LWL-Newsroom

Mitteilung vom 23.08.19

Presse-Infos | Kultur

Archäologen legen Kanonenbastion in Herford frei

Bewertung:

Herford (lwl). Seit einer Woche graben Archäologen einer Fachfirma in Zusammenarbeit mit der LWL-Archäologie für Westfalen im Rahmen von Bauarbeiten an der Kreuzung Lübbertorwall und Wilhelmsplatz nahe der Herforder Altstadt. Dabei stießen sie auf eine Bastion der frühneuzeitlichen Stadtbefestigung, die ab dem 16. Jahrhundert mit Kanonen die Bürger schützte. Der Fund ermöglicht den Forschern neue Aussagen zu den städtischen Verteidigungsanlagen, die in einer Zeit politischer Umwälzungen entstanden.

Dr. Bernhard Sicherl, Leiter des Grabungsteams, zeigt sich begeistert von der gut erhaltenen Stadtbefestigung mit ihrer Geschützstellung: "Die freigelegte Mauer ist 1,10 Meter breit und wir konnten sie auf einer Länge von 9,35 Meter erfassen. Deutlich sichtbar ist ebenfalls die Krümmung der Bastionsmauer, die früher halbrund war." Das Fundament hierfür bildet eine mächtige Aufschüttung. Im Umfeld der Mauer entdeckten die Forscher ein paar wenige Scherben von Keramikgefäßen, die zu dem schriftlich überlieferten Bau der Anlage im 16. Jahrhundert passen.

Die Errichtung der Bastion fällt in eine Epoche, in der wegen der Erfindung von Kanonen mittelalterliche Stadtmauern keinen ausreichenden Schutz mehr boten. Um die Wehrkraft zu erhöhen, errichtete die Bürgerschaft zunächst einen Wall vor der Stadtmauer. Dieser Wall schützte den unteren Bereich der Stadtmauer vor Kanonenbeschuss. Vor diesem Wall entstanden Bollwerke. Diese Bastionen bildeten Plattformen für Kanonen und bestanden in einer halbkreisförmigen Aufschüttung, die mit einer Mauer verstärkt war. Am Lübbertor entstand zusätzlich ein neues Stauwehr, das die Werre aufstaute und damit besseren Schutz durch einen breiteren Wasserlauf gewährte. Doch 200 Jahre später verlor die Befestigungsanlage zunehmend ihre Funktion, da die Reichweite von Geschützen immer größer wurde. Im 19. Jahrhundert wurden die Wälle daher eingeebnet und das Gelände neu bebaut.

Hinweise auf den Verlauf der Mauer geben heute neben den Straßennamen noch alte Karten. Stadtarchivar Christoph Laue machte die nun freigelegte Bastion auf Abbildungen des 17. Jahrhunderts schnell aus: "Auf dem Brandplan von 1638 lässt sich deutlich die freigelegte Bastion erkennen. Die in die Werre hineinreichende Geschützstellung ist auch auf Karten von etwa 1690 gut sichtbar."

Während die alten Karten den Verlauf der Mauer gut belegen, gewinnen die Archäologen aus den Grabungen weitergehende Kenntnisse. "Die baubegleitende Untersuchung gibt uns erstmals die Möglichkeit, einzelne Teile im Gelände genau einzumessen und in ihrer erhaltenen Substanz als Bodendenkmal zu erfassen", erklärt Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen. "Wir können nun das Baumaterial bestimmen, den damals nötigen Aufwand berechnen und Details des Festungsbaus so dokumentieren, dass nachfolgende Generationen anhand unserer Unterlagen weiter forschen können," freut sich der LWL-Archäologe.

Die 1529 begonnene Modernisierung der Herforder Stadtbefestigung hatte für die Bürger auch einen politischen Grund: den Konflikt mit ihrer eigenen Landesherrin. Die fürstbischöflich regierende Äbtissin floh 1547 vor ihrer zum Protestantismus konvertierten Bürgerschaft zum Herzog von Jülich. Das reichsfreie Herford war bis dahin nur dem Kaiser unterstellt und fürchtete, der Herzog würde die Herrschaft über ihre Stadt gewaltsam beanspruchen. Mit dem Ausbau der Mauern wappnete sich die Stadt für kriegerische Auseinandersetzungen.


LWL-Archäologie für Westfalen
An den Speichern 7
48157 Münster



Pressekontakt:
Jens Schubert, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-3504 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Archäologie für Westfalen
Zentrale
An den Speichern 7
48147 Münster
Karte und Routenplaner



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
https://www.facebook.com/LWL2.0






Ihr Kommentar




zur Druckansicht dieser Seite

zu den aktuellen Presse-Infos