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Mitteilung vom 27.11.20

Presse-Infos | Kultur

Bund bewilligt 25 Millionen Euro für "Stalag 326"

"Konzept einer nationalen Gedenkstätte hat überzeugt"

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Schloß Holte-Stukenbrock/Berlin (lwl). Großer Schritt auf dem Weg zu einer neuen Gedenkstätte am historischen Ort des "Stalag 326": Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am Donnerstag (26.11.) in Berlin gut 25 Millionen Euro für die geplante Gedenkstätte in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) gebilligt.

"Das Projekt ist wichtig, der Plan ist gut - das ist das Signal aus Berlin", sagte Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster zu der Entscheidung. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hatte im Spätsommer ein detailliertes Konzept für den Aufbau der Gedenkstätte vorgelegt und sich gemeinsam mit Partnern um eine Förderung vom Bund für das 60 Millionen Euro teure Projekt bemüht. Löb: "Offensichtlich hat das Konzept die Politik in Berlin überzeugt. Wir bedanken uns bei allen, die den Plan der Gedenkstätte so gut unterstützt haben." Das Land NRW soll die verbleibenden Investitionskosten beisteuern.

Stalag 326 ("Stammlager") war während des Zweiten Weltkrieges mit über 300.000 durchgeschleusten sowjetischen Kriegsgefangenen das größte Lager dieser Art ("Russenlager") im Deutschen Reich. Es war zentrale Drehscheibe für die "Versorgung" mit Zwangsarbeitern auf Bauernhöfen und Fabriken in Westfalen und im Rheinland. Auf dem nahegelegenen Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegsopfer sind nach Schätzungen bis zu 65.000 Tote begraben.

Nach Auskunft von LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger wird der Betrieb der geplanten Gedenkstätte am historischen Ort rund 5,6 Millionen Euro im Jahr kosten. Das sei "absolut im Rahmen vergleichbarer Gedenkstätten nationaler Bedeutung". Der LWL soll den wesentlichen Teil der Betriebskosten übernehmen. Rüschoff-Parzinger: "Hier wird ein herausragender Ort der Erinnerung an die Geschichte von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit während der Nazi-Zeit entstehen." Man rechne mit jährlich bis zu 200.000 Besuchern.

Ein Schwerpunkt des Konzepts liege bei der digitalen Vermittlung, die Erinnerungsarbeit in der Region und über die Landesgrenzen hinaus erleichtere. "Wir wollen zum Beispiel die bekannten und unbekannten Orte in NRW einbeziehen, die bei der Ausbeutung der Kriegsgefangenen eine Rolle spielten. Das Lager war eine riesige und brutale Verteilmaschine", so die Kulturdezernentin. Wie "Stalag 326" funktioniert und große Teile der deutschen Gesellschaft eingebunden habe, müsse auch in der heutigen Vermittlung durch die Gedenkstätte eine zentrale Rolle spielen. Besonderes Gewicht legt das Konzept für die Gedenkstätte auf Fotos und Filme als Quellen, für die es im Falle des "Stalag 326" eine sehr gute Überlieferung gebe.


Hintergrund
"Die Geschichte des Stammlagers 326 ist eine Geschichte der massenhaften, menschenverachtenden Ausbeutung sowjetischer Kriegsgefangener", führte Löb weiter aus. "Von der Ausbeutung dieser Menschen ohne Rechte haben sowohl große Unternehmen im Ruhrgebiet wie auch Verwaltungen und kleine Betriebe auf dem Lande profitiert. So wurden ganz normale Menschen Herren über Leben und Tod dieser Kriegsgefangenen."

Zusammen mit Partnern wolle der LWL in Stukenbrock-Senne am Ort des ehemaligen Lagers eine "Gedenkstätte mit nationaler Bedeutung" errichten. "Wir wollen den Blick lenken auf sowjetische Kriegsgefangene als eine der größten, bislang aber kaum beachtete Opfergruppe. Und wir wollen zeigen, dass Zwangsarbeit damals alltäglich und auch in der breiten Bevölkerung bekannt war."

Der LWL habe seit einigen Jahren sein Engagement in der Erinnerungskultur verstärkt und setze seine Kultur-Fachleute auch bei "Stalag 326" ein. Das Projekt unterstützen neben dem LWL das Land NRW, der Kreis Gütersloh, die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock und der Stalag-Förderverein.

Grundlage des Antrags auf Förderung beim Bund war eine Machbarkeitsstudie des Ateliers Brückner (Stuttgart). Wer die Gedenkstätte tragen soll, schlagen die Beteiligten eines Lenkungskreises unter Leitung des NRW-Landtagspräsidenten André Kuper den entsprechenden Gremien der Partner vor.




Achtung Redaktionen:
Zur Ihrer Information haben wir Ihnen die Beschlussvorlage zum Sachstandsbericht zur Entwicklung des Stalag 326 (s. Online-Version dieser Pressemitteilung - über den Link oberhalb dieser Mail erreichbar) angehängt.

Haben Sie Probleme das PDF-Dokument zu lesen? Dann wenden Sie sich bitte unter presse@lwl.org an die LWL-Pressestelle. Wir helfen Ihnen gerne weiter.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Anlagen:
Anlage 1: Sachstandsbericht zur Entwicklung des Stalag 326.pdf



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 18.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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Kommentar(e)

Georg Rox29.09.2020 16:06
Ich möchte dem LWL danken, dass er die Initiative für dieses Denkmal mit nationaler und internationaler Bedeutung vorantreibt. Den ehrenamtlichen Helfern und Initiatoren schulden wir alle großen Dank. Die Toten des 20. Weltkrieges in Zahlen auszudrücken ist unfassbar. Trotzdem: 65 Millionen Tote insgesamt, 6,5 Millionen Tote in Deutschland, 27 Millionen Tote der Sowjetunion. (https://de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_WeltkriegesIn den Lagern und und mehr Tote) Im Sachstandsberichtzum Denkmal wird von 2,3 - 3 Millionen sowjetische Tote allein in Deutschlands Lagern und Zwangsarbeitermaschinerie gesprochen. Unfassbar. In Stukenbrok besteht jetzt eine große Chance einen Weg zu suchen, der diesem Gedenken gerecht werden könnte. Die jetzige Stand des Gedenkens (Friedhof, Gedenkstääte) wird dem auf keine Weise gerecht. Auf keinste Weise. Es ist beschämend,wie lange es gedauert etwas auf einen Weg zu bringen. Falls wir keinen Erfolg haben, dieses Denkmal auf den Weg zu bringen bestärken wir diejenigen, die versuchen das unfassbare Leid des zweiten Weltkriegs zu relativieren durch an diesem Platz unaussprechbare Vergleiche. Mir treibt es Zornesröte in das Gesicht, dass diese Leute inzwischen sogar in den Bundestag gewählt sind. Ein Denkmal ist auch vor diesem Hintergrund, dass sich Geschichte wiederholen kann, nie zu teuer. Teuer wird es, wenn wir versäumen zu erinnern. Der spanische Philosoph George Santayana schreibt: "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Darum geht es. Das Denkmal verdient jede Unterstützung.
Hans-J. Buddrus27.06.2020 14:03
Entschuldigung, aber die genannten Zahlen für so ein überflüssiges Denkmal nach 75 Jahren treiben einem schon den Zorn ins Gesicht. Wie kann das Denkmal 60 Millionen verschlingen und die Unterhaltung des Denkmals 5,6 Millionen kosten? Da kann sich aber das Atelier Brückner freuen. Die Gelder können in der heutigen Situation wohl besser im sozialen Bereich, Krankenhäuser, die kommenden vielen Arbeitslosen investiert werden, wobei das Geld wohl nicht mehr vorhanden sein dürfte und dafür Schulden gemacht werden müssen, die der "kleine Mann" wieder abzahlen muss. Auch ohne dieses geplanten Denkmals wurde das damalige Geschehen bis heute nicht vergessen, dafür stehen schon die Gräber der vielen toten Gefangenen auf dem russischen Friedhof.


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