Merlsheim

Geschichte Merlsheim, gelegen im Ortsteil Merslheim der Gemeinde Nieheim, war seit dem 14. Jh. im Besitz der Familie von Oeynhausen, die hier um 1420 ein festes Haus erbaute. Der Besitz ging Anfang des 16. Jhs. durch die Hand einer Erbtochter an Heinrich von Rengershausen, doch schon 1545 wieder an die von Oeynhausen. Als diese neue Linie der von Oeynhausen zu Merlsheim 1632 im Mannesstamm ausstarb, konnte sich zunächst der Rittmeister Heinrich von Hoyquesloot, der die Schwester des letzten von Oeynhausen zu Merlsheim geheiratet hatte, im Besitz des Gutes behaupten. 1655 trat er Merlsheim an die von Ketteler zu Middelburg ab, die schon 1652 die Belehnung erhalten hatten. Als dann 1783 diese Linie der von Ketteler ausstarb, ging das heimgefallene Paderborner Lehen an Friedrich Christian von Oeynhausen aus dem Hause Sudheim, der Merlsheim aber 1813 verkaufen musste. Eigentümer wurde der Freiherr von Heymann, der das Gut 1830 an den Hauptmann Lambert Philipp von Bock verkaufte. Schon 1834 erfolgte der Verkauf an Heinrich Georg Franckenberg, von dem es 1845 Joseph Freiherr von Hövel erwarb. 1857 wurde die Landtagsfähigkeit des Gutes anerkannt. Als von Hövel 1893 starb, erbte Merlsheim sein Neffe August Freiherr von Hövel, langjähriger Landrat des Kreises Essen und 1900-1910 Regierungspräsident zu Koblenz. Dieser setzte seine Nichte Eleonore von und zur Mühlen, geb. Freiin von Hövel, zur Erbin ein, nachdem Eleonores einziger Bruder Franz als Leutnant d. R. 1915 gefallen war. Nach dem Tode ihres Onkels 1917 trat Eleonore das Erbe an und zog 1920 mit ihrer Familie von Münster nach Merlsheim.

Aus dem gleichnamigen Ksp. nördlich der Lippe stammt die Familie von Hövel. Ein Zweig dieser Familie besaß an der Lippe das Haus Stockum, auf das jedoch seit dem Anfang des 16. Jhs. auch die von Brüggeney gen. Hasenkamp Ansprüche erhoben. Ein anderer Zweig war seit dem 14. Jh. im Besitz des Hauses Sölde bei Dortmund. Abkömmlinge dieses Sölder Zweigs erwarben im 17. Jh. das Gut Dudenrodt bei Unna, das zuvor im Besitz einer anderen Linie gewesen war, und Herbeck bei Hagen. 1788 erbte Friedrich Alexander von Hövel zu Herbeck von dem münsterschen Domherrn Franz Ferdinand von der Wenge die Güter Portendieck bei Essen und Enkingmühle bei Münster, beides frühere Besitzungen der münsterschen Erbmännerfamilie von Bisschopinck. Friedrich Alexander von Hövel war verheiratet mit Wilhelmine von Ritz, die von Ihrem Bruder die Güter Etgendorf und Scheppen erbte und in die Familie von Hövel brachte. Scheppen war an die von Ritz durch die Heirat von Friedrich Johann Wilhelm von Ritz mit Theodora von dem Bottlenberg gen. Schirp gelangt. Durch diese Heirat war auch die bis 1747 von der Familie von der Recke besessene Herrschaft Witten an Friedrich Johann Wilhelm von Ritz gekommen, der sie aber 1815 verkauft hatte.

Die aus Warendorf stammende Familie zur Mühlen (von Zurmühlen, von und zur Mühlen) gehörte seit dem 17. Jh. zu den bedeutendsten Beamtenfamilien des Fürstbistums Münster (siehe  Haus Ruhr). Die in einem Ast auf Haus Merlsheim ansässige Linie stammt ab von Dr. Werner zur Mühlen (ca. 1628-1690), münsterscher Geheimer Rat und Vizekanzler, der 1684 von den Erben thon Nienhaus das Gut Diek kaufte und dessen Sohn Johann Werner Walrad 1696 das Marienfelder Lehngut Hoyng zu Cörde bei Münster erwarb. Ende des 18. Jhs. wurde durch Erbschaft von der Rheiner Familie Stüve das Werdensche Lehen Brahe bei Aschendorf und die Höfe Hoermann und Deitmar erworben. Brahe war 1736 durch Gerhard Stüve von den von Langen zu Kreyenburg gekauft worden. Gut Diek wurde mit den Höfen Harenkotten-Rumphorst, Brüning (1699 gekauft) und Hoermann (1785 aus der Erbschaft Stüve) 1803 zu einem Fideikommiss vereinigt. 1911 heiratete Joseph von und zur Mühlen Eleonore von Hövel, die im Jahre 1917 die Güter Merlsheim und Scheppen erbte. 1947 erbte Martin Werner von und zur Mühlen durch den Tod seiner Mutter Eleonore Merlsheim.
Benutzungsort LWL-Archivamt für Westfalen
Eigentümer/in von und zur Mühlen
Bestand
Mühlen, Familie von und zur, Urkunden Regestenliste | Suche im Bestand
Bestandsignatur Mer.Müh.Uk
Findbuch Mer.Müh.Uk
Umfang 337 Urkunden. Nicht erfasst sind weitere  48 Urkunden.
Laufzeit 1317-1807
Information Das auf Haus Merlsheim befindliche Archiv ist im wesentlichen aus drei Quellen zusammengekommen:
  • dem Archiv des Hauses Merlsheim
  • ,
  • Archivalien der Familie von Hövel und ihrer Besitzungen und
  • Archivalien der Familie von und zur Mühlen und ihrer Besitzungen.
Der Bestand wurde 1995 von Dr. Wolfgang Bockhorst verzeichnet.
Weitere Ressourcen Ressourcen zu Nieheim und zum Thema Adel im Internet-Portal "Westfälische Geschichte"

Schloss Merlsheim in Nieheim, Ortsteil Merlsheim | Google Maps

Stadt Nieheim
Literatur Oeynhausen, Julius von / Grotefend (Bearb.)
Geschichte des Geschlechts von Oeynhausen. 4 Teile. Teil 1: Regesten und Urkunden von 1036 bis 1605 (Paderborn 1870); Teil 2: Regesten und Urkunden von 1606 bis 1832 (Frankfurt 1887); Teil 3: Biographische Bearbeitung (Frankfurt 1889); Teil 4: Stammtafeln nach der biographischen Bearbeitung (Paderborn 1889). Paderborn [u. a.] 1870-1889.

Schmieder, Siegfried
Inventar des Stadtarchivs Warendorf. Westfälische Quellen und Archiwerzeichnisse, Bd. 16. Münster 1990.


Ballestrem, Andreas-Marco von
Die Sanct Antonii-Hütte bei Osterfeld. Tübingen 1969.

Blume, Karl
700 Jahre Merlsheim. 1292-1992. Merlsheim 1992.

Blume, Karl
Merlsheim, das Amseldorf. In: Die Warte 93, 1997, S. 15-17.

Recke, Otto von der / Recke-Volmerstein, Constantin von der
Geschichte der Herren von der Recke. Breslau 1878 [S. 175-182 (Berge, Scheppen, Witten)].

Fahne, Anton
Die Herren von Hövel. 3 Bde. Köln 1856-1860.

Maoro, Ernst
Schloss Merlsheim in Merlsheim. In: Schlösser, Burgen Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 179-182.

Meinersmann, Bernhard
Merlsheim. In: Heimatbuch des Kreises Höxter, Bd. 1, 1925, S. 115-119; Bd. 2, 1927, S. 136-140.

Niederau, Kurt
Zur Geschichte des bergischen Adels. Die von dem Bottlenberg. Bergische Forschungen, Bd. 14. Neustadt a. d. Aisch 1976.

Richtering, Helmut
Friedrich Alexander von Hövel (1766-1826). In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark 66, 1970, S. 5-43.

Schmitz, Herbert
Haus Scheppen: Wasserschloss, Landsitz, Trutzburg. In: Geschichten aus der Werdener Geschichte Bd. 4, Werden 2006, S. 9-64.

Schulze, Rudolf
Geschichte der Stadt Warendorf. Bd. 1: Das Mittelalter. Warendorf 1955.

Zuhorn, W.
Kirchengeschichte der Stadt Warendorf. 2 Bde. Warendorf 1918-1920.

Zuhorn, W.
Geschichte des fürstbischöflichen Amts- und Mühlenhofes Warendorf. In: Warendorfer Blätter 15, 1920, S. 3f., 6f., 10f., 14f., 18; 16, 1921, S. 1f., 5f., 9f.
Systematik
Zeit2.17   1300-1349
2.18   1350-1399
2.19   1400-1449
2.20   1450-1499
3.1   1500-1549
3.2   1550-1599
3.3   1600-1649
3.4   1650-1699
3.5   1700-1749
3.6   1750-1799
3.7   1800-1849
Ort2.4.7   Nieheim, Stadt
Sachgebiet6.8.1   Adel
Datum Aufnahme 2010-04-07
Datum Änderung 2013-11-13
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