Herford, Stift auf dem Berge

Geschichte Zu Beginn des 11. Jhs. - vermutlich im Jahre 1011 - gründete die aus dem Hause Billung stammende Herforder Äbtissin Godesta (etwa 1002-1040) auf dem Luttenberg vor Herford ein Frauenkloster, das im späten Mittelalter in das adlig-freiweltliche Damenstift St. Mariae auf dem Berge vor Herford umgewandelt wurde. Um das Jahr 1547/1548 wurde das Stift reformiert, die Stiftskirche zur evangelischen Pfarrkirche. Unter den anfangs 14, seit dem Jahre 1635 12 Stiftsdamen, die spätestens seit dieser Zeit aus dem niederen Adel stammten, nahmen die Dignitärinnen eine besondere Stellung ein. Die Dechantin und die Pröpstin wurden ex capitulo gewählt, die Küsterin von der Äbtissin ernannt.

Die Abhängigkeit des Stifts auf dem Berge von der Fürstabtei Herford zeigte sich auf vielfältige Weise. Seit der Reformation übte deren Äbtissin als Landesherrin neben der weltlichen auch die geistliche Jurisdiktion aus. Sie bestätigte die Stiftsstatuten und ernannte den Amtmann sowie den Pastor. Über die Neuaufnahme von Stiftsdamen entschied die Fürstäbtissin im Einvernehmen mit dem Stift; sie hatte auch Anteil an bestimmten Einkünften. Die insgesamt nicht sehr reichen Besitzungen des Stifts konzentrierten sich auf den Raum um Herford.

Das Damenstift wurde Im Rahmen der Säkularisation 1810 aufgehoben. Die noch existierende Stiftskirche, geweiht 1325, dient heute als Ev.-luth. Marienkirche.
Benutzungsort Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
Eigentümer/in Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
Bestand
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Bestandsignatur Stift auf dem Berge, Herford - Urkunden
Findbuch C 151u
Umfang 316 Urkunden
Laufzeit 1151-1805
Anmerkungen Ergänzungsüberlieferung.
- Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen. Minden-Ravensberg, Bd. 1, S. 29-59, Aufschwörungstafeln der Landstände und Stifte. - Msc.: Msc. VII 1316e und f, Heberegister, 14. Jh. [gedruckt bei Darpe]. - Königreich Westfalen: A 2 Nr. 118-121, A 5 Nr. 230, A 9 Nr. 158, Säkularisationsakten.
Information Das älteste erhaltene Aktenverzeichnis legte der Stiftsamtmann Georg Ludwig Cölling im Jahre 1740 an. Unter der Überschrift "Specification derjenigen Briefschaften und Nachrichten, welche sich im Stiffts-Archiv auf dem Chore in der Kirche befinden", führte er die Akten nach dem Aufbewahrungsort auf. Dazu dienten ihm ein großer Kasten auf dem Chor und zwei verschiedene "dannen Kästgen". Der genannte große Archivschrank befindet sich heute im Stadtmuseum Herford.

Das bis 2008 gültige Findbuch wurde 1823 von Graf Karl August von Reisach, Leiter des Archivdepots Minden (1822-1829), verzeichnet. Es wies pro Urkunde bis zu drei verschiedene Signaturen aus, von zahlreichen Urkunden waren nur das Datum vermerkt, andere fanden sich in einem Anhang bzw. in einem wohl anlässlich der Aufhebung des Stifts 1810 angefertigen Repertorium Stift St. Maria auf dem Berge zu Herford, Urkunden (Alte Repertorien Nr. 176), das 214 Urkunden anführt. Auszüge aus Archivrepertorien des Archivsekretärs Haarland anlässlich der Abgabe von Minden nach Münster aus dem Jahr 1852 befinden sich hinsichtlich des Stifts auf dem Berge im Alten Repertorium Nr. 401.

Das Findbuch Stift auf dem Berge, Herford - Urkunden wurde im September 2007 von Roland Lesniak unter Betreuung von Dr. Thomas Reich mit dem elektronischen Verzeichnungsprogramm VERA abgeschrieben.
Weitere Ressourcen Ressourcen zu Herford und zur Reichsabtei Herford im Internet-Portal "Westfälische Geschichte"

Stift auf dem Berge, Herford | Google Maps

Panoramen Herford

Ev.-Luth. Marien-Kirchengemeinde Stiftberg zu Herford

Stadt Herford
Literatur Darpe, Franz (Bearb.)
Einkünfte und Lehnsregister der Fürstabtei Herford sowie Heberolle des Stifts auf dem Berge bei Herford. Codex traditionum Westfalicarum, Bd. 4. Münster 1892.

Helmert-Corvey, Theodor (Hg.)
Rechtsbuch der Stadt Herford. Vollständige Faksimile-Ausgabe. Bielefeld 1989.

Pape, Rainer / Sandow, Erich
Urkundenbuch der Stadt Herford, Teil 1: 1224-1450. Herforder Geschichtsquellen, Bd. 1. Herford 1968.

Sander, Heinrich
Verzeichniß aller deß Stiffts auffen Berge vor Hervordte Uffkünfte ..., 1610 dem Rentmeister Heinrich Meinders geliefert. In: Ravensberger Blätter 1936, Nr. 10, S. 82f.


Bannasch, Hermann
Zur Gründung des Marienstiftes auf dem Berge in Herford. In: Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Löhne, Sonderheft 1, 1974, S. 19-31, 63-65.

Boeselager, Johannes von / Klefisch, P. / Schleier, B. / Simon, U. / Weiberg, E.
Im Schatten der Reichsabtei. Stift St. Mariae auf dem Berge vor Herford. In: WZ 140, 1990, S. 49-130.

Brasse, Friedrich (Hg.)
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Die Kirche des ehemaligen Damenstifts St. Marien und Pusinna in Herford. Architektur unter den Edelherren zur Lippe. Petersberg 2006.

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Die Frühen Herforder Kirchenbauten des 9. bis 12. Jahrhunderts. Marienkirche - Nikolaikirche - Münster. In: Herforder Jahrbuch 6, 1965, S. 1-8.

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Die Marienkirche in Herford. Große Baudenkmäler, Heft 232. München [u. a.] 1969.

Helmert-Corvey, Theodor / Thomas Schuler (Hg.)
1200 Jahre Herford. Spuren der Geschichte. Herford 1989.

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Die Herforder Marien-Vision. Ein unbekannter Bericht aus der Mitte des 10. Jahrhunderts. In: WZ 131/132, 1981/1982, S. 243-256.

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Zur Inschrift der Hortensius-Gedenktafel in der Marienkirche. In: Herforder Heimatblätter 6, 1927, Nr. 3 und Nr. 11.

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Pape, Rainer
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Sander, Heinrich
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Sander, Heinrich
Das Marienstift auf dem Berge. In: Herforder Heimatblätter 16, 1937, Nr. 8 und Nr. 9; 17, 1938, Nr. 1, Nr. 3 und Nr. 4; 18, 1939, Nr. 8.

Stoob, Heinz (Hg.)
Herford. Westfälischer Städteatlas, Lieferung 1. Dortmund 1975.
Systematik
Zeit2.14   1150-1199
2.15   1200-1249
2.16   1250-1299
2.17   1300-1349
2.18   1350-1399
2.19   1400-1449
2.20   1450-1499
3.1   1500-1549
3.2   1550-1599
3.3   1600-1649
3.4   1650-1699
3.5   1700-1749
3.6   1750-1799
3.7   1800-1849
Ort2.3.3   Herford, Stadt
Sachgebiet6.8.8   Frauen
16.6.3   Geistliche, Rabbiner, Ordensleute
16.6.5   Domkapitel / Klöster / Stifte, Klosterleben
Datum Aufnahme 2010-06-28
Datum Änderung 2012-01-26
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