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Mitteilung vom 14.01.26

Presse-Infos | Soziales

LWL-Messe der Inklusionsunternehmen 2026 in Dortmund

Dortmund/Borken (lwl). In Westfalen-Lippe sorgen rund 170 Inklusionsunternehmen für Inklusion im Arbeitsleben. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten in den Firmen zusammen, die sich auf dem freien Markt beweisen müssen. Und die Arbeitsplätze für die Menschen mit Behinderung sind im Schnitt deutlich kostengünstiger als die Plätze in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen am 11. März in der Messe Dortmund präsentieren sich Firmen, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bei ihrer Arbeit unterstützt. Eines der Inklusionsunternehmen hat seinen Sitz in Borken.

Nachhaltig inklusiv, inklusiv nachhaltig
Das Borkener Familienunternehmen Dutz erzählt jedem, der es hören will, was für ein Gewinn die Gründung der eigenen Inklusionsabteilung ist - und dem Rest auch.

Berge aus E-Schrott und Altmetall türmen sich meterhoch auf dem Hof der Dutz Schrott- und Metallhandels- und Entsorgungsgesellschaft mbH auf. Der Borkener Familienbetrieb setzt sich mit verschiedenen Entsorgungs-, Verwertungs- und Re-Use-Konzepten sowie der neu gegründeten Batterie-Recycling Firma abina für eine nachhaltigere Kreislaufwirtschaft ein. Einen wichtigen Teil stellt dabei die eigene Inklusionsabteilung dar: Mittlerweile bietet Dutz sechs Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung, die sich in verschiedenen Abteilungen einbringen. Das Unternehmen zählt so zu einem von rund 170 Inklusionsbetrieben in Westfalen-Lippe, die vom Landesverband Westfalen-Lippe (LWL) unterstützt werden.

Dabei war der Einstieg in die Inklusion eher ein Zufallsprodukt, erinnert sich Sarah Dutz, die das Familienunternehmen mit ihrem Bruder Helmut in dritter Generation führt. 2018 wurde das Unternehmen bei der Mitarbeitendensuche an die Essener Firma Handzeichen GmbH verwiesen, die gehörlose Menschen beim Eintritt in den Arbeitsmarkt unterstützt. Hier fand Sarah Dutz den gewünschten Kollegen, der bis heute im Betrieb angestellt ist. Es folgten die Bewerbung und Einstellung eines weiteren gehörlosen Mitarbeiters - und der Wunsch, mehr inklusive Arbeitsplätze anzubieten.

"Wer arbeiten will, für den finden wir was"
Die weitere Vermittlung gestaltete sich aber schwieriger. "Dann habe ich gedacht, ja gut, dann machen wir eben unsere eigene Inklusionsabteilung - so ganz blauäugig", schildert Sarah Dutz die damalige Entscheidung. Bei den ersten Schritten unterstützten die Beratungsstellen des LWL-Inklusionsamtes Arbeit und der Handwerkskammer Münster. Die jetzigen inklusiven Arbeitsplätze besetzte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit einer Förderschule, aber auch über Initiativbewerbungen. Das passt zu Sarah Dutz' (inoffiziellen) Firmenmotto: "Wer arbeiten will, für den finden wir was."

"Am Schrottplatz ist man mutig." Auch in den Worten von Klaus Passerschröer, Leiter von abina und Mitarbeiter bei Dutz, hört man eine ähnliche Note aus Selbstbewusstsein und -verständnis heraus. Denn bei sich stetig wandelnden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Preisschwankungen und Regulationen steht das Unternehmen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Denen stellt man sich bei Dutz gerne - und nimmt dabei jede:n Angestellte:n mit.

Das Ergebnis: Erfolgreiche Inklusion, die aber selbst in den Hintergrund rückt, bekräftigt Sarah Dutz. Den Menschen mit Behinderung gebe es als solchen nicht mehr, sondern Mitarbeitende, die in ihren Bereichen zu tragenden Fachkräften geworden sind, die sich entlang der ganzen Recycling-Kette des Unternehmens einbringen. Den Anfang in diesem Prozess machen Mitarbeitende wie Florian W. Der 38-Jährige durchsucht auch nach drei Jahren im Unternehmen immer noch mit Neugier und mit geschultem Auge die Schrottberge nach wiederverwertbaren Geräten. "Da ist auch immer eine gewisse Vorfreude und positive Spannung mit dabei, denn man könnte ja was Tolles finden", erzählt er. 

Der Borkener wechselte damals auf eigenen Wunsch den Inklusionsbetrieb - und bewusst zu Dutz: "Die Firma hat schon damals einen gewissen Charme ausgestrahlt und auch eine Wirkung auf mich gehabt. Von daher bin ich schon stolz, hier arbeiten zu dürfen." Die abwechslungsreiche Arbeit auf dem Schrottplatz liegt ihm, das gute Arbeitsklima im Team tut sein Übriges: "Man gehört auch ein Stück weit zur Familie in diesem Familienbetrieb. Ich bin froh, dass ich hier angenommen wurde."

Im nächsten Abschnitt der inklusiven Wertschöpfungskette bei Dutz wird E-Schrott mit einer guten Chance auf ein zweites Leben gesichtet und an die Kollegen in der Re-Use-Abteilung weitergegeben. Hier prüft das Team rund um Robin Ridder und Maximilian Stegger die Funde auf Herz und Nieren, repariert, was zu reparieren ist, und vermarktet alles weiter - vom Computer bis zur E-Gitarre. Auch der Vertrieb an Privatkunden über einen eBay-Shop wird von einem Mitarbeiter mit einer Behinderung übernommen.

Ridder und Maimilian Stegger fanden beide über die Zusammenarbeit zwischen einer Förderschule und Dutz ihren Weg ins Unternehmen. Ihr technisches Interesse können sie hier jeden Tag einbringen und es unter fachkundiger Anleitung immer weiter vertiefen: "Mein Erfolg war bisher, was ich vorher nicht kannte, selber einen PC zusammenzubauen. Das habe ich hier gelernt", erzählt Ridder. Auch die Art, wie im Team gearbeitet wird, hilft bei der beruflichen wie persönlichen Entwicklung. "Früher habe ich immer lieber alleine gearbeitet. Dadurch, dass ich jetzt öfter mit Leuten zusammenarbeite, bin ich selbstbewusster geworden", berichtet Maximilian Stegger. 

"Jeder Mensch braucht eine Herausforderung und eine Anerkennung", fasst Passerschröer den Ansatz zusammen. Es sei wichtig, die Mitarbeitenden mit Behinderung ernst zu nehmen, um sie in ihrer Arbeit zu fordern und ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. So gewinnt Dutz als Unternehmen versierte und selbstbewusste Fachkräfte und ein besseres Arbeitsklima. "Der Teamgeist ist extrem groß geworden: Man arbeitet miteinander, man hilft sich, man fühlt sich kollegial", betont Sarah Dutz, wie sehr der Weg in die Inklusion das Miteinander und das Familienunternehmen selbst geprägt hat.

Mittlerweile nimmt sie jede Gelegenheit wahr, um auch andere Unternehmen für diesen Schritt zu gewinnen und Vorurteile abzubauen, die sie bei Kongressen und Seminaren erlebt. "Oft haben die Leute nicht den Mut", berichtet sie. Vielen sei dabei nicht bewusst, dass der Weg in die Inklusion und durch die Bürokratie mittlerweile sehr gut begleitet werde. Unternehmen erfahren heute Unterstützung durch den LWL, die Handwerkskammer Münster oder die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber. Ein Grund mehr für Sarah Dutz, Zögernden Zuversicht zu geben: "Ich würde allen sagen, die Angst oder Vorurteile haben: Seid mutig, versucht's, geht den Schritt - es lohnt sich."

Hintergrund Integrationsunternehmen
In Westfalen-Lippe gibt es zurzeit rund 170 Inklusionsunternehmen oder -abteilungen in Firmen aus Industrie, Handel und Gewerbe, in denen etwa 2.200 Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Die Betriebe, die zum großen Teil Mitarbeiter mit Handicaps beschäftigen, sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständig. Sie muÌ¿ssen sich wie jedes andere Unternehmen am freien Markt behaupten.

Der LWL unterstützt diese Firmen mit Mitteln aus der Ausgleichsausgabe, die Unternehmen leisten muÌ¿ssen, die nicht mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Mitarbeiterinnen besetzen. Die Inklusionsunternehmen bekommen Zuschüsse zu Investitionen, betrieblichem Mehraufwand, Betreuung und Lohnkosten. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Bundesagentur fuÌ¿r Arbeit, das Land Nordrhein-Westfalen über das Programm "Integration unternehmen!" sowie die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Aktion Mensch. Hinzu kommen Mittel aus dem Förderprogramm "Inklusionsinitiative II - AlleImBetrieb" des Bundes. Die Arbeitsplätze sind im Schnitt deutlich kostengünstiger als die Plätze in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Die LWL-Messe der Inklusionsunternehmen wird präsentiert unter https://www.lwl-messe.de. Geschichten, Infos und Wissenswertes rund um das Thema »Arbeiten und Inklusion« bietet der Blog: https://www.inklusives-arbeitsleben.lwl.org, der auch bei Facebook unter https://www.facebook.com/inklusives.arbeitsleben vertreten ist. Ein Kurzfilm zum Thema Inklusionsunternehmen ist hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=8klZxW-77dg&feature=youtu.be



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,4 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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