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Mitteilung vom 06.11.19

Presse-Infos | Psychiatrie

Schuld und Scham

Zwei Seiten einer Medaille

Bewertung:

Bochum (lwl). Schuld- und Schamgefühle gehören zu den wichtigsten Emotionen des Menschen. Anlässlich eines wissenschaftlichen Symposiums des Universitätsklinikums Bochum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) am Freitag und Samstag (8./9.11.) erklärt Klinikdirektor Prof. Dr. Stephan Herpertz, warum diese Gefühle grundsätzlich positiv sind - und ab wann sie krankhaft werden.

1. Welchen Zweck haben Gefühle wie Schuld und Scham?
Schuld- und Schamgefühle sind nicht grundsätzlich negativ. Sie sorgen dafür, dass wir die Regeln und Verhaltensweisen einer Gesellschaft einhalten. Durch sie lernen wir, wie wir uns als Teil einer Gruppe verhalten. Negativ werden Schuld- und Schamgefühle erst, wenn sie uns im Alltag beeinträchtigen, wenn wir bestimmte Situationen aus Angst vor diesen Gefühlen vermeiden.

2. Ab wann beeinträchtigen uns Schuld- und Schamgefühle?
Wer diese Gefühle zu lange mit sich herumträgt, fühlt sich im Umgang mit anderen Menschen fast immer gehemmt. Im Extremfall entsteht eine regelrechte Phobie vor bestimmten Situationen. Und wie bei jeder Phobie versuchen Betroffene auch hier, diese Situationen zu vermeiden: Jemand vergisst während eines Vortrags seinen Text. Die Situation ist ihm so peinlich, dass er es in Zukunft vermeidet, vor anderen Menschen zu sprechen. Je alltäglicher die Situation ist, die vermieden wird, desto eher fühlen wir uns eingeschränkt.

3. Politiker werden beschimpft, Klimaaktivistinnen wird der Tod gewünscht - gerade im Internet und unter dem Schutz (vermeintlicher) Anonymität verlieren Menschen häufig alle Hemmungen. Sind wir schamloser geworden?
Wenn Menschen ihre Schuld- und Schamgefühle verlieren, reagieren sie irgendwann nur noch auf rechtliche Konsequenzen. Gerade im Internet fühlen sich viele Menschen aber sicher vor Strafverfolgung. Wer meint, er habe nichts zu befürchten, verhält sich eher hemmungslos. Dieses Verhalten ist übrigens typisch für die sogenannte dissoziale Persönlichkeitsstörung: Betroffene hält einzig und allein die Furcht vor staatlichen Sanktionen oder dem Recht des Stärkeren von Straftaten ab.



Pressekontakt:
Hannah Reichelt, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



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44791 Bochum
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