausgestaltung des Martinsbrauches. Den ersten Umzug initiierte 1910 der Bocholter Heimatverein. Seitdem wird die Geschichte der Mantelteilung nachgespielt, um der karitativen Handlung einen besonderen Ausdruck zu verleihen. Dabei reitet eine als heiliger Martin verkleidet Gestalt auf einem Schimmel vor einer großen Kinderschar (und ihren Eltern) durch die Straßen. Die Kinder tragen bei dem Umzug meist selbstgebastelte Laternen und singen Martinslieder. Am Ende verteilt St. Martin Gebildbrote in Form eines kleinen Männchens, den sogenannten "Weckmann" oder "Stutenkerl", oder einer Gans an die Kinder.

Vor rund 100 Jahren war der Martinstag in einigen Teilen Westfalens - vor allem im Münsterland und in Minden-Ravensberg-Lippe) von einem Heischeumzug der Kinder bestimmt. Dabei zogen die Kinder mit ihren Laternen umher und wurden für ihren Gesang mit kleinen Gaben belohnt. "In einigen Städten des Münsterlandes wurde das Martinsheischen aber als Bettelei angesehen, weil die Kinder in Scharen in den Geschäftsvierteln zusammenströmten und dabei die Kunden in den Läden belästigten. Daraufhin führte der Bocholter Heimatverein 1910 den Martinsumzug ein, der sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in Westfalen weit verbreitete", so Gottschalk.

Zwei weitere Martinsbräuche haben sich nicht erhalten: Im 18. und 19. Jahrhundert waren in Westfalen die Martinsfeuer weit verbreitet. Im Sauerland brannten sie auch noch im 20. Jahrhundert. Hier gab es bis ins 20. Jahrhundert daneben den Brauch des "Martinsmännchen": Am Abend vor dem Martinstag erschien dabei in jedem Haus eine als "Martinsmännchen" verkleidete Person. Nachdem die gläubig-erschrockenen Kinder gebetet hatten, warf das Martinsmännchen - freigiebig wie St. Martin - Nüsse und Äpfel für die Kinder.

Der heilige Martin, dem der Martinstag gewidmet ist, war Bischof von Tours und ist der Patron der Bettler, Bedürftigen, der Tuch-, Kappen- und Handschuhmacher sowie auch der Gastwirte und Win-zer. Seine Patronate gehen auf Legendenüberlieferungen zurück, wobei die der Mantelteilung wohl die bekannteste ist: Martinus war als junger Soldat auf dem Wege nach Amiens, als er am dortigen Stadttor einen um ein Almosen bettelnden halbnackten Bettler begegnete. Martin soll daraufhin seinen Mantel mit dem Schwert geteilt, und die eine Hälfte dem Bettler gegeben haben.

In einer weiteren überlieferten Legende um den heiligen Martin kommt den Gänsen eine besondere Bedeutung zu: Der heilige Martin soll sich, als er im Jahr 371 zum Bischof von Tours gewählt werden sollte, bescheiden in einer Scheune versteckt haben. Die Gänse vor dem Scheunentor schnatterten jedoch so laut, dass die Boten des Papstes ihn fanden. "Der Brauch an Martin einen Gänsebraten zu essen, ergab sich, da auf den Höfen zu Martini ein Teil des Viehs geschlachtet wurde, weil man es nicht mehr auf die Weide treiben konnte und das Futter zu teuer war. Dazu gehörten eben auch die ersten fetten Gänse. Es war zudem die letzte Möglichkeit vor dem beginnenden Adventsfasten noch einmal ausgiebig zu speisen", erklärt die LWL-Volkskundlerin Christine Gottschalk die Entstehung dieses Brauches.

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