Mitteilung vom 30.07.26
Presse-Infos | Kultur
Erste prähistorische Siedlung im Südwesten Bochums entdeckt
Keramik und ein rätselhafter Graben
Bochum (lwl). Bei einer Grabung in Bochum entdeckten Archäolog:innen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erstmals im Südwesten des Bochumer Stadtgebiets prähistorische Siedlungsspuren, darunter eine 2.500 Jahre alte Schüssel. Auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche entwickelt eine Immobilien-Firma derzeit Wohnbebauung im Bochumer Stadtteil Linden.
Der fruchtbare Boden und die siedlungsgünstige Lage im Umfeld der Ruhr und die Nähe zu anderen Wasserläufen ließen die Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen vermuten, dass die Fläche schon in früheren Zeiten besiedelt wurde. Eine erste Sondierung im Juni brachte dann Gewissheit. "Wir konnten tatsächlich in einem Teilbereich Gruben und Gräben einer Hofstelle erfassen", erläutert LWL-Archäologin Dr. Eva Cichy.
Da die Fläche ein leichtes Gefälle aufweist hatten sich im tiefer gelegenen Osten unterhalb einer durch Erosion entstanden Schicht (Kolluvium) letzte Reste des Siedlungsplatzes erhalten. In einem flachen Graben fand das Team einen verzierten Spinnwirtel aus Keramik (Teil einer Handspindel), der auf Textilherstellung vor Ort verweist.
Ausgrabung bringt 2500 Jahre alte Schüssel und einen rätselhaften Graben ans Licht
Im Juli öffnete eine archäologische Fachfirma um die ersten entdeckten Befunde herum eine Grabungsfläche. Einige weitere große und kleine Gruben kamen zutage, die meisten waren nur noch recht flach erhalten. "Durch die Erosion ist ein Großteil der ehemaligen Siedlungsspuren schon zerstört worden, bevor sich das Kolluvium darüber gebildet hat", erklärt Grabungsleiter Philipp Bockelbrink.
Auffälliger ist ein besonderer Befund: ein noch gut ein Meter tief erhaltener, kurzer Graben: "Er war mit Brandschutt verfüllt worden, und auf der Sohle konnten wir bereits bei der Voruntersuchung ein halbes Gefäß bergen", berichtet Cichy.
Grabungstechnikerin Celine Bariszlovich konnte nun bei der im Juli abgeschlossenen Grabung tatsächlich den zweiten Teil der kleinen Schüssel aus der restlichen Verfüllung bergen, deren Alter die Fachleute auf etwa 2.500 Jahre schätzen. Hier stellt sich die Frage, ob die Keramik vielleicht absichtlich auf dem Boden des tiefen Gräbchens deponiert wurde. Der ungewöhnliche Grabenbefund gibt den Archäolog:innen noch Rätsel auf. Weitere wissenschaftliche Auswertungen werden den offenen Fragen auf den Grund gehen.
Pressekontakt:
Sandra Görtz, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8946 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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