LWL-Newsroom

Mitteilung vom 03.09.18

Presse-Infos | Kultur

Besucherbilanz: 135.000 sahen Friedensausstellung

Großes Kooperationsprojekt "Frieden. Von der Antike bis heute" beendet

Bewertung:

Münster. Nach 127 Ausstellungstagen ging am Sonntag (2.9.) die große Kooperationsausstellung "Frieden. Von der Antike bis heute" zu Ende. Insgesamt haben 134.822 Besucher die Ausstellung gesehen - eine Bilanz, über die sich die Organisatoren sehr freuen. In einem einzigartigen Schulterschluss hatten sich erstmals fünf museale Institutionen in Münster für dieses über mehrere Jahre vorbereitete Projekt zusammengetan.

Gemeinsam stellten das Archäologische Museum der Universität Münster ("Eirene / Pax - Frieden in der Antike"), das Bistum Münster ("Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?" und "Biete Frieden"), das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster ("Picasso - Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube"), das Stadtmuseum Münster ("Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden") und das LWL-Museum für Kunst und Kultur ("Wege zum Frieden") die große und vielschichtige Geschichte des Friedens in vielen seiner kulturellen Facetten dar. Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und war als Gemeinschaftsprojekt "Frieden.Europa" von Münster und Osnabrück ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr.

"Drei Jahre lang haben wir auf dieses Großereignis hingearbeitet, die ausgezeichneten Besucherzahlen belohnen uns jetzt für die aufwändige Planung und Forschung", zieht der Sprecher der Kooperation, Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur, Bilanz. "Aber es sind nicht nur die Zahlen, die uns glücklich machen, sondern auch die vielen Begegnungen mit Besucherinnen in den Ausstellungen und bei dem hochkarätigen Veranstaltungsprogramm. Immer wieder haben wir gehört, wie wichtig es den Menschen ist, dass wir das Thema Frieden breit und fundiert in die Öffentlichkeit tragen."

Ein Höhepunkt der Großausstellung war der Katholikentag im Mai, der den Museen knapp 8.000 zusätzliche Besucher bescherte. Anlässlich des Katholikentags hatte das Friedensprojekt ein Konzert des Arab-Jewish-Orchestras aus Tel Aviv organisiert. Auch wenn das Wetter bei dem Open-Air-Konzert an den Aaseeterrassen nicht mitspielte, sei das Publikum zwar nass, aber begeistert und sehr bewegt gewesen, so Arnhold.

Im Juni diskutierten die Besucherinnen mit den Friedensforschern und -aktivisten Irina Scherbakova aus Moskau, Jakob von Uexküll aus London und Philipp Blom aus Wien. Beim Publikum sehr gut angekommen sind auch die Veranstaltungen mit Herfried Münkler, Experte zum Thema "Westfälischer Frieden", und mit dem Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Friedrich Schorlemmer.

Aber nicht nur internationale Intellektuelle trugen dazu bei, das Thema "aus der Vitrine zu holen", sondern auch Betroffene. So konnte das Auditorium im LWL-Museum nicht alle Gäste fassen, als die Brüder Hamed und Ahmed Alhamed von ihrer Flucht aus Syrien berichteten.

Ein Höhepunkt der Ausstellung war der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 13. Juli. Anlässlich der Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens an die baltischen Staaten war der Bundespräsident nach Münster gereist und nahm gemeinsam mit den Preisträgern an einem Festessen und einer Führung im LWL-Museum für Kunst und Kultur teil.

"Was heißt Frieden für dich?" Mit dieser Frage beschäftigten sich 125 Schülerinnen von zwölf bis 19 Jahren in einem großen Vermittlungsprojekt anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018. Sieben Monate lang schrieben und arbeiteten die Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule, des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, des Ratsgymnasiums, der Technischen Schulen Steinfurt und des Ludwig-Erhard-Berufskollegs zum Thema "Frieden" und dessen Bedeutung für jeden Einzelnen. Das Projekt endete vor den Sommerferien mit einer Ausstellung und einem Friedenspicknick im LWL-Museum. Eindrücke aus dem Projekt und didaktisches Material für die Beschäftigung mit dem Frieden im Schulunterricht stehen auf einem Blog zur Verfügung: https://projektfrieden.wordpress.com/.

Besonders freuen sich die Organisatoren über die erstaunlich hohe Anzahl an jungen Besucherinnen, die an den Vermittlungsprogrammen wie Workshops und Führungen teilgenommen haben: Insgesamt waren das 4600 Schüler. Ein großer Erfolg war auch die Junge Nacht #LoveLoveLove, zu der im Juni rund 4000 Studierende, Auszubildende und Schülerinnen kamen. Bei den erwachsenen Besuchern war das Kombi-Ticket sehr beliebt, das den Eintritt in alle fünf Ausstellungen ermöglichte: Das Ticket wurde 2.054 Mal verkauft.

Auch wenn die Ausstellungen vorbei sind: Das interaktive Multimedia-Book "Friedensorte in Münster" kann weiterhin im App-Store kostenfrei heruntergeladen werden. Es richtet sich primär an Jugendliche und junge Erwachsene und beschäftigt sich mit den vielfältigen Bezügen des Münsteraner Stadtbildes zum Frieden. Videos und kurze Texte navigieren den Nutzer durch die Stadt und bringen ihn auf unterschiedlichen Touren zu den Friedensorten in der Nähe. Die App kann auch im Schulunterricht verwendet werden.

Außerdem ist die Teilausstellung "Biete Frieden", die das Bistum Münster zusammen mit 14 jungen Künstlern der Klasse Löbbert (Kunstakademie Münster) entwickelt hat, noch bis zum 10. Oktober im und am St.-Paulus-Dom werktags von 6.30 bis 19 Uhr sowie sonn- und feiertags von 6.30 bis 19.30 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Kostenfreie Führungen gibt es jeden Mittwoch um 11 Uhr und am 6.9., 13.9. und 4.10. durch den Künstler Peter Lepp. Treffpunkt ist das Paradiesportal am Dom.

Unterstützt wurde die Ausstellung von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder, des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kunststiftung NRW, der Stiftung Kunst³ für das LWL-Museum für Kunst und Kultur, der Sparkasse Münsterland Ost, der Friede Springer Stiftung und weiteren Förderern.


Fünf Ausstellungen - Eine Kooperation

LWL-Museum für Kunst und Kultur
Wege zum Frieden

LWL-Direktor Matthias Löb

400 Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und 100 Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges sprechen wir in diesem großen Gemeinschaftsprojekt über Kriege als unausrottbares Übel der Menschheit, aber auch über die zeitlose Sehnsucht der Menschen nach einem dauerhaften Frieden. Die Themen, die wir in unserer fünfteiligen Ausstellung behandeln, sind also keineswegs "alte Hüte", sondern leider aktueller denn je.

Die Ausstellung des LWL-Museums für Kunst und Kultur widmete sich den künstlerischen und historischen Strategien, die das Ideal einer aggressionsfreien Welt verhandeln. Symbole des Friedens und deren Wandel wurden gleichsam thematisiert wie bedeutsame Friedensschlüsse, darunter der Friede von Venedig (1177), der Westfälische Friede (1648) und der Versailler Vertrag (1919). Namhafte Künstler wie Rubens, Lehmbruck oder Dix veranschaulichten durch ihre kriegsanklagenden Werke eindringlich die Ambivalenz zwischen Krieg und Frieden. Die Ausstellung schärfte damit den Blick auf die gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen.

Das Bistum Münster zu Gast im LWL-Museum für Kunst und Kultur
Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?

Generalvikar des Bistums Münster PD Dr. Norbert Köster

Mit der Ausstellung möchten wir zum Ausdruck bringen, dass die Vision vom Frieden ganz zentral zur christlichen Religion gehört. Der Frieden ist ein Maßstab, an dem wir erkennen können, ob Gott in dieser Welt einen Platz hat oder nicht, auch bei den Christen selbst.

Das Bistum Münster beleuchtete mit seiner Ausstellung Wandel und Wirkung christlicher Friedensvorstellungen von der Antike bis heute wie auch den Zwiespalt zwischen Ideal und Wirklichkeit. Neben antiken Objekten wurden Kunstwerke von Stoss, Rubens, Schmidt-Rottluff und Pankok sowie Originaldokumente von Dietrich Bonhoeffer und der Weißen Rose ausgestellt. Seit Juni sind zudem Kunstwerke der "Klasse Löbbert" (Kunstakademie Münster) im und um den St.-Paulus-Dom zu sehen. Für die jungen Besucher der Bistumsausstellung gab es eine eigene Kinderebene.


Archäologisches Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU)
Eirene - Pax. Frieden in der Antike

Prof. Dr. Michael Quante, Prorektor der WWU

Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg oder Gewalt. Er besteht ganz wesentlich in der Bereitschaft, Konflikte auf humane Weise zu lösen und den Menschen ein gelingendes Leben in Pluralität und Freiheit zu ermöglichen.

In der Ausstellung des Archäologischen Museums der Universität Münster stand der Frieden in der Antike im Mittelpunkt, angefangen mit dem ältesten Friedensschluss der Welt zwischen dem Hethiter-Reich und Ägypten (1259 v. Chr.). In Griechenland sind die Götter die Garanten des Friedens. Im 4. Jh. v. Chr. wird der Friedensgöttin Eirene in Athen eine prächtige Kultstatue geweiht. Die römischen Kaiser nutzen die Friedenssymbolik, um ihre gute Regierung und die daraus resultierende Wohlfahrt des Reiches ins Bild zu setzen. Das 3. Jh. n. Chr. besticht durch einen markanten Widerspruch: Die Zeiten sind so kriegerisch wie nie zuvor, auf den Münzen aber werden die Friedensgöttin Pax sowie die friedensgebenden Götter in unzähligen Münzserien abgebildet - eine Inflation des Friedens.

Stadtmuseum Münster
Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden

Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster

Mehr als 300 Jahre war für das katholische Münster der Westfälische Frieden kein Grund zum Feiern! Man verstand sich nicht als Friedensstadt, weil die Protestanten als Sieger des Friedens erschienen. Der Wandel in der Bewertung des Westfälischen Friedens erfolgte erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung "Ein Grund zum Feiern?" verdeutlicht eindrucksvoll, wie abhängig das Urteil über den Westfälischen Frieden von den jeweiligen zeithistorischen Umständen war.

Die Ausstellung "Ein Grund zum Feiern?" thematisierte das Verhältnis der Stadt Münster zum Westfälischen Frieden in der Zeit von 1648 bis heute. Im Mittelpunkt standen die Jubiläen 1748, 1848, 1898 sowie 1948 und die unterschiedlichen Bewertungen des Friedens. Die Stadt Münster gedachte 1898 erstmals offiziell des Westfälischen Friedens. Die Nationalsozialisten versuchten in einer bereits 1940 fertig gestellten, aber nie eröffneten Propagandaausstellung, den als Tiefpunkt deutscher Geschichte angesehenen Friedensschluss politisch zu missbrauchen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gedenkwoche zum 300. Jubiläum im Jahr 1948 erfolgte eine Neubewertung des Westfälischen Friedens, der nun als europäischer Einigungsfrieden verstanden wurde.


Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picasso - von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube

Prof. Dr. Markus Müller, Museumsleitung Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Pablo Picasso ist DER Künstler des 20. Jahrhunderts, der mit seinem Schaffen am engsten mit der Friedensthematik verbunden ist. Mit dem Anti-Kriegsbild "Guernica" und der Friedenstaube schuf er zwei Ikonen der Moderne, die bei Friedensdemonstrationen bis heute immer wieder als Bildzitate Verwendung finden. Die Ausstellung beleuchtet Picassos künstlerisches Engagement im Hinblick auf das Friedensthema und die bewegte Rezeptionsgeschichte seiner Werke.

In der Ausstellung "Picasso - Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube" veranschaulichte das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster die künstlerische Auseinandersetzung des Spaniers mit Krieg und Frieden. Die Schau zeigte mit rund 60 hochkarätigen Werken Picassos kreativen Einsatz für die Ziele der Friedensbewegung, seine Auseinandersetzung mit politischen Parteien sowie seinen Versuch, die Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs künstlerisch zu überwinden - in der Hoffnung auf die Errichtung eines friedlichen Europas. Im Mittelpunkt der Schau stand seine berühmte Friedenstaube, die er für den ersten Weltfriedenskongress 1949 entwarf.


Pressekontakt:
Claudia Miklis
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Telefon +49 (0)251 5907-168
claudia.miklis@lwl.org / www.ausstellung-frieden.de



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Claudia Miklis, presse@ausstellung-frieden.de, Telefon 0251 5907-168
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