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Mitteilung vom 23.06.22

Presse-Infos | Kultur

Da passt einfach alles

YouTuber von Hundbrax im Interview über ihre Kooperation mit dem LWL-Museum in der Kaiserpfalz und wie man aus 28.000 LEGO®-Steinen den Paderborner Dom baut

Bewertung:

Paderborn(lwl). Ab dem 2. Juli präsentiert das LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn eine Sonderausstellung der besonderen Art: "Stein auf Stein - Großkirchen im Miniaturformat" zeigt elf Kunstwerke mittelalterlicher Kirchenarchitektur maßstabgetreu und authentisch - aus Klemmbausteinen nachgebaut. Tim Olzewski ist einer der sieben Modellbauer von Hundbrax. Mit ihren Stop-Motion-Filmen aus LEGO® erreichen die Paderborner auf YouTube weltweit ein Millionen-Publikum. Der Paderborner Dom aus dem Studio der sieben Freunde ist schon jetzt im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zu sehen.

37 Videos, 30.200 Abonnenten und über 16 Millionen Aufrufe: Wie erklären Sie sich den Erfolg Ihrer Brick-Filme auf YouTube?
Manch eine:r denkt, LEGO®-Steine sind was für kleine Kinder, aber wenn man sich unser Modell vom Paderborner Dom im LWL-Museum in der Kaiserpfalz anschaut, wird schnell klar, dass auch Ältere fasziniert davorstehen. Auf den Kartons der Bausätze steht ja auch immer die Altersangabe: "0-99" und ich glaube, dass man wirklich diese Altersspanne mit LEGO®-Modellen erreichen kann. Unsere Videos werden ja auch weltweit angeklickt, das Durchschnittsalter liegt dabei zwischen 30 und 40 Jahren.

Für alle, die Sie noch nicht kennen: Erklären Sie kurz, wer Sie sind und was Sie machen?
Wir sind Hundbrax, eine Gruppe von sieben Freunden, die Spaß daran haben, LEGO®-Modelle zu bauen und dazu Filme zu drehen. 2013 haben wir uns im Paderborner Domchor kennengelernt und schnell war klar: Wir interessieren uns nicht nur für Musik, wir haben noch weitere Leidenschaften, die sich ideal ergänzen. Der eine kennt sich aus mit der Kamera, der andere mit Schnitt, Videoproduktion, Modellbau und LEGO®. All das haben wir verbunden und angefangen, eigene Stop-Motion-Videos zu drehen.

Wie funktioniert das?
Wir bauen ein LEGO®-Modell und bewegen es Bild für Bild - samt Figuren - bis sich daraus ein flüssiger Film ergibt. Beim Modell arbeiten wir ganz ohne Anleitung. Das ist der Reiz: Wir kreieren selber etwas. Die Steine besorgen wir uns in den großen "Stores" oder online. Wenn es gar nicht geht, also Teile so klein sind, dass wir sie nicht maßstabgetreu nachbauen können, lassen wir sie in 3D nachdrucken. Das kommt aber nur in absoluten Ausnahmefällen vor, wie zum Beispiel beim Schrein des Paderborner Doms (https://www.youtube.com/watch?v=50LoYWy0FjQ), den wir 2018 als Auftragsarbeit zum Domjubiläum angefertigt haben.

Wie lange sitzen Sie an einem Modell?
Das Modell zu bauen kostet tatsächlich weniger Zeit als der Film selbst. An unserem bisher erfolgreichsten Film zum Untergang der Titanic (aktuell mehr als elf Millionen Aufrufe bei YouTube) (https://www.youtube.com/watch?v=yY3f6UpGi9c) haben wir mit sieben Personen ein Jahr lang gearbeitet. Zunächst wird ein detailliertes Drehbuch für den Film geschrieben. Dann folgt der Bau der Kulisse, teilweise mit riesigen Ausmaßen von zwei mal zwei Metern. Nun beginnt das eigentliche Filmen der Szenen. Der Titanic-Film besteht aus etwa 15 einzelnen Fotos pro Minute. Bei unseren neusten Filmen sind es inzwischen im Schnitt etwa 21 Bilder pro Minute, bei einem Film von drei Minuten macht das 3.780 einzelne Fotos. Hinzu kommt die Nachbearbeitung der Bilder, der Schnitt sowie Ton und Musik.

Wie viele Steine hat so ein Modell?
Der Paderborner Dom, den Besucher:innen aktuell im LWL-Museum in der Kaiserpfalz sehen können und der dort bald neben zehn weiteren LEGO®-Bauten steht, umfasst etwa 28.000 Steine. Die genaue Zahl können wir nicht nennen, wir arbeiten ja nicht nach Anleitung. Wenn wir beschließen, dass wir ein Gebäude tatsächlich bauen können, dann schätzen wir vorher ab, wie viele Steine von welcher Art und zu welchem Preis wir brauchen. Das hat schon auch unternehmerischen Charakter.

Wie entscheiden Sie, was Sie bauen?
In den vergangenen Jahren mussten wir nicht lange überlegen, da kam eines zum anderen. Angefangen haben wir tatsächlich mit Kreuzfahrtschiffen. Wir haben die Queen Mary 2 nach-gebaut, einen Film gedreht und auf YouTube hochgeladen (https://www.youtube.com/watch?v=GDgu_RTl4no). Das war damals noch der private Kanal von Sebastian (Brumby, Mitglied von Hundbrax), benannt nach dem inzwischen verstorbenen Hund seiner Oma, Brax. Bei dem Start des Kanals hatten wir keine besonderen Ziele, aber schnell zahlreiche Klicks. Die Reederei kam sogar auf uns zu und hat uns nach Hamburg eingeladen zur Bordbesichtigigung.

Als dann der SC Paderborn 07 aufgestiegen ist, haben wir die Benteler-Arena nachgebaut und einen Film über das berühmte Tor von Moritz Stoppelkamm aus 82 Metern Entfernung gedreht (https://www.youtube.com/watch?v=LYGOhiimCJM). Auch das hatte wahnsinnig viele Klicks. So hatten wir auf YouTube immer mehr Abonnenten. Wir wurden ins Stadion eingeladen und der Film vor Ort gezeigt.

Unser Film über den Untergang der Titanic ist dann durch die Decke gegangen. Täglich erreichten uns um die 100 Kommentare aus den USA, Brasilien, Mexiko und Australien. Den Namen unseres YouTube-Kanals konnten wir da nicht mehr ändern, wir waren schlagartig in der Szene bekannt und auf Messen unterwegs. 20th Century Fox hat uns für eine Kooperation angefragt. Für einen X-Men-Film haben wir ein LEGO®-Modell, das Flugzeug "X-Fighter", entworfen. Solche kleinen Erfolgsgeschichten motivieren uns, auch wenn wir mittlerweile über ganz Deutschland verteilt sind, immer weiterzumachen.

Wie hat sich ihre Arbeit verändert?
Wir sind professioneller geworden und haben in den Jahren viel dazu gelernt. Die Modelle verkaufen wir trotz einiger Angebote nicht. Die Titanic zum Beispiel steht immer noch in meinem Keller, wo wir mittlerweile ein richtiges Filmstudio eingerichtet haben. Dort verfügen wir über einen großen Tisch mit Greenscreen (spezielle Leinwand für Bildfreistellung im Film), Softboxen für die Studiobeleuchtung, eine professionelle Kamera-Technik und eine spezielle Software für den Schnitt. In Sachen Musik kooperieren wir mit einem Paderborner Musikstudio, das schon die Filmmusik zu Disneys "König der Löwen" produziert hat.

Ansonsten bieten wir ehrenamtlich Workshops und Vorträge an. Wir sind schon lange keine Schüler mehr, einige studieren, andere arbeiten und ja - irgendwie sind das alles Berufe, in denen wir als Ingenieure, Betriebswissenschaftler oder Informatiker in gewisser Weise an unser Hobby anknüpfen können.

Ihre Gruppe ist Partner der Sonderausstellung "Stein auf Stein" im LWL-Museum in der Kaiserpfalz. Was war für Sie der Reiz, mit ihrem Können ins Museum zu gehen?

Wir wollen gemeinsam mit der Kaiserpfalz neue Zielgruppen erreichen. Wer sich für LEGO® oder Stop-Motion-Filme interessiert, kommt ins Museum und schaut sich archäologische Funde an. Und wer sich für Archäologie und Kirchenarchitektur interessiert, schaut unsere Videos. Darüber hinaus ist eine Ausstellung für uns aber auch eine technische Herausforderung. Die Modelle müssen für den Transport stabil gemacht werden. Wie schwierig das ist, sieht man in unserem Making-Of-Video des Paderborner Doms auf YouTube (https://www.youtube.com/watch?v=dQmfXYb1Q2A). Es stecken viel Kopfzerbrechen und Ausprobieren dahinter. Da greifen wir auch schon mal zu ungewöhnlichen Mitteln.

Für das Dom-Modell hatten wir breite Unterstützung vom Dombaubaumeister persönlich. Natürlich waren wir im Dom, haben Fotos gemacht, wir haben aber auch die Originalpläne als Vorlage genutzt. Eine Kathedrale zu bauen ist auch für uns Modellbauer eine riesige Herausforderung. Die Größenverhältnsse und Proportionen müssen stimmen. Bei unserem Dom passt einfach alles, bis auf den Zentimeter genau.
An sich ist das Modell leer, aber wir haben, um es stabiler zu machen, innen ein Fachwerk mit zahlreichen Verstrebungen und Balken eingebaut. Eine besondere Herausforderung war auch das Dach: achteckig und spitz zulaufend. Wir haben einen ebenfalls achteckigen Rettungsring, zweckentfremdet und mit speziellen LEGO®-Steinen eingehängt. Das macht den Dom transportfähig. An unserem Modell ist nichts geklebt.

Solche technischen Lösungen zu finden dauert manchmal Tage. Normale YouTuber machen ein Video pro Woche, das dann zwei Stunden später hochgeladen wird. In einem Video von uns aber stecken tausende Stunden Arbeit. Da kommt vielleicht nur jedes halbe Jahr mal ein Video. Deshalb sind wir keine gewöhnlichen YouTuber. Bei unseren Projekten geht es immer auch um Teamarbeit: Und nach zehn Jahren sind wir darin einfach verdammt gut.

Kommen auch private Leute auf Sie zu, die fragen, ob Sie helfen können?
Ja, viele. Wir haben sogar schon eine Anfrage für ein Praktikum bekommen. Im Rahmenprogramm zur Sonderausstellung "Stein auf Stein" besteht ab Juli vielfach die Gelegenheit aus erster Hand mehr zu erfahren. Da geben wir gern unser Tipps und Tricks preis.


Hundbrax, das sind:
- Sebastian Brumby, Postproduktion und Drehbuch
- Timo Deutschmann, Öffentlichkeitsarbeit und Technik
- Moritz Lütke Westhues, Setbau und Drehbuch
- Luca Olszewski, Setbau und Drehbuch
- Tim Olszewski, Setbau und Drehbuch
- Ben Pleininger, Setbau und Drehbuch
- Julian Schlangenotto, Kamera und Animation

Die sieben Freunde aus Paderborn teilen die Leidenschaft, LEGO®-Filme (sogenannte Brickfilme) mit der Stop-Motion-Technik zu drehen. Diese bestehen aus vielen einzelnen Fotos, die schnell hintereinander abgespielt werden und so einen flüssigen Film ergeben. Mit ihren Brickfilmen waren sie bereits bei mehreren Wettbewerben erfolgreich und durften ihre Projekte außerdem auf bekannten Messen wie der Gamescom, der Photokina und in renomierten Fachzeitschriften präsentieren. Ihre Projekte reichen vom berühmten Untergang der LEGO®-Titanic über Star Wars und Fußball, die Minions bis zur Sitcom "The Big Bang Theory". Zuletzt bauten sie für ihre Heimatstadt Paderborn den Dom sowie das Rathaus detailgetreu mit LEGO®-Steinen nach.

Mehr Infos unter: http://www.hundbrax.de

Zur Sonderausstellung "Stein auf Stein - Großkirchen im Miniaturformat"
Große Sakralbauten stehen an der Spitze mittelalterlicher Baukunst. Mit hohem personellen Aufwand, großem künstlerischen Können und immensen finanziellen Anstrengungen wurden Bischofssitze, Klöster und Städte vor mehr als 1.000 Jahren mit Großkirchen ausgestattet. Die monumentalen Bauwerke beeindrucken bis heute und haben das Interesse zahlreicher Modellbauer:innen erweckt.

Seit der Erfindung der Klemmbausteine erschaffen kreative Köpfe weltweit detaillierte Mo-delle von Kathedralen und Klöstern. Vom 1. Juli bis 25. September 2022 zeigt das LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn gemeinsam mit dem Metropolitankapitel Paderborn und dem Team von Hundbrax, Spezialisten für Stop-Motion-Videos und erfolgreiche YouTuber, eine Auswahl großer Kirchenbauten im Miniaturformat. Aktuell ist im LWL-Museum in der Kaiserpfalz bereits ein Modell des Paderborner Doms aus rund 30.000 Steinen als Sneak Peak zu sehen.
Begleitet wird die Sonderausstellung von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm. Geplant sind Vortragsabende und Themenwochenenden sowie diverse Workshops für Kin-der und Jugendliche.




Achtung Sommerferienprogramm: Bereits am Dienstag (5.7.) von 15 bis 17 Uhr können im Rahmen eines Sommerferienprogramms Kinder zwischen 7 und 12 Jahren unter dem Titel: Und action! zum ersten Mal den Zauber der Brick-Filme kennenlernen.


Weitere Informationen zum Museum und zur Sonderausstellung finden Sie unter:
http://www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de
https://de-de.facebook.com/museuminderkaiserpfalz/
https://www.instagram.com/lwl_kaiserpfalzmuseum/



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Dr. Carolin Steimer, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-3504
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
Museum in der Kaiserpfalz
Ikenberg 2
33098 Paderborn
Karte und Routenplaner



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 18.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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