Mitteilung vom 12.01.26
Presse-Infos | Maßregelvollzug
Wegbegleiter verabschieden langjährige Forensik-Chefin
Nach 35 LWL-Jahren geht Münsteraner Psychiaterin Dr. Carola Spaniol in den "Un-Ruhestand"
Hörstel (lwl). Gut zwanzig Jahre prägte sie die Forensische Psychiatrie in Rheine und anschließend in Hörstel. Doch nun wird es Zeit zu gehen. Während einer feierlichen Veranstaltung verabschiedeten zahlreiche Kolleginnen, Kollegen und berufliche Wegbegleiter die langjährige Ärztliche Leiterin des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Münsterland in Hörstel in den Ruhestand und würdigten ihre Tätigkeit und Persönlichkeit. Dr. Carola Spaniol stand 35 Jahre lang im Dienst des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), 30 Jahre davon in leitender Funktion - zuletzt als kommissarische Ärztliche Direktorin.
LWL-Maßregelvollzugsdezernent Tilmann Hollweg dankte Spaniol für ihr Wirken. Sie sei in all den Jahren ein Garant für Stabilität und Kontinuität gewesen; eine Psychiaterin der alten Schule: klar, geradlinig, jederzeit ansprechbar und stets mit einer deutlichen Meinung. Er würdigte die 71-Jährige als herausragende Diagnostikerin und Prognostikerin, die aber nie den Menschen aus dem Blick verloren habe. "Sie haben die komplexe Herausforderung in der forensischen Psychiatrie in Rheine und Hörstel herausragend gemeistert: Zum einen den Schutz der Gesellschaft zu gewährleisten und gleichzeitig psychisch kranken Rechtsbrechern eine gute Wiedereingliederung ohne erneute Straftaten in die Gesellschaft zu ermöglichen", so Hollweg. All die Zeit sei sie exzellent vernetzt gewesen, mit Kliniken, Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Entscheidungsträgern und auch der Bevölkerung vor Ort - deshalb würden ihre Spuren bleiben.
Der im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedete Ärztliche Direktor a. D. Dr. Ingbert Rinklake blickte humorvoll und wertschätzend auf die vielen gemeinsamen beruflichen Jahre zurück und baute dafür geschickt ein altes Magnetplattendiktiergerät ein, das noch zu Beginn seiner psychiatrischen Karriere für Aufzeichnungen genutzt wurde, als er in der LWL-Klinik Münster unter Spaniol als "Praktikant" begann. Wegbegleiter und Pflegedirektor Stefan Schuchardt, der durch das Festprogramm führte, lobte ihren eigenen Führungsstil und die Zusammenarbeit: "Du hast nicht durch Lautstärke oder Hierarchie geführt, sondern durch Haltung, Verlässlichkeit und fachliche Autorität."
Dr. Carola Spaniol studierte vor ihrem Medizinstudium in Essen und Münster Rechtswissenschaften in Marburg und Münster. Nach ihrem praktischen Jahr an der Universitätsklinik Münster und zwei Jahren Assistenzarztzeit bei den Alexianern arbeitete sie zunächst 15 Jahre an der LWL-Klinik Münster als Psychiaterin. Im November 2004 übernahm sie die Ärztliche Leitung der als Übergangseinrichtung vorgesehenen LWL-Maßregelvollzugsklinik Rheine für psychisch kranke Straftäter mit besonders schlechten Entlassperspektiven. Doch über die Jahre konnten viele Patienten dort erfolgreich behandelt und entlassen werden.
"Eine aufregende Zeit und eine große Aufgabe und Herausforderung in einem ausgesprochen schwierigen Arbeitsfeld", erinnerte sich Spaniol vor den Gästen an ihre erste Forensik-Zeit. Was ihr aber immer sehr geholfen habe, sei das sehr gute Arbeitsklima gewesen. "Da hatte ich immer viel Glück. Ich hatte hier großartige Mitarbeitende", sagte sie in ihrer Abschiedsrede. Der Abschied vom LWL-Therapiezentrum, das sie maßgeblich mitgestaltet hat, falle ihr nicht leicht. "Ich arbeite nach wie vor ausgesprochen gerne", sagte sie schmunzelnd. Sie wird noch im ärztlichen Hintergrunddienst aktiv sein und weiter als Psychiatrische Gerichtsgutachterin aktiv sein.
Ende November hatte sich in seiner letzten Sitzung in der Legislaturperiode auch der Klinik-Beirat des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Münsterland von Spaniol verabschiedet. Bürgermeister David Ostholthoff (SPD), Vorsitzender des Beirates, bedankte sich für die gute Zusammenarbeit, und transparente Information über die Klinik, für die Spaniol auch schon vor der Inbetriebnahme eingestanden habe. "Es war eine tolle Partnerschaft auf Augenhöhe. Dr. Spaniol hat mit ihrer fachlichen Kompetenz, ihrer Offenheit und ihrem persönlichen Engagement wesentlich dazu beigetragen, Akzeptanz und Vertrauen für die Klinik in der Bevölkerung aufzubauen und zu festigen", so Ostholthoff.
Mitte Januar übernimmt Dr. Monika Vilsmeier die Ärztliche Direktion des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Münsterland.
Hintergrund:
Das LWL-Therapiezentrum für Forensische Psychiatrie Münsterland in Hörstel ist eine der modernsten forensisch-psychiatrische Kliniken in Deutschland. Die Fachklinik ist Ende September 2023 in Betrieb gegangen und verfügt über 150 gesicherte Plätze für die Behandlung erwachsener psychisch-kranker und suchtkranker Männer, die im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung eine erhebliche Straftat begangen haben und von einem Gericht in den sogenannten Maßregelvollzug eingewiesen worden sind. Die Einrichtung deckt den Bedarf an Maßregelvollzugsplätzen für den Landgerichtsbezirk Münster ab.
Pressekontakt:
Bianca Hannig, LWL-Maßregelvollzug, 0251 591-3476 und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org
LWL-Einrichtung:
LWL-Therapiezentrum für Forensische Psychiatrie Münsterland in Hörstel
48477 Hörstel
Karte und Routenplaner
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,4 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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