Mitteilung vom 08.01.26
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Mehr Werkstatt als Tempel
LWL erklärt Kunstmuseum Bochum zum Denkmal des Monats
Bochum (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erklärt das Kunstmuseum Bochum zum Denkmal des Monats Januar. Der 1983 eröffnete Erweiterungsbau des Kunstmuseums wurde 2025 unter Denkmalschutz gestellt und ist das jüngste Baudenkmal Bochums. Mit der Unterschutzstellung würdigen das LWL-Denkmalfachamt und die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bochum die architektonische und kulturelle Bedeutung des Museumsbaus der Nachkriegsmoderne, der von den dänischen Architekten Jørgen Bo und Vilhelm Wohlert entworfen wurde.
Mit seiner offenen, transparenten Architektur gilt das Museum als ein Meilenstein im Bochumer Strukturwandel. Das Gebäude ergänzte als Erweiterungsbau die bereits unter Denkmalschutz stehende Villa Marckhoff-Rosenstein. Nach der Bergbaukrise erlebte die Stadt eine Hinwendung zu Bildung und Kultur. "Das kulturelle Leben profitierte vor allem von der Ruhr-Universität Bochum, die 1965 eröffnet wurde und deren Kunstgeschichtliches Institut, das einen Schwerpunkt im Bereich der zeitgenössischen Kunst hatte", erklärt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Eva Dietrich. "So waren in den 1970er-Jahren die Voraussetzungen für einen Erweiterungsbau der städtischen Kunstgalerie günstig."
Für den Architektenwettbewerb des Erweiterungsbaus hatte der damalige Museumsdirektor Dr. Peter Spielmann konkrete Vorstellungen: "Das Museum sollte möglichst transparent gestaltet und nicht ein 'Tempel der Repräsentation', sondern ein 'Haus mit Werkstattcharakter' werden", so Denkmalpflegerin Dietrich. "Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass sich Stararchitekt Gottfried Böhm mit seinem dominanten, geschlossenen Museumsentwurf nicht durchsetzen konnte." Beauftragt wurden schließlich die dänischen Architekten Jørgen Bo und Vilhelm Wohlert.
Bo und Wohlert planten einen mehrfach gestaffelten Baukörper, der an die Villa mit Ausstellungsflächen anschließt und durch Glasflächen und Terrassen ein hohes Maß an Transparenz und Offenheit erreicht. "Eine große Rolle spielt der Standort des Museums gegenüber vom Stadtpark", sagt Dietrich. "Durch die Ausstellungsterrassen und Sichtbeziehungen wird der Park zur erweiterten Ausstellungsfläche." Mit Platten aus Tombak (eine Legierung aus Kupfer und Zink) soll sich die Museumsfassade zudem im Alterungsprozess in Farbe und Musterung Baumrinde angleichen. "Die gewünschte optimale Belichtung der Hauptausstellungsflächen wird durch pyramidenartige Oberlichter erreicht, die eine besonders gute Streuung des Tageslichtes ermöglichen", erklärt Dietrich.
Das Museum wurde als ein Ort der Kunst und Kultur für jedermann konzipiert. "Die Umsetzung dieser Idee wird schon im Eingangsbereich deutlich, der durch die Staffelung der Baukörper, den überdachten Gang und die großformatigen Fensterflächen besonders einladend wirkt", so Dietrich. "Die Architekten hatten die Vorstellung, dass das Museum auch ein Transitbereich zwischen Innenstadt und Stadtpark sein könnte, in dem die Kunstwerke im Vorbeigehen wahrgenommen werden könnten." Die große, skulpturale Rampe im Zentrum des Museums dient nicht nur der barrierearmen Erschließung, sondern soll verschiedene Perspektiven auf die Kunstwerke ermöglichen und die Kommunikation der Besucherinnen und Besucher fördern. Der Vortragssaal bietet mit seinen verstellbaren Bodenelementen unterschiedlichen Veranstaltungen Raum und erreicht durch seine Multifunktionalität ein breites Publikum.
"Das Kunstmuseum Bochum wurde als Ort der Kommunikation und als demokratische Institution konzipiert", sagt Dietrich. "Diesem heute wieder brandaktuellen Thema gibt das Museum durch Ausstellungen und Veranstaltungen einen Rahmen. Die Wertschätzung und Bewahrung dieses konzeptionellen und künstlerischen Gesamtwerkes werden nun auch durch den Denkmalschutz unterstützt."
Hintergrund: Das Kunstmuseum Bochum als Gesamtkunstwerk
Bereits während der Planungsphase erstellten Künstlerinnen und Künstler Entwürfe, um ein optimales Zusammenspiel von Architektur und wandfester Kunst zu erreichen. Besonders auffallend sind die Plexiglasgestaltung von Terry Haas an der hauseigenen Bibliothek und die Porzellanfliesenwand von Mogens Andersen. Letztere wurde bereits vor dem Einbau der Rampe angebracht und ist nur in Ausschnitten zu sehen. Weitere wandfeste Kunstwerke nehmen Flächen und Räume ein, die nicht für Exponate geeignet sind. Das Museum wurde somit zum Gesamtkunstwerk.
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 21.000 Beschäftigten für die 8,4 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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