Mitteilung vom 21.07.26
Presse-Infos | Psychiatrie
Mit Haltung und Empathie zu einer besseren Psychiatrie
Drei Mitarbeiterinnen der LWL-Klinik Hemer entwickeln eigene Seminarreihe
Hemer (lwl). Wer an der LWL-Klinik Hemer, Hans-Prinzhorn-Klinik, mit psychisch erkrankten Patientinnen und Patienten arbeitet, muss nicht nur die Krankheitsbilder kennen. Kommunikation, Selbstreflexion und Haltung der Mitarbeitenden sind Themen, die an der Klinik ernst genommen werden und sowohl den Mitarbeitenden als auch den Patientinnen und Patienten zugutekommen sollen. Drei Frauen aus dem Klinik-Team schulen deshalb ihre Kolleginnen und Kollegen mit der selbstentwickelten Seminarreihe "HALT!".
Nicht immer nur die Anderen
Pflegeentwicklerin Sabrina Mango, die Abteilungsleitung Kirsten Zimmer und die Stationsleitung Diana Rodriguez Gonzalez haben die Seminarreihe "HALT!" entwickelt, um ihren Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen der Hans-Prinzhorn-Klinik praxisnahe und umsetzbare Hilfen an die Hand zu geben. Das Akronym "HALT" steht für die vier Punkte "Haltung entwickeln", "Autonomie wahren", "Lebensnähe gestalten" sowie "Teamdynamik beeinflussen". In neun Modulen lernen die Teilnehmenden nicht nur Theorie, sondern üben auch gemeinsam, wie die Theorie in die Praxis integriert werden kann.
"Wir teilen uns eine Vision", sagt Sabrina Mango überzeugt. In den Seminaren gehe es neben Kommunikation, Selbstreflexion und Haltung auch um Themen wie Macht, Ethik und Beziehungs-Gestaltung. Alles hänge eng miteinander zusammen, sagen die Expertinnen. Mitarbeitende könnten ihr Verhalten etwa dann verbessern, wenn sie bereit seien, ihr eigenes Verhalten kritisch zu beleuchten und die Schuld nicht nur bei anderen Personen oder widrigen Umständen zu suchen. "Es geht dabei auch darum zu schauen, welchen Anteil man selbst an einer Situation hat", sagt Kirsten Zimmer. "Wir wollen dorthin schauen, wo wir handlungsfähig sind und Verantwortung übernehmen können."
Selbsteinschätzung, Szenearbeiten, Gruppen-Feedback
Die Techniken und Ideen, die bei der Seminarreihe zum Einsatz kommen, sind vielseitig. "Das ist ein Potpourri aus verschiedenen Ansätzen", sagt Sabrina Mango. Die Teilnehmenden werden aktiv in das Seminar mit eingebunden. Die Mitarbeitenden werden zum Beispiel gebeten, sich und ihr Verhalten selbst einzuschätzen, und können die Einschätzung nach dem Seminar noch einmal mit dem neuen Wissen vornehmen. In Szenearbeiten wird geübt, die Perspektive der Patientinnen und Patienten einzunehmen, zum Beispiel in Konflikt-Situationen. So werde die Empathie gefördert, sagt die Pflegeentwicklerin. Beim Gruppen-Feedback nach Übungen gebe es zudem nicht nur eine Rückmeldung von den Referentinnen, sondern auch von den anderen Teilnehmenden. Wer also der Meinung sei, dass er immer alles richtig mache und nichts dazulernen könne, werde in der Gruppensituation schnell eines Besseren belehrt, berichtet Sabrina Mango mit einem Schmunzeln. So sei es auch möglich, Menschen mit einer Einstellung à la "Das haben wir schon immer so gemacht" zum Umdenken zu bewegen.
Der Schritt in den Arbeitsalltag
Damit das Gelernte dauerhaft in den Arbeitsalltag integriert werden kann, gibt es nach ein paar Monaten nach der Seminarreihe erneut Treffen. Dabei werde laut den Expertinnen genau geschaut, was funktioniere und wo vielleicht noch Unterstützung notwendig sei. Ein anderer Faktor für einen nachhaltigen Erfolg sei, dass auch die Führungskräfte die Seminarreihe durchlaufen, wie Sabrina Mango berichtet. "Wenn die Führungskraft mitzieht, sind die Chancen für Nachhaltigkeit gut", weiß die Pflegeentwicklerin.
Die drei Frauen hoffen, dass "HALT!" nicht nur an der LWL-Klinik Hemer Anwendung findet. "Unser Wunsch ist es, 'HALT!' auch in anderen Kliniken zu etablieren", sagt Sabrina Mango.
Pressekontakt:
Philipp Stenger, LWL-Klinik Dortmund, Telefon: 0231 4503-3855
presse@lwl.org
LWL-Einrichtung:
LWL-Klinik Hemer
Hans-Prinzhorn-Klinik
Frönsberger Str. 71
58675 Hemer
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