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Mitteilung vom 26.02.20

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Welt ohne Worte

Mitmach-Aktionen am "Tag des Schweigens" und Veranstaltung zur Fastenzeit im Kloster Dalheim

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Lichtenau-Dalheim (lwl). Handy aus und raus aus der Komfortzone. Wer am Sonntag (1.3.) die Klausur des ehemaligen Klosters Dalheim (Kreis Paderborn) betritt, macht es wie einst die Dalheimer Ordensleute: Kein Wort geht über die Lippen. Langweilig wird es trotzdem nicht. Gemäß dem klösterlichen Leitsatz "Ora et labora" (lat.: Bete und arbeite) arbeiten sich die Gäste im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur durch einen aus 14 Stationen bestehenden Schweige-Parcours. Vom stillen Chillen in der Klosterkirche über den Zen-Garten bis zur gemeinsamen Kunstaktion sind kleine und große Schweiger zum Mitmachen eingeladen. Zum zweiten Mal lässt die Stiftung Kloster Dalheim damit die klösterliche Tradition des Schweigens am ersten Sonntag der Fastenzeit wieder aufleben. Auch das Klosterwirtshaus ist erneut mit von der stillen Partie.

Lebensgefühl der Dalheimer Ordensleute
Die Veranstaltung baut auf die preisgekrönte Dauerausstellung in der mittelalterlichen Klausur des Klosters Dalheim auf. Sie zeigt, wie Ordensleute ihren Alltag verbrachten. "Der 'Tag des Schweigens' geht noch einen Schritt weiter und lässt das Lebensgefühl der Dalheimer Ordensleute hinter die Klostermauern zurückkehren", freut sich Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky auf die zweite Auflage der Veranstaltung: "Das wird sicher auch für die Gäste, die das Kloster Dalheim bereits kennen, eine neue und bereichernde Erfahrung sein."

Schweigen auf Zeit
Vierzehn Mitmach-Stationen und Ruhepunkte hat das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur vorbereitet. "Sie alle öffnen eine neue, unbekannte Welt ohne Worte und machen auf unterschiedliche Aspekte des Schweigens aufmerksam - teils spielerisch, teils meditativ", erläutert Museumspädagogin Dr. Christiane Wabinski den Zugang der Dalheimer Veranstaltung. Wenn die Glocke der Klosterpforte ertönt und die Besucherinnen die Klausur betreten, verschlägt es ihnen nicht nur sprichwörtlich die Sprache: Im Kreuzgang erfahren die Museumsgäste, wie lang sich eine Minute ohne Worte anfühlen kann. Der Versammlungssaal des Konvents, der Kapitelsaal, erinnert an den Ursprung des klösterlichen Schweigens in der rund 1.500 Jahre alten Benediktregel. Im Rahmen einer gemeinsamen Aktion nimmt die "Kunst des Schweigens" auf einer Leinwand Gestalt an. Gartenarbeit steht ebenfalls auf dem Programm: Beim "Tag des Schweigens" finden Museumsgäste Ruhe beim Gestalten eines japanischen Zen-Gartens. In der Kirche genießen sie die Schönheit der traditionellen klösterlichen Chorgesänge und machen es sich beim Anblick der Gewölbemalereien bequem. Aber auch für Quasselstrippen ist gesorgt: Wie im Mittelalter finden Besucher mit dem Parlatorium mitten in der Klausur einen Raum, in dem gesprochen werden darf. Unter dem Motto "Schweigend schmeckt’s besser!" serviert Familie Brand im Schonlau-Saal des Wirtshauses frische, regionale Gerichte mit der Möglichkeit, diese schweigend zu bestellen und zu genießen.

Wichtige Anregungen für die Gegenwart
Mit dem "Tag des Schweigens" beruft sich das Kloster Dalheim auf eine der ältesten Tugenden klösterlichen Lebens und knüpft gerade damit an die Gegenwart an. "Kommunikation ist heute allgegenwärtig. Wir chatten, posten und kommentieren. Momente, in denen es vollkommen ruhig ist, sind selten", sagt Grabowsky. Umso wichtiger sei eine Veranstaltung wie der "Tag des Schweigens", die ihre Besucherinnen in Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Wurzeln auffordere, innezuhalten und alternative Lebenskonzepte auszuprobieren. "Museen sind nicht nur Bewahrer der Geschichte, sondern geben so wertvolle Anregungen für die Gegenwart", so Grabowsky weiter.

Verzicht in der Fastenzeit
Passend zum Beginn der Fastenzeit sind die Besucher anhand ihres eigenen Schweige-Versuchs eingeladen, über unterschiedliche Dimensionen des Verzichts gestern und heute zu reflektieren. So verbrachten die Augustiner-Chorherren in Dalheim einen Großteil ihres Klosterlebens im Schweigen, verzichteten aber nicht nur auf das Sprechen, sondern mit dem Eintritt ins Kloster auch auf ihre alte Identität oder ihren privaten Besitz.

Das klassische Fasten ist beispielsweise Thema im Speisesaal der Ordensleute, dem Refektorium. Auch heute ist die Fastenzeit für viele Menschen ein Anlass, auf den Konsum von Fleisch, Schokolade und Alkohol oder Fernsehen und Handynutzung zu verzichten.

Hintergrund:
Bereits bei den ägyptischen Mönchsvätern im 3. Jahrhundert n. Chr. hatte das Schweigen eine große Bedeutung. Sie glaubten, dass zu viele Worte der Erfahrung Gottes im Wege stünden. Auch der Heilige Benedikt legte in seinen Klosterregeln von 540 an mehreren Stellen fest, dass die Ordensleute - außer während der Liturgie - schweigen sollten. Heute halten sich Brüder und Schwestern vieler Ordensgemeinschaften ebenfalls an ein Schweigegelübde.

Eintritt
Die Teilnahme am "Tag des Schweigens" ist im Museumseintritt inbegriffen. Erwachsene 9 Euro, Gruppen ab 16 Personen je Person 7 Euro, Ermäßigte 4,50 Euro, Kinder/Jugendliche (6 - 17 Jahre) sowie LWL-MuseumsCard und LVR-Museumskarte frei.

Öffnungszeiten
Im Rahmen der Sonderöffnungszeiten zum Finale der Ausstellung "Verschwörungstheorien - früher und heute" (bis 22.03.) hat das Museum an den Wochenenden (Fr. bis So.) ab 28.02. und damit auch am "Tag des Schweigens" von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Zitat
"Ich sprach, ich will auf meine Wege achten, damit ich mich mit meiner Zunge nicht verfehle. Ich stellte eine Wache vor meinen Mund, ich verstummte, demütigte mich und schwieg sogar vom Guten." (Psalm 39,2-3)


Stiftung Kloster Dalheim
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau
http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Maria Tillmann, Stiftung Kloster Dalheim, LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Tel.: 05292/9319-114
presse@lwl.org



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