Mitteilung vom 27.07.26
Presse-Infos | Kultur
Mittelalterlicher Friedhof in Altenberge naturwissenschaftlich belegt:
LWL erhält Untersuchungsergebnisse
Altenberge (lwl). Im Herbst 2025 wurden bei archäologischen Untersuchungen im Umfeld der katholischen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Altenberge (Kreis Steinfurt) mehrere Bestattungen freigelegt. Das Ausgrabungsteam vermutete ihren Ursprung im Mittelalter, nun gibt es Gewissheit: Die Gräber wurden zwischen dem 8. und frühen 11. Jahrhundert angelegt und datieren damit ins Frühmittelalter, wie naturwissenschaftliche Untersuchungen in einem Labor in Vilnius (Litauen) beweisen.
Wissenschaftlich belegt
Schon lange gibt es Vermutungen von Geschichtsforschenden, wonach der Kirchenstandort in Altenberge sehr alt sein könnte. Jetzt kommt durch die Radiokarbondatierungen der Knochen auch ein naturwissenschaftliches Ergebnis hinzu, das diese These stützt.
Die archäologischen Untersuchungen begleiteten die Erneuerung und teilweise Neuverlegung von Mischwasserkanälen im Umfeld der Pfarrkirche. "Die Fundumstände deuteten darauf hin, dass wir es mit einem frühen Friedhof zu tun haben könnten. Die Radiokarbondatierungen bestätigen diesen Eindruck nun eindeutig", ordnet Grabungsleiter Christian Golüke von der archäologischen Fachfirma die Befunde ein.
Während der Arbeiten wurden mehrere West-Ost-orientierte Gräber angeschnitten. Insgesamt dokumentierten die Expert:innen elf Bestattungen, die aufgrund des durch die Kanalbauarbeiten lokal begrenzten Eingriffs nicht vollständig freigelegt werden konnten. Die während der Baumaßnahme geborgenen Knochen waren sehr gut erhalten und darum für die Entnahme von 14C-Proben geeignet.
"Die Datierungen wurden in einem spezialisierten Labor durchgeführt. Die Radiokarbonmethode bestimmt das Alter organischer Überreste, zum Beispiel z. B. Holzkohle oder Knochen, anhand des natürlichen Zerfalls des radioaktiven Kohlenstoffisotops 14C", erklärt Dr. Andreas Wunschel, Archäologe beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).
Dadurch lässt sich genauer einordnen, wann ein Mensch oder ein anderes Lebewesen gestorben ist. Die vier untersuchten Proben entstammen laut Laborergebnis übereinstimmend dem Frühmittelalter, genauer einem Zeitraum vom 8. bis frühen 11. Jahrhundert.
"Die Ergebnisse sind wissenschaftlich von großer Bedeutung. Aufgrund von Schriftquellen, deren Auswertung und früheren Untersuchungen gingen wir davon aus, dass der Kirchenstandort bis in das Frühmittelalter zurückreicht. Jetzt können wir dies auch naturwissenschaftlich belegen", erklärt Wunschel.
Für die Geschichte Altenberges nimmt die zentrale Ortskirche eine Schlüsselstellung ein. Nach dem heutigen Forschungsstand entstand sie wahrscheinlich als liudgerische Urpfarre (Heilger Liudger: Gründer des Klosters Werden, Bischof von Münster, gestorben 809) auf dem Grund eines bischöflichen Haupthofes. Als Urpfarre bezeichnet man eine kirchliche, mit Pfarrrechten ausgestattete Gründung im Zuge der Christianisierung im frühen Mittelalter auf ländlichem Gebiet. Kirche und Kirchhof stellen im Mittelalter ein ganz wesentliches Zentrum der Ortsentwicklung dar.
"Die Arbeiten rund um Rathaus und Kirchplatz sind für Altenberge ein wichtiges Zukunftsprojekt. Dass dabei zugleich neue Erkenntnisse über die Anfänge unseres Ortes gewonnen werden können, ist ein großer Gewinn", erklärt Sebastian Nebel von der Gemeinde Altenberge. Neben den Bestattungen dokumentierte das Grabungsteam auch weitere Zeugnisse der Ortsgeschichte. Unter anderem wurden bereits 2024 Überreste eines massiven Bruchsteinkellers entdeckt, dessen Nutzungszeit anhand von Keramikfunden in das 13. Jahrhundert datiert werden konnte.
Pressekontakt:
Sandra Görtz, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8946 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org
LWL-Einrichtung:
LWL-Archäologie für Westfalen
Zentrale
An den Speichern 7
48147 Münster
Karte und Routenplaner
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Der LWL auf Facebook:
https://www.facebook.com/LWL2.0
zur Druckansicht dieser Seite
zu den aktuellen Presse-Infos