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Mitteilung vom 08.01.08

Foto zur MitteilungMit sagenhaften 1,80 m Durchmesser ist er der größte Ammonit (Parapuzosia seppenradensis) der Welt. Er wurde zum Wahrzeichen des Westfälischen Museums für Naturkunde. Fundort: Seppenrade. Foto: LWL/Thomas

Foto zur MitteilungDer Riesenammonit aus Seppenrade mit Prof. Dr. Hermann Landois als Größenvergleich. Repro: LWL

Foto zur MitteilungDer Träger des Ehrentitels wiegt über 3,5 Tonnenn und ist rund 1,8 Meter groß. Foto: LWL/Thomas

Foto zur MitteilungLebensbild des Riesenammoniten Parapuzosia seppenradensis. Foto: LWL/Thomas

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Presse-Infos | Kultur

Größter Ammonit der Welt erhält Auszeichnung

Kopffüßer aus Westfalen zum "Fossil des Jahrs 2008" ernannt

Bewertung:

Münster (lwl). Der größte Ammonit der Welt ist das "Fossil des Jahres 2008": Die Paläontologischen Gesellschaft, die 1912 gegründete Vereinigung für den deutschsprachigen Raum mit rund 1.000 Mitgliedern, erklärte am Dienstag (8.1.) den 80 Millionen Jahre alten versteinerten Kopffüßer zum Träger des Ehrentitels. Der 3,5 Tonnen schwere und 180 Zentimeter große Ammonit steht im LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Sein wissenschaftlicher Name ist Parapuzosia seppenradensis, benannt nach seinem Fundort im westfälischen Seppenrade. Abgüße des Riesenammoniten sind in fast allen großen Naturkundemuseen der Welt zu sehen.

Überraschungsfund
1887 wurde überraschend in einem Steinbruch bei Seppenrade (Kreis Coesfeld) im südlichen Münsterland, zirka 25 Kilometer südwestlich von Münster, ein Ammonit mit einem Durchmesser von 1,36 Meter entdeckt. Prof. Dr. Hermann Landois, Direktor und Gründer des damaligen Westfälischen Provinzialmuseums für Naturkunde und "Direktor der zoologischen Sektion des Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst", in Münster glaubte, dass sich nun der größte Ammonit der Welt in Westfalen befände.

Das Stück erregte in der Fachwelt großes Aufsehen - bis zum 23. Februar 1895. Landois erhielt aus Seppenrade ein Telegramm des Kaufmanns, Zoologen und Heimatforschers Theodor Nopto: "Seppenrade. Zweiter Riesenammonit gefunden. Durchmesser 1,80 m. Nopto." Tatsächlich hatte man im selben Steinbruch, in dem auch schon der erste Riese entdeckt worden war, ein weiteres Exemplar gefunden.

Der neue Fund ist nach wie vor der größte, der weltweit gefunden worden ist. Landois beschrieb den Neufund und gab ihm den wissenschaftlichen Namen Pachydiscus seppenradensis. Spätere Bearbeiter stellten das Fossil zur Gattung Parapuzosia, so dass er heute Parapuzosia seppenradensis heißt.

Schwierige Bergung und Erwerb

Bei der Bergung brach das Fossil in sieben Teile, die später wieder zusammengefügt wurden. Landois erwarb den Ammoniten für 125 Goldmark für das Provinzialmuseum und ließ ihn am 8. März 1895 nach Münster überführen und im alten Gebäude des Naturkundemuseums an der Himmelreichallee, heute Musikschule, aufstellen. Im Dezember 1980 wurde der Riesenammonit vom alten zum neuen Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) transportiert.

Präsentation im LWL-Museum

Bis 1995 war der versteinerte Kopffüßer mit zwei weiteren Ammoniten in einem eigenen Ausstellungsbereich zu sehen. Doch dann wurde dieser Museumsbereich für eine andere Ausstellung benötigt, und die Großammoniten in ihrem stahlbewehrten Betonfundament verschwanden hinter einer Wand, Anfang 2006 zogen Zugfahrzeuge den Ammoniten dann millimeterweise quer durch das Museum zum neuen Standort im Foyer.

Ammoniten

Ammoniten waren Kopffüßer aus der großen Tierfamilie der Weichtiere. Sie sind nahe Verwandte von heute noch in den Meeren lebenden Tintenfischen und waren eine in der Erdgeschichte außerordentlich erfolgreiche Tiergruppe. Sie existierten vom Unterdevon (vor 417 Mio. Jahren) bis zum Ende der Kreidezeit (vor 65 Mio. Jahren). Die Bezeichnung "Ammonit" rührt von dem aufgerollten Gehäuse her, das an ein Widdergehörn erinnert. Der altägyptische Gott Amun wurde mit einem Widderkopf dargestellt.

Ammoniten lebten in den Meeren, die damals auch weite Teile des heutigen Westfalens bedeckten. Sie verfügten über ein kalkhaltiges Gehäuse, das ihnen als Außenskelett Schutz und Halt gab. Das Gehäuse war in die eigentliche Wohnkammer und einen Abschnitt mit gasgefüllten Kammern unterteilt, mit deren Hilfe das Tier im Wasser schweben konnte. Die Fortbewegung erfolgte nach dem Rückstoßprinzip. Seit dem Ende der Kreidezeit sind Ammoniten ausgestorben.

Größe als Schutz
Riesenwuchs bei Ammoniten trat in der Erdgeschichte öfter auf. So kamen Großformen im Oberdevon, in der Trias, im Jura und in der Kreide vor. Zu keiner Zeit wurde jedoch die Größe der kreidezeitlichen Riesen erreicht. Diese Großformen entwickelten sich nach einem globalen kräftigem Anstieg des Meeresspiegels. Die Großammoniten lebten in flacherem Wasser, ganz im Gegensatz zu den heute lebenden Riesentintenfischen, die ausschließlich in der Tiefsee leben. Großwüchsigkeit bringt Organismen einige Vorteile, wie z.B. ein höheres Lebensalter und Schutz vor Fressfeinden. Aufgrund ihrer Größe hatten die Großammoniten der Kreide kaum Feinde.

Paläontologische Gesellschaft

Um der Bedeutung von fossilen Objekten Rechnung zu tragen und ihre Erforschung durch die Wissenschaft der Paläontologie in der Öffentlichkeit stärker ins Bewusstsein zu bringen, hat die Paläontologische Gesellschaft 2008 zum ersten mal den Titel "Fossil des Jahres" an ein herausragendes Fossil vergeben. Die Vergabe dieses Titels ist an eine Reihe von Kriterien geknüpft, die sowohl die wissenschaftliche Bedeutung als auch den besonderen Museumswert des fossilen Ammoniten berücksichtigen. Einzelheiten des Verfahrens sind der Homepage der Paläontologischen Gesellschaft zu entnehmen: www.palaeo.de

Wahrzeichen

Der Ammonit aus Seppenrade wurde zum Wahrzeichen des LWL-Museums für Naturkunde.. In Münster kann der Ammonit dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr im LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster, besichtigt werden. Weitere Informationen unter Telefon 0251.591-05 oder www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de .



Pressekontakt:
Bianca Fialla, LWL-Naturkundemuseum, Telefon: 0251 591-6066 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Links:
http://www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de



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