Mitteilung vom 23.03.26
Presse-Infos | Kultur
Jahrestagung der Archäologie in Westfalen-Lippe
Schutz der Bodenschätze im Fokus
Münster (lwl). Am Montag (23.3.) hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seinen archäologischen Jahresrückblick vor 360 Interessierten in Münster präsentiert. Die LWL-Archäologie für Westfalen lud zum 16. Mal dazu ein, die Höhepunkte der westfälischen Archäologie und der insgesamt 351 Grabungen im Jahr 2025 zu entdecken: von paläontologischen Neuentdeckungen im Mindener Raum über mystische, eisenzeitliche Deponierungen auf den Bruchhauser Steinen im Sauerland bis zur Vermittlung von Archäologie auf "TikTok" im Internet. Auch Kritik am geplanten neuen Denkmalschutzgesetz wurde laut.
56.000 vermutete Bodendenkmäler, Einzelfundstellen und Verdachtspunkte gefährdet
LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger und die neue LWL-Chefarchäologin Dr. Sandra Peternek waren sich einig: "Wir möchten wieder mehr in den direkten Austausch treten mit Schwesterverbänden, Denkmalbehörden, den für uns so wichtigen Ehrenämtler:innen und natürlich allgemein mit allen archäologisch Interessierten. Das erscheint jetzt, wo die Bodendenkmäler durch das neue Denkmalschutzgesetz stark gefährdet sind, wichtiger denn je." So war auch das Plädoyer in Peterneks Einführung: "Wir müssen zusammenarbeiten, uns starkmachen für die Hinterlassenschaften der Menschen in Westfalen-Lippe."
"Die Vorträge spiegeln die Vielfalt unserer Region und der Menschen, die in ihr leben. Der Blick in die Vergangenheit bedeutet auch immer Erkenntnis für die Gegenwart", so Rüschoff-Parzinger. "Oft liegt die Geschichte direkt vor unserer Haustür, unter dem Asphalt auf der Autobahn A 43, da wo neue Windkraftanlagen entstehen, unter Parkhäusern mitten in unseren Innenstädten. Das wollen wir auf unserer alljährlichen Tagung zeigen, die innovative Kraft der LWL-Archäologie, ihr Engagement und zugleich allen Beteiligten eine Plattform geben."
351 Grabungen im Jahr 2025, Tendenz steigend
Peternek führte erstmals als Moderatorin durch die Veranstaltung: "2025 haben uns die archäologischen Funde und Befunde Westfalens erneut in Atem gehalten. In ihnen spiegelt sich die enorme Vielfalt unserer Region. Sie umfassen teils mehrere Epochen und bringen unterschiedlichste Disziplinen zusammen, erfordern aber auch neueste technische Methoden." Durch den "CultArm3D" beispielsweise, ein neues Gerät zur 3D-Digitalisierung archäologischer Objekte, sollen zukünftig Ausstellungsstücke nachhaltig und barrierefrei überall auf der Welt verfügbar sein.
Auch das Ausmaß an Ausgrabungen steige immer weiter an, allein 351 Grabungen im Jahr 2025. "Die Unterstützung durch Ehrenamtliche ist für die Archäologie dabei ein Muss und ein echter Gewinn - sowohl bei der Arbeit auf Ausgrabungen als auch beim Sondengehen", betonte Peternek.
Neue Erkenntnisse
Die Tagung startete mit der Neuentdeckung des Teilskeletts eines Mammutbullen in der Nähe von Minden (Kreis Minden-Lübbecke). Auch das Fossil des Jahres 2026, die Westfälischen Plesiosaurier, war Thema. Verschiedene Siedlungsplätze der sogenannten Rössener Kultur (4790 bis 4550 v. Chr.) gab es ebenso vorzustellen wie Metallzeitliches (von der Bronze- bis in die vorrömische Eisenzeit) aus ganz Westfalen. Dabei wurde es "mystisch", galt es doch hinter die Bedeutung der außergewöhnlichen, eisenzeitlichen Deponierungen auf den Bruchhauser Steinen im Sauerland zu kommen. Die These: das heute beliebte Ausflugsziel könnte einst Kultplatz gewesen sein.
Aber auch neue Befunde im römischen Hauptlager von Haltern (Kreis Recklinghausen) gaben Rätsel auf: Handelte es sich hier um eine Latrine oder doch um eine Zisterne? Derart kurz bewohnt wie das Römerlager waren andere Fundstellen nicht. Belegen doch mehrere von ihnen ein Siedlungsgeschehen über verschiedene Epochen hinweg, beispielsweise in Delbrück-Bentfeld (Kreis Paderborn) oder Hamm-Herringen.
Mehrere Beiträge nahmen die Teilnehmenden mit ins westfälische Mittelalter: Egal, ob frühmittelalterliche Gehöfte mit Brunnen in Werne-Bellingholz (Kreis Unna), bisher unbekannte Gewölbe unter dem Paderborner Rathauskeller oder Neues aus dem Welterbe des ehemaligen Klosters Corvey (Kreis Höxter).
Auch über neuzeitliche Vorträge, beispielsweise zur zerstörungsfreien Prospektion der Deutschen Keramit-Werke in Dorsten-Holsterhausen (Kreis Recklinghausen) oder zu mehrperiodischen Ausgrabungen der Stiftsimmunität zu Geseke (Kreis Soest), konnten sich Archäologiebegeisterte freuen.
In einem Themenblock zu neuen wissenschaftlichen Methoden gaben Fachleute Einblicke in ihre Forschungsprojekte und in die Restaurierung, hier die 3D-Digitalisierung archäologischer Objekte, welche die Funde weltweit ohne konservatorische Hürden in Ausstellungen reisen lassen. Neue Vermittlungsformen kamen abschließend zur Sprache, wie die Vorstellung des Doberg-Museums in Bünde (Kreis Herford) als neue Außenstelle des LWL-Museums für Naturkunde (Münster) oder die preisgekrönte Vermittlung von Archäologie auf dem TikTok-Kanal des LWL-Museums für Archäologie und Kultur in Herne.
Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Tel.: 0251 591-235 und Dr. Julia Großekathöfer, Tel.: 0251 591-8907
presse@lwl.org
LWL-Einrichtung:
LWL-Archäologie für Westfalen
Zentrale
An den Speichern 7
48147 Münster
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Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 20 Museen, zwei Besuchendenzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 114 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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