Mitteilung vom 06.02.26
Presse-Infos | Kultur
Salzproduktion und germanische Siedlungsspuren
Beinahe 2-jährige Ausgrabungen in Werl-Westönnen vor dem Abschluss
Werl (lwl). In Werl-Westönnen (Kreis Soest) plant die Stadt neue Wohnbebauung. Da den Archäolog:innen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) von dem Baugebiet bereits zahlreiche Oberflächenfunde bekannt waren, wurden archäologische Grabungen im Vorfeld nötig und förderten seltene Befunde und Funde zutage: Vor etwa 2500 Jahren wurde in Werl Salz produziert, um Christi Geburt bestand hier eine germanische Siedlung, möglicherweise zeitgleich mit der kurzen römischen Besatzung.
Salzproduktion und ein Grabhügel aus der Eisenzeit
"Für mich ist diese Grabung etwas Besonderes: Dank der günstigen Lage nahe einer Quelle wurde dieser Ort gleich während zwei Epochen zur Anlage einer Hofstelle ausgewählt, nämlich während der Eisenzeit vor etwa 2500 Jahren, dann wiederum von germanischen Siedlern und Siedlerinnen um Christi Geburt herum", erklärt Grabungsleiter David Petö von der ausführenden Fachfirma.
In der mittleren Eisenzeit wurde hier Salz gesiedet, das belegen seltene Funde.
Salz war notwendig, um Nahrungsmittel (Fleisch, Fisch) über lange Zeiträume haltbar zu machen, was die Abhängigkeit von saisonaler Verfügbarkeit verringerte. Die sogenannten Briquetage-Reste sind Scherben grob gebrannter Produktionskeramik, wie sie in der Vorzeit beim Salzsieden zum Erhitzen der Sole in Gebrauch war. Die ebenfalls gefundenen Reste eines Ofens deuten eindeutig auf eine Produktion vor Ort hin. Damit ist nun, neben den altbekannten Funden aus dem Werler Stadtkern der zweite Nachweis von eisenzeitlicher Salzsiederei in Westfalen gelungen, erklärt Grabungsleiter Petö.
Am nördlichen Rand der Ausgrabungsfläche konnten die Expert:innen zudem einen kreisrunden Graben entdecken. Er datiert vermutlich in die Bronze- oder Eisenzeit (von 2000 bis 500 v. Chr.), erklärt Dr. Eva Cichy, wissenschaftliche Referentin der zuständigen LWL-Außenstelle in Olpe: "Hierbei handelt es sich um den Rest einer Bestattung unter einem Grabhügel, eine typische Bestattungsform für diese Zeit." Möglicherweise gehöre die Grabanlage zu einem nicht erfassten Gräberfeld, dass sich nördlich an die aktuell untersuchte Fläche anschließt, vermutet die Archäologin. Dieses Areal wurde allerdings schon in den 1960er und -70er Jahren ohne archäologische Begleitung überbaut. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Werl beim aktuellen Bauvorhaben konnten diesmal viele wichtige Befunde und Funde geborgen und dokumentiert werden.
Germanische Siedlung um Christi Geburt
Nach den eisenzeitlichen Salzproduzenten ließen sich germanische Siedlerinnen und Siedler um die Zeitenwende an derselben Stelle nieder. Das beweisen in Westfalen für diese Zeit seltene, aber für die Fachleute sehr eindeutige Befunde im Boden. Anhand von Bodenverfärbungen konnte das Team den Grundriss von zwei sogenannten Wandgräbchenhäusern rekonstruieren: "Vor allem zu einem zweischiffigen Gebäude kennen wir gute Parallelen aus den Niederlanden, der Bautyp ist dort auf das Siedlungsgebiet des germanischen Stamms der Bataver beschränkt", weiß Eva Cichy. Zeitlich zu dem Bau passend kam das Fragment eines römischen Pferdegeschirrbeschlags des ersten Jahrhunderts n. Chr. zutage. Warum die Siedler in Westönnen ihr Haus in einer regional untypischen Weise bauten, das ist eine von vielen Fragen, auf die sich die Expert:innen Antworten durch die folgende wissenschaftliche Auswertung erhoffen.
Die beiden Wohnhäuser werden durch Nachweise einer Grubenhütte als Werkplatz, kleinen Speichergebäuden und großen Vorratsgruben zu einer geschlossenen und für das geschulte Auge sehr anschaulichen Hofstelle ergänzt: "Man könnte sagen, eine kaiserzeitliche Hofstelle wie aus dem Lehrbuch," freut sich Cichy.
Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Sandra Görtz, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591- 8946
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