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Mitteilung vom 21.07.20

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Nicht nur Sand und Wurzeln

LWL-Archäologen untersuchen Jagd- und Rastplatz aus der Steinzeit

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Westerkappeln (lwl). Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) untersuchen derzeit einen Rast- und Arbeitsplatz aus der späten Altsteinzeit (etwa 11.500 v. Chr.) in Westerkappeln (Kreis Steinfurt). Der archäologische Fundplatz ist bereits seit den 1960er Jahren bekannt und wird derzeit erneut untersucht. Bisher haben die Archäologinnen 1.500 archäologische Funde gesichert.

Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein
"In den vergangenen Wochen konnten wir eine Fläche von 40 Quadratmetern untersuchen", sagt LWL-Archäologe Dr. Bernhard Stapel. Das klingt zunächst nicht nach einer großen Fläche. Allerdings muss der Sand in dünnen Schichten abgetragen und dann gesiebt werden, damit die Archäologen auch kleinste Objekte entdecken. Die vielen Funde zeigen: Hier wurden Geräte aus Feuerstein hergestellt, Waffen repariert und vermutlich mithilfe von Kratzern aus Feuerstein auch Tierhäute von Fett und Fleischresten befreit. Werkzeuge zur Holzbearbeitung und zeittypische Geschossspitzen, die an Pfeilen befestigt wurden, fertigten die Jäger und Sammler ebenfalls hier. Viele Abfallstücke, die bei der Herstellung solcher Gerätschaften entstanden, haben die Archäologen gefunden.

Fundplatz am Rand des Naturschutzgebietes seit den 1960er Jahren bekannt
Der archäologische Fundplatz liegt knapp außerhalb des Naturschutzgebietes Düsterdieker Niederung und wurde bereits in den 1960er Jahren von Fachleuten untersucht. "An dieser Stelle wird derzeit vermehrt zu privaten Zwecken Sand entnommen. Daher ist die archäologische Maßnahme nötig", erklärt Stapel. Dazu arbeite man mit dem Heimatverein Westerkappeln zusammen, so Stapel weiter.

Jäger und Sammler in Westerkappeln
"Der Lagerplatz datiert in eine etwas wärmere Phase am Ende der letzten Kaltzeit und wurde von hochmobilen Jägern und Sammlern genutzt, die dort nur wenige Wochen rasteten", erklärt Stapel. Es gibt Funde aus einem Warendorfer Baggersee, die für die Experten den Schluss nahelegen, dass zu dieser Zeit bereits Kiefernwälder mit bis zu fünf Meter hohen Bäumen dieses Gebiet bewuchsen. Außerdem deuten Funde aus der Nähe von Mönchengladbach an, dass die Menschen jener Zeit Jagd auf Rothirsche und Wildpferde machten. Zusammen mit den Funden aus Westerkappeln ergibt das ein recht genaues Bild der Lebensumstände der Jäger und Sammler am Ende der Eiszeit in Westfalen.
Im Herbst werden die Ausgrabungen voraussichtlich fortgesetzt.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Sandra Maus, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8946
presse@lwl.org



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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 18.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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Kommentar(e)

Friedhelm Scheel, Koordinator der AG-Naturschutzjugend der ANTL e. V.22.07.2020 09:31
Sehr geehrte Damen und Herren, als naturschützerisches Urgestein von Westerkappeln (38 Jahre aktiv) wird die AG und ich in der sogenannten "Nato-Sandabgrabung" in der Böschung am Weg der Teuto-Schleife, am Samstag, 1. August 2020 eine Müllaktion durch führen. Der Arbeitseinsatz wird vom Archäologiestundenten Peter Herschlein geleitet. In den 80-Jahren hat der ehrenamtliche Naturschutz mit der Kommune und der UNB bereits die Biotope "Bramegge", "Moorkamp" und "Blankenriede" von Müll befreit und zu Lebensräumen der bedrohten Tier- und Pflanzenwelt entwickeln lassen. Wir werden in den nächsten Monaten bzw. Jahren alles daran setzen, dass hier keine weiteren Abfälle mehr deponiert werden. Wir sehen hier auch wieder die UNB gefordert, diese Fläche zu einem weiteren Lebensraum um zu gestalten. Herzliche Grüße Ihr Friedhelm Scheel


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