Mitteilung vom 14.10.26
Presse-Infos | Kultur
Citizen Science in Schloß Holte-Stukenbrock
Grabungscamp mit Jugendlichen im Stalag 326
Schloß Holte-Stukenbrock (lwl). Geschichte liegt unter ihren Füßen: Jugendliche graben im ehemaligen Stalag 326. Was im Boden verborgen liegt, erzählt von Krieg, Gefangenschaft, Flucht und Vertreibung. Im ehemaligen Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkriegs in Schloss Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) gehen knapp 20 Jugendliche auf archäologische Spurensuche. Gemeinsam mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Jugendbauhütte Westfalen untersuchen sie die Überreste eines Ortes, an dem sich wie an kaum einem anderen die wechselvolle Geschichte Deutschlands ablesen lässt.
Archäologische Praxis an geschichtsträchtigem Ort
Mit Kelle, Maßband und Kamera lernen die Jugendlichen aus ganz Westfalen zunächst die Grundlagen archäologischer Ausgrabungen. Flächen werden sorgfältig freigelegt, Befunde dokumentiert und Funde geborgen. "Alle Überreste werden sorgfältig beschrieben, eingemessen und fotografiert. Danach werden Funde geborgen und ihre Bedeutung für die Rekonstruktion der Geschichte untersucht", erklärt LWL-Archäologe Dr. Sven Spiong.
Die Spuren führen zurück in die dunkelsten Jahre des Ortes: Von 1941 bis 1945 registrierte die deutsche Wehrmacht im Stalag 326 bis zu 200.000 sowjetische Kriegsgefangene. Etwa die Hälfte überlebte die Gefangenschaft nicht. Hunger, Krankheiten, unzureichende hygienische Bedingungen und Gewalt bestimmten den Alltag.
Doch die Geschichte des Geländes endete 1945 nicht. Nach dem Krieg wurden dort zunächst deutsche Kriegsverbrecher untergebracht, ab 1947 diente das Lager als Unterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene. Noch bis in die 1970er Jahre lebten Menschen in den erneuerten Baracken. 2015 entstanden auf dem Gelände erneut Unterkünfte für Geflüchtete, unter anderem aus Syrien. Bis vor kurzem waren dort außerdem Menschen aus der Ukraine untergebracht.
Die Jugendlichen stoßen damit nicht nur auf archäologische Funde, sondern auf die Spuren ganz unterschiedlicher Flucht- und Gewalterfahrungen. Ein Besuch der Gedenkstätte und des Ehrenfriedhofs mit den Massengräbern der ehemaligen Kriegsgefangenen ergänzt die praktische Arbeit.
Für die Jugendbauhütte ist der historische Ort deshalb auch ein Ort demokratischer Bildung. "Sich mit den Folgen von Krieg und Vertreibung auseinanderzusetzen", so Bildungsreferent Daniel Müller, könne dazu beitragen, das Bewusstsein für "Freiheit, Toleranz und Menschenwürde" zu stärken. "Indem die Jugendlichen Geschichte selbst ausgraben, wird sie für sie greifbar - und schlägt eine Brücke zwischen den Ereignissen von damals, den Geschichten ihrer eigenen Familien und aktuellen Erfahrungen von Krieg, Flucht und Vertreibung."
Pressekontakt:
Sandra Görtz, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8946 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 22.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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