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Mitteilung vom 08.04.19

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"Darum wählt!"

LWL veröffentlicht Buch über die ersten demokratischen Kommunalwahlen in Westfalen 1919

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Westfalen (lwl). Der demokratische Aufbruch in der Weimarer Republik vollzog sich nicht nur in der Hauptstadt Berlin. Die ersten Kommunalwahlen, an denen Frauen als Kandidatinnen und Wählerinnen teilnahmen, bewegten vor 100 Jahren - zwischen dem 23. Februar und 6. April 1919 - auch die Menschen in Westfalen und Lippe. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) dokumentiert in dem jetzt veröffentlichten Buch "'Darum wählt!' Die ersten demokratischen Kommunalwahlen in Westfalen und in Lippe 1919" die Geschehnisse in rund 600 Städten und Gemeinden der Region.

"Besonders überrascht war ich von der Leidenschaft vor Ort, mit der über die Kommunalwahlen debattiert wurde", so Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, Historiker und Autor des im LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte erschienenen Bandes. Nachdem am 19. Januar 1919 erstmals alle Deutschen die verfassunggebende Nationalversammlung gewählt hatten, folgte in den anschließenden Monaten der demokratische Umbau der Parlamente auf allen politischen Ebenen. Die vorübergehende Herrschaft der Arbeiter- und Soldatenräte wurde bis zum Sommer 1919 in Westfalen abgelöst.

Die Berichte über die Vorbereitungen der Kommunalwahlen offenbaren, mit welcher Intensität um geeignete Frauen und Männer für die Kandidatur gerungen wurde. Im Unterschied zu den Wahlen zur Nationalversammlung und zur Preußischen Landesversammlung waren diejenigen, die sich um ein Mandat bewarben, in ihrer Stadt oder Gemeinde häufig bekannt. Erstmals ging es um die lokalen Belange in der eigenen Lebenswelt.

In seiner Studie untersucht Reininghaus sämtliche Großstädte ebenso wie die kleineren und mittleren Städte sowie eine Auswahl von Landgemeinden in Westfalen. Eine zusammenfassende Analyse geht dem Wahlerfolg der einzelnen Parteien und Interessengruppen nach und zeigt, welche Rolle die sozialen Schichten und Berufe in den Stadt- und Gemeinderäten spielten. Während in Dortmund und Bielefeld die SPD beispielsweise die meisten Stimmen bekam, siegte in Gelsenkirchen und Münster die Deutsche Zentrumspartei, die damalige Vertreterin des katholischen Deutschlands und des politischen Katholizismus.

"Mich hat die regionale Vielfalt überrascht. Sie lässt sich jedoch plausibel erklären: Westfalen ist kein in sich einheitlicher Raum, sondern zerfiel 1919 und zerfällt immer noch in Teilgebiete unterschiedlicher Urbanisierungs- und Industrialisierungsgrade, Agrarstrukturen sowie Konfessionen", erläutert Reininghaus. Obwohl die Beteiligung an den Kommunalwahlen gegenüber den Januarwahlen in ganz Westfalen sank, wurde die Dominanz der alten Eliten aus dem Deutschen Kaiserreich auf lokaler Ebene beendet.

Wilfried Reininghaus:
"Darum wählt!"
Die ersten demokratischen Kommunalwahlen in Westfalen und in Lippe 1919

Ardey-Verlag, Münster 2019, 248 Seiten, Klappenbroschur,
ISBN 978-3-87023-440-9, Preis: 28 Euro



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Kathrin Nolte, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Tel. 0251 591-5706 (Mo, Di, Mi)
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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