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Mitteilung vom 04.10.19

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Film-Premiere: "Die Kamera im Arbeitskampf"

Industrie- und Mediengeschichte im Ruhrgebiet der 1980er-Jahre

Bewertung:

Hattingen (lwl). Der Film "Die Kamera im Arbeitskampf" feiert am Mittwoch (9.10.) um 19 Uhr im LWL-Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen Premiere. In seiner neuen DVD-Produktion verknüpft der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Industrie- und Mediengeschichte des Ruhrgebiets.

Im Frühjahr 1984 drohte dem Hattinger Werk des insolventen Flanschenproduzenten Mönninghoff die Schließung. Die Belegschaft wollte sich damit nicht abfinden. Sie besetzte das Werk und arbeitete in Eigenregie weiter. Gemeinsam mit Unternehmensberatern und örtlicher IG Metall entwickelte sie zudem ein Konzept zur langfristigen Fortführung des Betriebs in Belegschaftshand. Trotz Unterstützung von Seiten der Politik, scheitert das "Hattinger Modell" Mitte 1984, als sich eine der Gläubigerbanken weigerte, auf ihre Forderungen zu verzichten. Das Werk wurde geschlossen, seine rund 800 Beschäftigten gingen in die Arbeitslosigkeit.

Begleitet wurde der Arbeitskampf seinerzeit von den Teilnehmern eines Videokurses, den der Verein Medienzentrum Ruhr e.V. in der Filmwerkstatt Essen-Borbeck angeboten hat. Wie viele andere Medieninitiativen dieser Zeit, hat sich der Verein einer alternativen, emanzipatorischen Medienarbeit verschrieben. Kursleiter Jörg Keweloh wollte den jungen Menschen gerade den Umgang mit der damals neuen Videotechnik beibringen, als in Hattingen die "Mönninghoffer" ihr Werk besetzten. Spontan entschloss die Gruppe sich, nach Hattingen zu fahren und dort das Geschehen mit der Videokamera zu dokumentieren. Was zunächst als Feldversuch filmischer Laien begann, entwickelte sich zum politisch ambitionierten Videoprojekt. Es entstand der Film "Der Konsul ist schon lange tot ¬- Der Kampf bei Mönninghoff Gottwald".

35 Jahre später geht der Filmemacher Daniel Huhn im Auftrag des LWL-Medienzentrums den Ereignissen des Jahres 1984 in einem neuen Dokumentarfilm nach. Unter dem Titel "Die Kamera im Arbeitskampf" beleuchten Zeitzeugeninterviews, eingebettet in Ausschnitte aus "Der Konsul ist schon lange tot" sowie weiteres filmisches und fotografisches Archiv-material, die Geschichte der Filmentstehung während des Arbeitskampfes bei Mönninghoff. Teilnehmer des Videokurses und Angehörige des MZR, ehemalige Arbeiter von Mönnighoff und Gewerkschafter sowie ein Hattinger Stadthistoriker kommen zu Wort. Mit dem Abstand von über drei Jahrzehnten erzählen sie von den Hintergründen und ihren individuellen Erfahrungen als Teil eines Arbeitskampfes und eines filmischen Experiments, berichten von Enttäuschung und Frustration, aber auch von Hoffnung, Selbstbewusstsein und Solidarität.

Bei der Premiere am Mittwoch (09.10.) in der Henrichshütte ist Regisseur Daniel Huhn anwesend. Dirk Glaser, der Bürgermeister der Stadt Hattingen, wird ein Grußwort sprechen. Eine thematische Einführung gibt Prof. Dr. Markus Köster, der Leiter des LWL-Medienzentrums. Der Eintritt ist frei.

Das Projekt wurde gefördert durch die Irene und Sigurd Greven Stiftung, Kooperationspartner war der Verein Medienzentrum Ruhr e.V.

Neben dem Hauptfilm enthält die DVD auch den Videofilm "Der Konsul ist schon lange tot - Der Kampf bei Mönninghoff Gottwald" von 1984/85, den das LWL-Medienzentrum aufwendig digital restauriert hat.

Die DVD kann für 14,90 Euro beim LWL-Medienzentrum, Fürstenbergstraße 13-15, 48147 Münster, medienzentrum@lwl.org, sowie im Buchhandel erworben werden. Nähere Informationen und Bestellmöglichkeiten finden sich unter http://www.westfalen-medien.lwl.org. Unter dieser Adresse steht der Film in Kürze auch zum Download bereit.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



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