LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 31.08.01

Foto zur MitteilungHerbert Galle (v.l.), Projektleiter Dr. Stephan Pahs und Gabriele Wilpers monieren eine Videoinstallation, die den Besuchern "Kunst des Ofenschürens" zeigt.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungDas Tagelöhnerhaus aus Vinsebeck ist ab dem 4. September zu besichtigen.
Foto: LWL


Zum Herunterladen bitte mit der linken Maustaste auf das Foto klicken. Nachdem sich das neue Fenster geöffnet hat, bitte das Foto mit der rechten Maustaste speichern.

Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur mit Fotonachweis und gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema verwendet werden, in deren Zusammenhang sie veröffentlicht wurden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht gestattet. Bei Ausstellungen ist die Reproduktion nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung erlaubt. Bei einer anderweitigen Nutzung sind Sie verpflichtet, selbständig die Fragen des Nutzungsrechts zu klären.

Presse-Infos | Der LWL

Gefühle und Gechichte: LWL-Freilichtmuseum Detmold macht Tagelöhnerhaus zum Kunstobjekt

Bewertung:

Detmold (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eröffnet in seinem Westfälischen Freilichtmuseum Detmold ein völlig neuartig gestaltetes Gebäude: Das Tagelöhnerhaus aus Vinsebeck wird ab dem 4. September unter dem Titel "InnenLeben - Haus der Gefühle" für die Besucher zu besichtigen sein. Erstmals stattet das Museum ein Gebäude nicht originalgetreu aus, sondern macht es zu einem Kunstobjekt, das sich mit Gefühlen, Schicksalen und Erleben der früheren Bewohner beschäftigt.
Wie alle historischen Objekte des Museum besitzt das Tagelöhnerhaus seine ganz individuelle Geschichte. In diesem Fall ist es sogar eine sehr spannende Biographie: Gleich nach der Fertigstellung 1833 verkaufte sein Erbauer Anton Finke es wieder, um nach Amerika auszuwandern, was ihm vermutlich nie gelungen ist. Viele Träume späterer Bewohner sollten scheitern, sei es durch Unfälle oder weil die Hoffnung auf eine Ehe sich einfach nie erfüllte. Auch der Einzug des Gebäudes aus dem Kreis Höxter ins Museum am 14. und 15. Juli 1993 war ausgesprochen spektakulär: Der Transport per "Ganzteiltranslozierung" in drei großen Einzelteilen erregte landesweit Aufsehen.

Mit der Ankunft des Hauses im Freilichtmuseum stand das Museumsteam vor einer Herausforderung: Da es im LWL-Museum bereits mehrere Wohngebäude ländlicher Unterschichten gibt, entschieden sich 1998 die Museumsfachleute völlig neue Wege zu. So gewann das Freilichtmuseum die Essener Künstler Herbert Galle und Gabriele Wilpers dafür, ein neuartiges Einrichtungskonzept mit visuellen und akustischen Methoden zu entwickeln, dem die historischen Daten des Hauses zu Grunde liegen. Beide Künstler haben Erfahrungen mit Raumgestaltungen aus verschiedensten Bereichen: Gabriele Wilpers hatte neben zahlreichen anderen Arbeiten 1993 die Wandgestaltung des Rathaussaales der Stadt Geseke übernommen, Herbert Galle setzte zum Beispiel in den Jahren 1995/96 sowohl in Barleben bei Magdeburg als auch in Berlin-Köpenick Kunst-am-Bau-Projekte um.
Bei der Einrichtung des Tagelöhnerhauses gab das Museum seine rein wissenschaftliche Sichtweise auf, um mit künstlerischen Methoden den Besuchern eine neue Perspektive zu ermöglichen. Ein Beispiel für die Vorgehensweise der Künstler ist der "Raum der verborgenen Gefühle", die ehemalige Schlafkammer des Vinsebecker Hauses: Laut Aussage einer Zeitzeugin ließ die letzte Bewohnerin niemanden hinein - deshalb ist hier der Boden mit zerbrechlichen Scherben bedeckt, die ein Begehen unmöglich machen. Zarte Gewebe, die im Raum hängen, erinnern an Bettücher. Sie sind mit Motiven gestaltet, die an Geburt und Tod, an Liebe und Träume denken lassen.

Ganz im Gegensatz dazu können Besucher im "Raum der Schatten" mit diffusen Lichteffekten auch
Drangsal erspüren, die zum Beispiel die schwere Arbeit des Holzlesens bedeutete. So wie in diesen Räumen werden die Besucher die
"Gebäudebiographie" des Vinsebecker Tagelöhnerhauses auf ihrem Entdeckungsrundgang in jeder der Kammern wiederfinden oder auch neu sehen.

Museumsleiter Prof. Dr. Stefan Baumeier freut sich im Rückblick: "Es wurde schnell deutlich, dass die Künstler am selben Strang ziehen wie wir: Niemand wollte einfach ein leerstehendes Haus mit Kunst füllen, ganz im Gegenteil: Projektleiter Dr. Stephan Pahs hat den Künstlern die Forschungsergebnisse zur Geschichte des Hauses und seiner Bewohner vermittelt. Dieses Wissen nutzten Herbert Galle und Gabriele Wilpers dazu, sich mit ihren künstlerischen Mitteln abstrakten Ebenen wie Erfahrungen, Träumen und Gefühlen zuzuwenden." Die Künstler wollen sich mit den Museumsbesuchern über ihr Projekt austauschen, deshalb bieten sie am 30. September und am 21. Oktober Werkstattgespräche im Museum an.

ca. 3726 Anschläge



Pressekontakt:
Markus Fischer, Telefon: 0251/591-235
Gefion Apel, Telefon: 05231/706-140
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
http://www.facebook.com/LWL2.0







Ihr Kommentar




zu den aktuellen Presse-Infos