Regest

Datum 1326-02-23 Suche DWUD Suche Portal Datum Bestand: früher | später
(sunnendaghes vor mith vasten)
Ausstellungsort [s. l.]
Titel/Regest Heinrich [II. von Virneburg], Erzbischof von Köln und Erzkanzler des Hl. Reiches für Italien (ertekenzeller des rikes over bergh) sowie Graf Robracht von Virneburg (Virneburgh), Marschall von Westfalen, und die Burgmannen von Rüthen (Ruden), Hofstede (Hovestatt), Fürstenberg (Vurstenbergh), Schnellenberg (Schnellenbergh), Werl (Werle), Hallenberg (Hallenbergh), Alme (Almene), Altenfils (Aldenvilz)und Scharfenberg (Scharpenberghe), ebenso die Bürgermeister, Ratsherren und Bürger der Städte, Soest (Suyst), Brilon, Marsberg (van den Berghe), Attendorn (Atrendern), Recklinghausen (Riklinchusen), Dorsten (Dorstene), Werl (Werle), Geseke (Gheseke), Rüthen (Ruden), Warstein (Warsten), Kallenhardt (Kalenhard), Belecke (Bedelike), Medebach (Medebeke), Winterberg (Winterbergh), Hallenberg (Hallenbergh), Schmallenberg (Smalenborch) und Volkmarsen (Volcmers), schließlich auch die Vertreter und Bürger der Stadt Dortmunde tun allesamt kund, ein Bündnis und Gelöbnis zwecks Wahrung von Frieden und Recht sowie zur Befriedung von Land und Leuten im kölnischen Westfalen (und umbe unrecht gewalt to verdrievenne unde de strate und de lude in unsen landen to Westfalen mit der godes helpe to bevredene) gegründet zu haben. Wenn einem Angehörigen dieses Landfriedensbündnisses Raub, Brandschatzung oder irgendeine andere Gewalthandlung widerfährt, so soll ihm, jedenfalls solange dieses Abkommen gilt, umfassende Hilfe von seiten der Bündnispartner widerfahren, auch seitens der Städte Dortmund und Soest. Alle betroffenen Herrschaften, Amtleute und Burgmannen sollen überkommene Privilegien und Gewohnheitsrechte behalten (bi irme alden rechte unde bi irre alden wontheyt bliven). Nach erlittenem Unrecht soll ein jeder seine Angelegenheit vor Gericht bringen (sal syn sake vurderen mit gherichte), nicht aber mit Eigenmacht verfolgen. Bei Ehrverletzungstatbeständen (weyr oyc dat ein royf ofthe ein name [...] genoemen wurde) soll Wiedergutmachung und Beistand erfolgen, der Geschädigte hat förmlichen Anspruch auf Unterlassung solcher Handlungen. Das Landfriedensbündnis wird sich ein gemeinsames Siegel (ghemeyne ingheseghel) zulegen, das bis zum Michaelstag [09-29] zunächst beim Rat der Stadt Soest aufbewahrt wird, wohin es danach gelangt, liegt im Ermessen der Bündnispartner. Gegen Gewalt und Unrecht steht einem Geschädigten zwecks Genugtuung der Rechtsweg offen jeweils bei derjenigen Stadt, in welcher das Bündnissiegel gerade aufbewahrt wird (unde sal dan kundighen unde claghen der stat, de dat ingheseghel heuet). Verweigern sich Übeltäter gerichtsförmiger Wiedergutmachung innerhalb von 14 Tagen, so sollen sie von da an vredeloys sein, vor eynen unrechten man up ghehalden ofthe gevanghen und und in das nächstbeste Burgverlies (in dat neyste sloyt) verbracht werden, welches in den Einzugsbreich dieses Landfriedensbündnisses fällt. Wenn dann innerhalb von 14 Tagen niemand von außerhalb Klage erhebt, so soll ihnen ebendort der Prozeß gemacht werden (deme salmen duyn rechte gerichte). Zwecks Austrag von Rechtsstreitigkeiten zwischen den Bündnispartnern wird eine Justizkommission eingesetzt (recht to wisende unde o sprekende [...] uppe alle sake de vor se ghebracht wijrt), die aus insgesamt 18 Personen besteht: drei Ritter, 6 Ratsherren aus Soest, drei Bürger aus den übrigen mitunterzeichneten Stadtgemeinden, schließlich noch sechs Ratsherren aus Dortmund. Wenn jemandem aus dem Gremium der achtzehn Schiedsleute bei Verrichtung seiner Aufgabe Unrecht widerfährt (icht arghes gesche), so soll ihm alle denkbare Hilfe der Bündnispartner zukommen; die Stadt, welche das Siegel aufbewahrt, ist ermächtigt, aus einschlägigem Anlaß urkundliche Schriftstücke auszustellen (breyve to ghevene so weme des noyt ys). Werden die Achtzehn in eine Stadt geschickt und erscheinen nicht vollständig, so sollen die übrigen Zusammengekommenen dennoch in ihren Verhandlungen fortfahren. Friedlosen und Straßenräubern (vredelosen manne ofthe stratenrovere) soll niemand Unterschlupf gewähren (vrede ofthe vuorwarde gheven). Was in der Vorzeit an Raub und Brandschatzung geschehen ist, ist nicht Gegenstand dieses Friedensgelöbnis (ne sal nymant in disse loevede tyn ofthe brengen). Disse geloevede unde dit verbunt soll bis zum Michaelstag [29.9.] in zwei Jahren in Kraft bleiben. Ist jedoch eine gerichtliche Klage nach Zeitablauf des Bündnisses noch nicht zur Entscheidung gereift (binnen disser tijt nicht vor enden ne kunden), so bleiben die Achtzehn weiter im Amt und verfolgen die Sache weiter bis zu endlichem Austrag (also langhe wente die sake vor endet wuorde).

Siegelankündigung durch sämtliche Aussteller.
Archiv   Recklinghausen, Stadt- und Vestisches Archiv
Bestand   Stadtarchiv I, Urkunden, Reihe I |   alle Regesten
Signatur 8
Benutzungsort Stadt- und Vestisches Archiv Recklinghausen
Formalbeschreibung Abschrift, Pergament, mittelniederdeutsch. Ca. 37 x 36,5 cm.
Siegel Unbesiegelt.
Literatur Druck: Seibertz, Johann Suitbert: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, 2. Band (1300-1400), Arnsberg, 1843, Nr. 614 (S. 215-218). Fahne, Anton: Urkundenbuch der freien Reichsstadt Dortmund, Abt. 1, 1855, Nr. 90 (S. 113). Rübel, Karl (Bearb.): Dortmunder Urkundenbuch, Band I: 1. Hälfte (No. 1-547) 899-1340. Dortmund, 1881, Nr. 428 (S. 296-299).

Regest: Knipping, Richard (Bearb.): Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 4 (1304-1332), Bonn, 1915, Nr. 1578.
Systematik
Typ1.3   Einzelquelle (in Volltext/Regestenform)
Zeit2.17   1300-1349
Datum Aufnahme 2011-03-04
Datum Änderung 2011-03-04
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