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Mitteilung vom 06.03.19

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Fenster in die Vergangenheit

LWL-Museum in der Kaiserpfalz eröffnet neue Abteilung zu Paderborn

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Paderborn (lwl). Am Donnerstag (7.3.) eröffnet im LWL-Museum in der Kaiserpfalz die neu gestaltete Abteilung zur Paderborner Stadtarchäologie. Mehr als 150 Exponate geben Zeugnis vom Leben des Paderborner Bürgertums im Mittelalter und in der Neuzeit. Gleichzeitig verdeutlichen die Funde aus über 50 Grabungen die Bedeutung der Paderborner Stadtarchäologie, die seit 25 Jahren an das LWL-Museum in der Kaiserpfalz angegliedert ist. Die Mehrheit der Exponate ist erstmalig in der Kaiserpfalz zu sehen.

"Uns war es wichtig, mit dem 'Fenster in die Vergangenheit' eine offene und helle Ausstellung zu schaffen, die aktuelle Forschungen widerspiegelt und zugleich ein Publikum jeder Altersstufe anspricht", so Museumsleiter Dr. Martin Kroker.

Das LWL-Museum in der Kaiserpfalz lädt alle Interessierten zur Eröffnungsfeier am Donnerstag um 17 Uhr ein. Die Eröffnungsrede hält Dieter Gebhard, der Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung. Gebhard: "Der LWL und das Museum haben über 70.000 Euro in die Neugestaltung investiert, damit wir besonders eindrucksvolle 'jüngere' Funde aus dem Mittelalter und der Neuzeit in der Ausstellung sehen können. Insbesondere für die vielen Arbeitsstunden, die in den vergangenen eineinhalb Jahren in die Vorbereitung und den Aufbau gesteckt wurden, danken wir dem Museumsteam um Museumsleiter Kroker." Nach einer kleinen Feier am Donnerstag gibt das wissenschaftliche Team Einblicke in die Hintergründe der Funde und ihrer Ausgrabungen. Teilnahme und Eintritt sind frei.

Die neue Abteilung besteht aus zwei Bereichen: Der erste Teil zeigt den Besucherinnen, welche Spuren die Menschen in Paderborn quer durch die Jahrhunderte hinterlassen haben. Die präsentierten Funde widmen sich ganz unterschiedlichen Themen des Lebens in der Stadt: verschiedenen Berufen, Armut und Reichtum, Handel, Kleidung oder Religion. Das zeitliche Spektrum reicht vom Hochmittelalter bis in das 20. Jahrhundert.
"Um die Vitrinen ranken sich Wörter zu den Tätigkeiten der Stadtbewohner, die neugierig machen und einen poetischen Einstieg in die Themengruppen geben sollen", beschreibt die Gestalterin Catherine François das Konzept.

So zeigt zum Beispiel luxuriöses chinesisches Porzellan aus dem 18. Jahrhundert, dass Paderborn Teil eines weltweiten Handelsnetzwerkes war. Von der bereits im Mittelalter gebildeten Oberschicht der Stadt zeugen Kleidungsfunde wie Seide und vornehme Schuhe aus Leder.

Weniger vornehm dagegen ist eine Darstellung auf einem Krug aus dem 16. Jahrhundert, der zeigt, wie es an der bäuerlichen Hochzeits-Tafel zuging: In einer Hausecke steht ein Mann, der sich übergeben muss. Auch Krieg und Gewalt sind ein Thema der neuen Ausstellung: Stellvertretend dafür stehen Waffen wie ein Degen und ein Morgenstern, ein mit eisernen Dornen besetzter Holzhammer. Auch das mit 1,70 Meter größte Exponat der Ausstellung gehört in diesen Bereich: Ein Grabstein mit einem Gewicht von über einer halben Tonne, der im 17. Jahrhundert für einen erschlagenen Schneider gestiftet wurde.

Die Besucher bekommen jedoch nicht nur die historischen Originale zu sehen, sondern können auch selbst tätig werden. Hinter Klappen verbergen sich Installationen, die zum Ausprobieren einladen. Wie klingt ein mittelalterliches Pilgerhorn? Von welchen Früchten stammen die Kerne, die Archäologen in Paderborn ausgegraben haben? Wie läuft man auf hölzernen Trippen, die im Mittelalter als Unterschuhe vor dem Straßendreck schützen sollten?

Der zweite Bereich der neuen Abteilung beantwortet die Fragen, woher die ausgestellten Funde eigentlich stammen und wie sie zutage gekommen sind. "Das LWL-Museum in der Kaiserpfalz ist weit mehr als ein Präsentationsraum für archäologische Funde aus Paderborn", erläutert Prof. Michael Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen. "Hier ist auch die Stadtarchäologie angegliedert, die seit ihrer Gründung im Jahr 1994 über 90 Grabungen beaufsichtigt hat."

Anhand von Funden, Plänen und Fotografien berichtet die Abteilung über die bedeutendsten Ausgrabungen in Paderborn. Dazu zählt auch die Grabung "Am Kötterhagen", einem Steinbruch des 8. bis 12. Jahrhunderts mitten im Stadtgebiet, der nach seiner Aufgabe als Wohngebiet genutzt wurde. Die Archäologen gruben hier bis zu 15 Meter in die Tiefe. Stellvertretend für die Vielzahl von Lederfunden steht in der Ausstellung unter anderem ein Bucheinband aus dem 17. Jahrhundert.

"Paderborn ist eine Stadt mit einer sehr reichen Vergangenheit", erläutert Michael Pavlicic, Mitglied des Paderborner Stadtrates, Stadtheimatpfleger und stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses. "Die Archäologie hat an vielen Stellen ein neues Bild der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt sowie ihrer Gesellschaft entstehen lassen."

Die neue Abteilung ersetzt einen Teilbereich der Dauerausstellung, der 2001 entstand und ebenfalls das Leben in Paderborn seit dem späten Mittelalter thematisierte. "Unsere neue Inszenierung zeigt nicht bloß Funde, die noch nie ausgestellt wurden", freut sich Sarah Coesfeld, wissenschaftliche Volontärin im LWL-Museum in der Kaiserpfalz, "sie ist auch moderner und lädt die Gäste zur Interaktion ein."

Das LWL-Museum in der Kaiserpfalz hat es sich zur Kernaufgabe gemacht, die Ergebnisse der Pfalzgrabungen zu Karl dem Großen, Bischof Meinwerk und Heinrich II. zu präsentieren. Darüber hinaus beleuchtet es Westfalen im Frühmittelalter mit der gewaltsamen Eroberung durch die Franken und der Christianisierung unter Karl dem Großen. Es deckt damit die Epoche vom 7. Jahrhundert bis zur Aufgabe der Pfalz um 1200 ab. Funde aus der jüngeren Vergangenheit finden ihren Platz in der neuen Abteilung "Fenster in die Vergangenheit".

Zu dem neuen Ausstellungsraum bietet das Museum auch eine eigene Führung an: Unter dem Motto "Weck den Archäologen in dir!" erfahren Erwachsene und Kinder ab acht Jahren am "Fenster in die Vergangenheit", wie Archäologen arbeiten. Im Anschluss können sie selbst Keramikgefäße , Knochen bestimmen oder Münzen datieren. Der Rundgang findet ganztägig am 9.3. statt und danach regelmäßig jeden Sonntag bis zum 5.5. von 11 bis 13 Uhr. Auch für Gruppen ist er Rundgang buchbar.


Weitere Informationen unter http://www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de.
https://de-de.facebook.com/museuminderkaiserpfalz/

LWL-Museum in der Kaiserpfalz
Am Ikenberg
33098 Paderborn



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Nils Wolpert, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-8921
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
Museum in der Kaiserpfalz
Ikenberg 2
33098 Paderborn
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