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Mitteilung vom 04.12.19

Presse-Infos | Kultur

Zeitzeugenrunde zur Rettung der Maschinenhalle und Buchvorstellung

Programm am Wochenende im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern

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Dortmund (lwl). Vor 50 Jahren, genau am 30. Dezember 1969, teilte Landeskonservator Hermann Busen dem Vorstand der Rhein-Elbe Bergbau AG schriftlich mit, dass ihn der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen gebeten habe, die Maschinenhalle der Dortmunder Zeche Zollern II/IV unter Denkmalschutz zu stellen und einem geplanten Abbruch die Genehmigung zu versagen: "Diesem Wunsch möchte ich hiermit nachkommen." Heute gilt die 1902/03 errichtete Zollern-Halle als Baudenkmal von europäischem Rang, ihre Rettung als Initialzündung für technische Denkmalpflege und Industriekultur im Ruhrgebiet und weit darüber hinaus.

Die Rettung der Maschinenhalle steht im Mittelpunkt einer Zeitzeugenrunde, zu der der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Sonntag (9.12.) um 15 Uhr in sein Industriemuseum Zeche Zollern einlädt. Dr. Thomas Parent, langjähriger stellvertretende Direktor des LWL-Industriemuseums, spricht mit Gerhard Brune und Volker Spiekermann, dessen Vater 1969 Hausmeister auf Zollern II/IV war. Zeitzeuge Eduard Erdmann wird über die 1973 gescheiterten Pläne, die Maschinenhalle als Eisenbahnmuseum zu nutzen, berichten. Am Ende der Veranstaltung stellt das LWL-Industriemuseum ein neues Buch vor, das aus Anlass des Jubiläums erschienen ist. Es zeichnet die Geschichte der Maschinenhalle und ihrer maschinellen Ausstattung nach und ordnet sie in historische Zusammenhänge ein (Die Maschinenhalle. Zur Geschichte der Zeche Zollern II/IV in Dortmund. Hg. LWL-Industriemuseum, Thomas Parent, Martin Lochert, Dirk Zache, Anne Kugler-Mühlhofer, Essen 2019. ISBN 978-3-8375-2196-2, 19,95 Euro).

Hintergrund - die Rettung der Maschinenhalle
Die Betriebskarriere von Zollern II/IV war kurz und unspektakulär. Bereits 1955 endete hier die Steinkohlenförderung, elf Jahre später dann auch die Personenseilfahrt. Danach verwahrloste die Anlage zunehmend. Die Stadt Dortmund plante, das Zechengelände als Gewerbegebiet nachzunutzen. Als Gerhard Brune, der zuständige Abteilungsleiter des Stadtplanungsamts, im Februar 1969 beim Landeskonservator anregte, dass eine denkmalpflegerische Erhaltung der Maschinenhalle "dringend geboten" sei, stieß er dort zunächst auf Unverständnis. "Das darf doch nicht wahr sein!", lautete der erboste Kommentar des Dortmunder Denkmalpflegers Werner Kleffmann nach dieser Absage. Im Herbst 1969 schrieb die Eigentümergesellschaft die Maschinenhalle zum Abbruch aus. Sie rechnete mit einem Schrotterlös von 19.000 DM für die Fördermaschine von 1902.
Es waren wenige "Einzelkämpfer", die sich damals für die Rettung des Baudenkmals engagierten, an erster Stelle der Dortmunder Architekt und Hochschullehrer Hans Paul Koellmann sowie das Fotografen-Ehepaar Bernd und Hilla Becher. Ein demonstrativer Zollern-Besuch der Hagener Van-de-Velde-Gesellschaft sorgte am 26. Oktober 1969 für deutlich mehr Publizität des Themas in der Presse. Entscheidend für den Stopp der Abbruch-Pläne wurde vier Tage später ein Brandbrief der Retter-Gruppe an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn, der den Landeskonservator schließlich bat, die Halle unter Schutz zu stellen.

Führung am Wochenende
Das Führungsprogramm am Wochenende startet am Samstag (8.12.) um 15 Uhr mit einer Themenführung zur Sicherheit und zum Rettungswesen im Ruhrbergbau. Sonntag (9.12.) finden wie gewohnt um 11 und 12.45 Uhr unter dem Titel "Schloss der Arbeit" Führungen über die Tagesanlagen statt. Wer sich näher für die Maschinenhalle interessiert, kann an der Führung um 14.30 Uhr teilnehmen. Durch die Dauerausstellung in der Alten Verwaltung startet um 16 Uhr eine öffentliche Führung. Die Führungen sind kostenlos, bezahlt werden muss nur der reguläre Museumseintritt (Erwachsene 5 Euro, Kinder und Jugendliche frei).

Adresse und Kontakt:
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5 I 44388 Dortmund
Telefon: 0231 6961-111
http://www.lwl-industriemuseum.de



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org



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