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Mitteilung vom 07.10.26

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LWL erinnert an 200 Jahre Westfalenparlament: "Vermittlungsinstanz zwischen Stadt und ländlichen Regionen"

Münster (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat am Mittwoch (7.10.) an die Anfänge seines Parlamentes vor 200 Jahren erinnert. "Der Anfang des Westfalenparlaments war mit Sicherheit keine Sternstunde der Demokratie. Aber es war 1826 die Geburt der innovativen Idee, dass unterschiedliche Kommunen und Kreise in einen Interessenausgleich kommen müssen: Wie können wir eine gerechte Gesellschaft trotz regionaler Unterschiede organisieren? Wie können wir Stadt-Land-Gegensätze aufbrechen, damit alle Teile des Landes etwas vom Fortschritt haben", so der Chefhistoriker des LWL, Prof. Dr. Malte Thießen auf einer Feierstunde in Münster vor 150 Gästen.

Zum ersten Mal sei in Deutschland dieser Ausgleich versucht worden, so Thießen. "Wenn uns die Geschichte des Westfalenparlaments von der regionalen Selbstverwaltung erzählt, dann bekommen wir nicht nur Aushandlungen zwischen oben und unten - heute also zum Beispiel zwischen Bundesland und Kommune - in den Blick. Mindestens ebenso wichtig als Grundlage unserer Gesellschaft ist die horizontale Perspektive - als die Bedeutung des Parlaments als Vermittlungsinstanz zwischen ländlichen Räumen und industriell geprägten Städten."

Thießen weiter: "Stand am Anfang noch das Dreiklassenwahlrecht, so wurde während der Weimarer Republik nach 1918 das Parlament erstmals wirklich demokratisch. Die Abgeordneten wurden direkt gewählt und repräsentierten tatsächlich die Westfalen und die Westfälinnen. Denn erstmals zogen nun auch Frauen in das Landeshaus in Münster ein."

Dem demokratisch gewählten Parlament setzten die Nationalsozialisten 1933 ein Ende. Schon 1931 erklärte die NSDAP-Fraktion die Abschaffung des Westfalenparlaments zum Ziel ihrer Arbeit, zitierte Thießen die Nationalsozialisten im Westfalenparlament: "Wir sorgen für eine Ablösung des Provinziallandtags mit durchaus gesetzlichen Mitteln. Wir werden die 'Gesetzlichkeit' wahren bis zur letzten Konsequenz, gerade weil es den republikanischen Parteien nicht passt. Und diese unsere Gesetzlichkeit wird ihr Tod sein."

Seit 1953 leiste die Landschaftsversammlung des LWL wieder "Arbeit für gleichwertige Lebensverhältnisse - und das in einem Land, dessen regionalen Unterschiede mit Händen zu greifen sind", so der Leiter des LWL-Instituts für Regionalgeschichte. "Es ist die Einlösung des Versprechens, dass wir trotz unterschiedlicher Stärken und Schwächen von Kommunen und Kreisen, trotz komplizierter Stadt-Land-Verhältnisse und trotz des gesellschaftlichen Wandels in einer digitalen und globalen Welt, eine gute Gesellschaft in der Fläche gestalten können."

Der Direktor des LWL, Dr. Georg Lunemann, präsentierte im Rahmen der Feierstunde den über 100 Jahre alten Gala-Rock eines seiner Vorgänger. Lunemann erinnerte daran, dass das Westfalenparlament erst 1862 einen eigenen Tagungsort am Ort des heutigen LWL-Museums für Kunst und Kultur in der Innenstadt von Münster bekam. Im Jahr 1901 schließlich habe der Provinzialverband sein neues Landeshaus als "Rathaus von Westfalen" am heutigen Standort bezogen. Während des Zweiten Weltkriegs zerstört sei es danach stark verändert wieder aufgebaut worden. Lunemann: "Gebäude und Institutionen bestehen nicht deshalb fort, weil sie unverändert bleiben. Sie bestehen fort, weil sie sich weiterentwickeln."



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 22.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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