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Mitteilung vom 10.12.19

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Neue Exponate für das LWL-Museum in der Kaiserpfalz

Gründungsurkunde des Abdinghofklosters und Fibel als bedeutende Zeugnisse der Paderborner Stadtgeschichte

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Paderborn (lwl). Das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn freut sich über zwei neue Exponate. Ab sofort können die Besucher dort eine Nachbildung der - gefälschten - Gründungsurkunde des Abdinghofklosters und eine Fibel aus Paderborn, datiert auf die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts, sehen.

"Die Urkunde ist ein für Paderborn bedeutendes historisches Dokument. Sie erzählt aber auch eine spannende Geschichte: Wieso wird eine Urkunde aus dem 11. schon im 12. Jahrhundert gefälscht", fragt Dr. Martin Kroker, Leiter des LWL-Museums. Die Antwort: "Wir gehen davon aus, dass der Grundbesitz des Klosters angegriffen wurde und man die Besitztümer so beglaubigt festhalten wollte." Die vergoldete Bronze-Fibel hingegen sticht aufgrund ihrer Handwerkskunst hervor. "Sie ist prachtvoll und in ihrer Machart, dem Frauenhofer Typus, für Paderborn einzigartig." Auch im übrigen Westfalen haben Archäologen bisher nur wenige Exemplare entdeckt.

Anders sieht es mit der gefälschten Gründungsurkunde des Paderborner Benediktinerklosters aus, die auf den 2. November 1031 datiert ist. Sie fällt in eine Zeit, in der sehr viele Urkunden des Klosters unter Fälschungsverdacht gerieten, weshalb auch Zweifel an ihrer Echtheit aufkamen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt die Urkunde als verschollen. Wie sie schließlich nach Nürnberg kam, wo sie heute im Original im Germanischen Nationalmuseum ausgestellt ist, bleibt offen. Einer Echtheitsprüfung aber konnte sie sich so zunächst entziehen.

Dabei stechen die Merkmale einer Fälschung dem Kenner gleich ins Auge. "Die Handschrift ist typisch für das 12. Jahrhundert, obwohl sie keiner der bekannten Fälscherhände zugewiesen werden kann", erklärt Kroker. "Auffällig sind die verlängerten Buchstabenschäfte, die allerdings erst ab der Mitte der Schrift auftreten. Trotzdem aber scheint es, als sei der Text von einer Hand geschrieben", so der Museumsleiter.

Erstaunlich ist zudem, dass das Siegel der Urkunde sowohl in der Formulierung als auch in der Darstellung des Bischofs ohne Beispiel ist. Die Aufzählung der Güter hingegen, mit denen Bischof Meinwerk seine Stiftung ausgestattet hat, findet sich genau so auch in der Darstellung einer Urkunde Papst Eugens III., die aber erst 1146 ausgestellt wurde. Kroker: "Der Fälscher hat darüber hinaus auch viele Stilelemente der Papsturkunde übernommen. Die Gründungsurkunde des Abdinghofklosters kann also erst nach 1146 entstanden sein."

Das zweite neu hinzugekommene Exponat, die Fibel, weist eine weit weniger verzweigte Entstehungsgeschichte auf. Sie ist der Fund eines Sondengängers, der sie 2018 in Paderborn-Sande fand. Kroker: "Sie fiel damit unter das sogenannte Schatzregal und ist staatliches Eigentum. Der Finder gab sie umgehend zurück und freut sich nun, dass sein Fundstück im LWL-Museum für alle sichtbar ist."

Die vergoldete Kreuzscheibenfibel aus Bronze hat einen Durchmesser von 3,4 Zentimetern. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 10. bzw. aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und war ursprünglich als Gewandnadel zum Zusammenhalten von Kleidung gedacht. "Da jedoch die Halterung entfernt wurde, diente die Fibel zuletzt eher als Anhänger", so Kroker. Die Fibel ist viergeteilt. In der Mitte befindet sich ein Plateau mit grünem und blauem Grubenemail. Die rechteckigen Felder weisen Masken mit mandelförmigen Augen und eine u-förmige Nase auf.

Beide Funde sind ab sofort in der Dauerausstellung im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zu sehen.

Weitere Informationen unter:
http://www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de
https://de-de.facebook.com/museuminderkaiserpfalz/
https://www.instagram.com/lwl_kaiserpfalzmuseum/



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Dr. Carolin Steimer, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-3504
presse@lwl.org



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33098 Paderborn
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