Herford, Stadt

Geschichte Eng verknüpft mit der städtischen Entwicklung Herfords ist das dort seit Ende des 8. Jhs. bestehende reichsunmittelbare Frauenstift, das neben Corvey zu den bedeutendsten geistlichen Einrichtungen im von den Franken eroberten sächsischen Gebiet zählte.

Die Siedlung erhielt schon Anfang des 9. Jhs. Marktrechte; das im Westen der Abtei gelegene Odenhausen wurde unter Otto II. ebenfalls mit Markt-, Münz- und Zollrechten privilegiert. Ein weiterer Siedlungs-Nukleus liegt südlich der Abtei um den Alten Markt - der heutigen Altstadt - mit der Kirche St. Nicolai, für den Anfang des 13. Jhs. Bürgermeister, Rat und ein bürgerliches Gericht belegt sind. Im Osten der klösterlichen Immunität gründeten um diese Zeit Äbtissin und der Erzbischof Engelbert von Köln als Vogt des Klosters die Herforder Neustadt, die mit der Altstadt erst 1634 vereinigt wurde. Eine weitere keinere Siedlung bildete sich um das um 1011geweihte Damenstift St. Marien auf dem Stiftsberge, gut einen Kilometer östlich des Klosterbezirks.

Schon Mitte des 13. Jhs. gelang es der Stadt, das Burggericht als Lehen von der Äbtissin zu erhalten; als Gegenleistung sicherte es die Verteidigung des Klosters zu. Es entstand die Regierungsform des Kondominats, bei der Stadt und Stift alle inneren und äußeren Angelegenheiten gemeinsam regelten. Baulicher Ausfluss dieser Entscheidung ist die Anlage einer 3,5 km langen Befestigungsanlage und einer Landwehr. Marienwallfahrt und wirtschaftlicher Erfolg u. a. in der Leinenweberei macheten die Stadt zu einem Zentralort, an dem sich zahlreiche geistliche Gemeinschaften ansiedelten (Minoriten 1223/1286, Johanniter 1231/1285, Beginen 1288, Augustiner 1288, Klarissen 1389, Verlegung des Enger Kollegiatstift an die Kirche St. Dionysisus 1414, Fraterherren 1428, "Süstern" 1449).
Das Stadtrecht wurde um 1375 kodifiziert, im 16. Jh. wurde schließlich der Sonderstellung Herfords Rechnung getragen und sie als Reichsstadt anerkannt.

Sehr früh öffnete sich Herford den Ideen der Reformation (1532) unter dem Augustiner Johann Dreier; aus dem Augustinerkloster wurde eine Lateinschule, das spätere Friedrichsgymnasium.
Die weltlichen Rechte des Stifts wurden zu dieser Zeit auf den Herzog von Jülich-Kleve-Berg übertragen, was zunächst ohne Folgen für die stadtinternen Zustände blieb, aber im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs zur Mediatisierung des Territoriums unter Preußischer Herrschaft führte (endgültig 1652).

Ein großer Stadtband von 1638 und die wirtschaftlichen Folgen der Überschuldung im Dreißigjährigen Krieg lösten die Abwanderung städtischer Eliten und den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt aus, von dem sich Herford erst im 19. Jh. wieder erholte.
Benutzungsort Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
Eigentümer/in Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
Bestand
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Bestandsignatur Stadt Herford - Urkunden
Findbuch D 502u
Umfang 29 Urkunden
Laufzeit 1383-1714
Anmerkungen Bandfilm vorhanden vom Oktober 1955, Sicherungsfilm Nr. 13/66.

Ergänzungsüberlieferung.
- Münster, Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen. Msc.: Fürbitte der Äbtissin Elisabeth von Herford wegen Kontributionsnachlass 1673: Altertumsverein Münster, Msc. 375c; Münzfund in der Stadt Herford 1859: Altertumsverein Münster, Msc. 513; Material zur Chronik der Stadt: Msc. VII 3109, Msc. VII 3115a, Msc. VII 3326a-c; Streit zwischen Stadt Herford und Äbtissin Magdalena zur Lippe 1626 und 1639: Msc. VII 3302, Msc. VII 3328.
Information Ergänzte Abschrift der im handschriftlichen Findbuch von 1914 enthaltenen Einträge über die im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen vorhandenen Originalurkunden. Nicht berücksichtigt wurden hier die im alten Findbuch enthaltenen Regesten zu einigen abschriftlich überlieferten Stücken. Der Hauptteil des Archivs (Urkunden und Akten) wurde an die Stadt zurückgegeben.
Weitere Ressourcen Ressourcen zu Herford und zur Reichsabtei Herford im Internet-Portal "Westfälische Geschichte"

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Panoramen Herford

Stadt Herford
Literatur Pape, Rainer / Sandow, Erich
Urkundenbuch der Stadt Herford. Teil 1: Urkunden von 1224-1450. Herford 1968.

Helmert-Corvey, Theodor (Hg.)
Rechtsbuch der Stadt Herford. Vollständige Faksimile-Ausgabe. Bielefeld 1989.

Helmert-Corvey, Theodor / Thomas Schuler (Hg.)
1200 Jahre Herford. Spuren der Geschichte. Herford 1989.

Stoob, Heinz (Hg.)
Herford. Westfälischer Städteatlas, Lieferung 1. Dortmund 1975.

Freiherrin von Fürstenberg, M.
"Ordinaria Loci" oder "Monstrum Westphaliae"? Zur kirchlichen Rechtsstellung der Äbtissin von Herford im Vergleich. Paderborn 1995

Schirmeister, O. (Hg.)
Fromme Frauen und Ordensmänner. Bielefeld 2000

Wemhoff, M.
Das Damenstift Heford. 3 Bde. Bonn 1993
Systematik
Zeit2.18   1350-1399
2.19   1400-1449
2.20   1450-1499
3.1   1500-1549
3.2   1550-1599
3.3   1600-1649
3.4   1650-1699
3.5   1700-1749
3.6   1750-1799
3.7   1800-1849
Ort2.3.3   Herford, Stadt
Sachgebiet3.11   Städte und Gemeinden, Ober-/Bürgermeister/Ober-Bürgermeisterin, Mitarbeiter
Datum Aufnahme 2010-06-28
Datum Änderung 2011-11-04
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