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Mitteilung vom 31.01.19

Presse-Infos | Kultur

Farbige Formen und tanzendes Licht

Zur Sonderausstellung "Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung" im LWL-Museum für Kunst und Kultur

Bewertung:

Münster (lwl). Mit der aktuellen Ausstellung "Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung" richtet das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster den Blick auf Künstlerinnen und Künstler, die nach der Schließung des Bauhauses 1933 nach Amerika emigrierten und dort ihre Ideen weiterentwickelten. Gezeigt werden die Auswirkungen der Bauhausbühne als ein interdisziplinäres Laboratorium für Licht- und Bewegungsexperimente bis in die Gegenwart. Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) stellt einzelne künstlerische Positionen oder besondere Themen der Sonderausstellung exemplarisch vor.

Licht und Bewegung bestimmten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Entwicklung der darstellenden und bildenden Künste. Besonders die Futuristen waren von der innovativen Lichtgestaltung auf der Bühne und in den Konzertsälen fasziniert. Ihre Manifeste wurden international wahrgeommen und trugen zu einer regelrechten Lichteuphorie in den 1920er Jahren bei. Auch an der Bauhaus-Bühne wurden die Beziehungen von Formen, Farben, Licht und Raum in Bewegung in Experimenten untersucht. Hier entstanden die Lichtspiele an der Schnittstelle zwischen Malerei, Theater, Film und Skulptur, wie Kurt Schwerdtfegers "Reflektorische Lichtspiele" (1922) und Ludwig Hirschfeld-Macks "Farbenlichtspiele" (1923). Beide Arbeiten beeindruckten den Bauhaus-Meister László Mohloy-Nagys, der 1930 sein "Lichtrequisit einer elektrischen Bühne" schuf.

Ludwig Hirschfeld-Macks (1893-1965) "Farbenlichtspiele" werden durch einen raumgreifenden Lichtspielkasten erzeugt, in dem verschiedene Schablonen mit geometrischen Formen wie Kreise, Dreiecke, Rechtecke, Bogen oder Wellen eingesetzt werden können. Bewegliche Scheinwerfer projizieren farbiges Licht in unterschiedlicher Intensität auf eine transparente Leinwand. Hirschfeld-Mack hielt unterschiedliche Kompositionen, einige mit musikalischer Begleitung, in Form von Partituren fest. Im "S-Tanz" bewegt sich eine stark abstrahierte menschliche Figur zu einer volkstümlichen Melodie. Das fünfminütige "Kreuzspiel" variiert Punkt, Linie und Fläche und verdichtet sich im Zentrum zu einem Lichtkreuz.

Für Ludwig Hirschfeld-Mack wurden in den "Farbenlichtspielen" die Gestaltungsmittel Farbe, Form und Musik zur "orchestralen Einheit" geführt. Auch Moholy-Nagy war von ihnen begeistert, da sie zeigten, wie man statt mit Farbe mit beweglichem Licht malen könne und so die Fläche überwinde. In dem Sinne entsprachen sie Gropius’ Bühnenideen von einem raumkünstlerischen Projekt. Aufgrund ihrer besonderen Wirkung nutzte das Bauhaus die "Farbenlichtspiele" für Werbezwecke: der Apparat wurde öffentlich gezeigt, um für die in politische Bedrängnis geratene Kunstschule zu werben. Zudem arbeitete Hirschfeld-Mack in den 1930er Jahre an einem automatisierten Lichtspielapparat zur kommerziellen Lichtreklame, der jedoch nie zum Einsatz kam.

Auch für László Moholy-Nagy (1895-1946), einer der wichtigsten Bauhaus-Lehrer, war das Bauen mit Licht ein Kernthema seines künstlerisch-gestalterischen Suchens und Experimentierens. Sein wohl einflussreichstes Werk ist das "Lichtrequisit einer elektrischen Bühne" (1930), besser bekannt unter dem Titel "Licht-Raum-Modulator". Er beschreibt es selbst als "eine komplizierte Formation aus metallenen und gläsernen Stangen und Stäben sowie durchlochten, opaken und transparenten Flächen", die "von einem Motor betrieben und von verschiedenen Lichtquellen angestrahlt" wird. Wenn die Lichtskulptur eingeschaltet ist, entsteht ein faszinierendes Zusammenspiel aus den materiellen Elementen der bewegten Skulptur und den immateriellen Elementen der Licht- und Schattenprojektion im Raum.

Der "Licht-Raum-Modulator" ist einerseits Maschine, andererseits Kunstwerk, vor allem wird hier elektrisches Licht zum Material der Bildhauerei. Der "Licht-Raum-Modulator" ist nicht nur eine der ersten großen kinetischen Lichtskulpturen, sondern auch Hauptakteur des frühen experimentellen Filmes von Moholy-Nagy: "Ein Lichtspiel. Schwarz-Weiß-Grau" (1930). Doch Moholy-Nagys Visionen gingen weiter: "ich träume von lichtapparaten, mit denen man handwerklich oder automatisch-mechanisch lichtvisionen in die luft, in große räume und auf schirme von ungewöhnlicher beschaffenheit, auf nebel, gas, und wolken schleudern kann."


Besondere Hinweise
Ludwig Hirschfeld-Macks "Farbenlichtspiele" (1923) ist in einer Rekonstruktion von 1999 zu sehen. Zur Lichtspielapparatur finden sieben Workshops statt, in denen die Teilnehmer die Arbeit erfahren und selbst bedienen können.

COLOURED LIGHT LIVE
Dauer: ca. 80 Minuten, Eintritt: 15 Euro, Tickets an der Museumskasse erhältlich
Donnerstag, 14.2.2019, 18.30 Uhr / Freitag, 15.2.2019, 18.30 Uhr und 20 Uhr / Samstag, 16.2.2019, 18.30 Uhr und 20 Uhr / Sonntag, 17.2.2019, 18.30 Uhr und 20 Uhr

László Moholy-Nagys "Lichtrequisit einer elektrischen Bühne" (1930) ist als Nachbau von 2006 zweimal täglich, 11 und 16 Uhr, für 15 Minuten in Aktion zu erleben.


Öffentliche Angebote
Jeden Samstag und Sonntag bietet das Museum um 14 und um 15.15 Uhr einstündige geführte Ausstellungsrundgänge an. Am Wochenende ermöglichen außerdem 25-minütige "Spotlight-Rundgänge" einen thematischen Zugang zur Ausstellung: zur Bauhausbühne, Samstag, 16 Uhr, und Sonntag, 11 Uhr, zur Lichtkunst, Samstag, 16.30 Uhr, und Sonntag, 11.30 Uhr, oder zu Fotoexperimenten, Samstag, 17 Uhr, und Sonntag, 12 Uhr. Weitere öffentliche Angebote finden Sie unter http://www.bauhaus-amerika.de.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Judith Frey, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Telefon: 0251 5907-209, judith.frey@lwl.org
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Westfälisches Landesmuseum
Domplatz 10
48143 Münster
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