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Mitteilung vom 05.04.19

Presse-Infos | Psychiatrie

LWL-Klinikum Gütersloh feiert 100. Geburtstag

Historische Ausstellung eröffnet das Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen

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Gütersloh (lwl). 100 Jahre ist es her, dass das heutige Klinikum Gütersloh des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) als Heil- und Pflegeanstalt die Behandlung der ersten psychisch kranken Patienten aufgenommen hat. Im Jubiläumsjahr 2019 richtet das LWL-Klinikum mit zahlreichen Veranstaltungen den Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Den Auftakt bildet die Eröffnung der Ausstellung "Von der Provinzialheilanstalt zum LWL-Klinikum - EinJahrhundertProjekt". Der Name der Ausstellung ist auch das Motto, unter dem das ganze Jahr lang Vorträge, Ausstellungen, Kongresse, Feste und ein Tag der Offenen Tür im LWL-Klinikum Gütersloh veranstaltet werden.

"Ganz bewusst haben wir uns dazu entschieden, keinen einmaligen Festakt zum 100-jährigen Geburtstag zu veranstalten, sondern das ganze Jahr über für die Auseinandersetzung mit der Klinikgeschichte zu nutzen", sagt LWL-Direktor Matthias Löb.

Die jetzt eröffnete historische Ausstellung zeigt, dass die Klinikgeschichte auch wichtiger Bestandteil der Gütersloher Stadtgeschichte ist. "Besonders freuen wir uns, über die Kooperation mit dem Stadtmuseum Gütersloh und die vom Stadtmuseum mitkonzipierte Ausstellung zur Klinikgeschichte", betont Löb.

Geschichte
In den Anfängen, zur Zeit der Weimarer Republik, stach das Klinikum bereits mit besonderen Merkmalen hervor: Durch die bauliche Anordnung der Gütersloher Anstalt im sogenannten Pavillonsystem ergab sich für die Patientinnen eine familiäre Atmosphäre. Der neue Therapieansatz der "aktiven Krankenbehandlung" des damaligen Ärztlichen Direktors Hermann Simon, in dem die Patientinnen und Patienten Garten- oder Hauswirtschaftsarbeiten übernahmen, war damals revolutionär und fand weitläufig Beachtung und Nachahmung.

Es folgte ein dunkles Kapitel in der Geschichte: Auch die Gütersloher Anstalt war - wie viele andere Anstalten auch - in der Zeit der NS-Diktatur beteiligt an der Zwangssterilisierung sowie Deportierung von Patientinnen und Patienten. Dem tödlichen Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten fielen 1.017 Patienten aus dem Klinikum Gütersloh zum Opfer.

Dieses Thema veranschaulicht eine Wanderausstellung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die von September bis Anfang Oktober mit dem Titel "Psychiatrie im Nationalsozialismus" in der Kreuzkirche auf dem Klinikgelände gezeigt wird.
"Wir stellen uns auch den dunklen Kapiteln der Psychiatrie in Deutschland, in der auch die Gütersloher Klinik verstrickt war. Dies ist nicht nur ein Thema in diesem Jubiläumsjahr, sondern ständige Aufgabe und besonderes Anliegen des LWL", so Löb.

Seit den 60er Jahren gabe es Änderungen und Verbesserungen bei den psychotherapeutischen Behandlungsansätzen sowie in der gemeindepsychiatrischen Versorgung. "Wir sind stolz darauf, dass von der Gütersloher Klinik immer wieder entscheidende Impulse zur Weiterentwicklung psychiatrischer Behandlungsangebote und Versorgungsstrukturen ausgegangen sind, die die Psychiatrie in Deutschland maßgeblich beeinflusst haben", sagt LWL-Krankenhausdezernent Prof. Dr. Meinolf Noeker.

Die Auseinandersetzung mit der historischen Entwicklung bilde eine wichtige Grundlage für aktuelle Diskussionen und Entwicklungen. Neben dem fachlichen Austausch gibt es im Jubiläumsjahr auch die Gelegenheit, das Klinikum aus einer anderen Perspektive kennenzulernen und Einblicke in den Klinikalltag zu erhalten: zum Beispiel beim Besuch des traditionellen "Parkfestes" mit dem "Lauf im Park" am 5. Juli, oder beim "Tag der Offenen Tür" im Zentrum für Altersmedizin am 21. September.

Hintergrund
Das LWL-Klinikum Gütersloh gehört zum LWL-Psychiatrieverbund Westfalen, der mit insgesamt 15 Fachkrankenhäusern für Psychiatrie und Psychotherapie, davon vier Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, als großer Gesundheitsdienstleister psychisch kranken oder behinderten Menschen Leistungen zur Behandlung, Rehabilitation, Eingliederung und Pflege bietet. Mit seinen mehr als 130 Einrichtungen und Außenstellen ermöglicht der LWL-Psychiatrieverbund Westfalen eine gemeindenahe und flächendeckende psychiatrische Versorgung für mehr als 50 Prozent der Einwohner Westfalen-Lippes.

Das LWL-Klinikum Gütersloh ist Kooperationspartner der Universität Bielefeld und verfügt über 338 stationäre Betten und 91 Tagesklinikplätze mit den Fachdisziplinen Psychiatrie, Psychosomatik, Neurologie und Innerer Medizin/Geriatrie, sowie Rehabilitation Sucht- und psychisch Kranker.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Klinik Gütersloh
Hermann-Simon-Str. 7
33334 Gütersloh
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Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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